Besonderer Stadtrundgang
Als die Frauen erstmals wählten

Dülmen. Wer Elisabeth Komnik war? Die erste Frau, die in den Dülmener Stadtrat gewählt wurde. Das war 1919. Wie wenig vertreten Frauen aber auch heute noch in der Dülmener Politik sind, zeigte jetzt ein Stadtrundgang.

Sonntag, 19.05.2019, 13:56 Uhr aktualisiert: 19.05.2019, 17:33 Uhr
Besonderer Stadtrundgang: Als die Frauen erstmals wählten
Frauen in der Dülmener Stadtgeschichte, das war das Thema bei einem Rundgang mit Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann und der Gleichstellungsbeauftragten Lisa Bäther. Foto: Kerstan

Wie die Zentrumspartei 1919 Wahlkampf für Frauen machte? Mit den Themen Kirche und Bildung. „Christliche Frau, es sind Deine Kinder! Du hast das Recht und die Pflicht, sie für Gott zu erziehen.“

Auf dass die Sozialdemokraten bloß nicht den Religionsunterricht abschaffen oder gemeinsame Schulen für Katholiken und Protestanten einführen. Kein Wunder also, dass bei einer „großen Zentrumsveranstaltung für Frauen und Jungfrauen“ in Dülmen dann auch ein Geistlicher Hauptredner war.

Von der Nonne bis zur Unternehmerin

Diesen kleinen Einblick in den Wahlkampf 1919 gab Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann bei einem Stadtrundgang, der sich mit dem Thema Frauen in Dülmen befasste. Gemeinsam mit der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Lisa Bäther erinnerte er beispielsweise an die Arbeit der Clemensschwestern im Kranken- und Armenhaus, berichtete über Nonnen in Dülmen (darunter Anna Katharina Emmerick) oder wie kompliziert es war, bis Jungen und Mädchen gemeinsam eine Schule besuchen durften. Auch das Wirken der Unternehmerin und Stifterin Else Bendix beleuchtete Sudmann.

Erste Frau 1919 im Stadtrat

Zum Auftakt des Rundgangs, an dem vor allem Frauen teilnahmen, stand jedoch die Politik im Vordergrund. So wurde 1919 mit
Elisabeth Komnik für die Zentrumspartei auch erstmals eine Frau in den Stadtrat gewählt.

Sie sei jedoch kommunalpolitisch nicht großartig in Erscheinung getreten, erläuterte Sudmann. Und: „Sie wurde als Geschäftsführer-Ehefrau geführt. Ehefrau war also ihr Beruf.“

Heute nur 17 Prozent Frauen-Anteil im Rat

Nach Komniks Ausscheiden 1924 dauerte es bis zur Nachkriegszeit, ehe Frauen wieder im Rat vertreten waren. Mit Christa Krollzig kam zudem erst Mitte der 80er-Jahre erstmals eine Frau in eine Führungsposition im Rathaus. 1994 war Dorothea Hainke Dülmens erste Bürgermeisterin, allerdings nur politische Repräsentantin der Stadt.

Erst 2009 wurde mit Lisa Stremlau auch eine Frau Verwaltungschefin. Und: Aktuell sind von 44 Stadtverordneten nur sieben weiblich, betonte Bäther - gerade einmal 17 Prozent.

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