„Kein Fall darf versanden“
Katholische Gemeinden nehmen die Gefahr von Kindesmissbrauch sehr ernst

Dülmen -

Die DZ-Redakteure Markus Michalak und Claudia Marcy sprachen mit den Pfarrern Peter Nienhaus (Heilig Kreuz) und Ferdinand Hempelmann (St. Pankratius/St. Georg) sowie den Pastoralreferentinnen Christiane Zirpel (St. Viktor) und Elisabeth Scheffer (Heilig Kreuz) über Konsequenzen für die eigene Gemeindearbeit bezüglich des Themas "Sexueller Missbrauch in der Katholischen Kirche".

Freitag, 19.04.2019, 09:00 Uhr
Im DZ-Gespräch erläuterten Vertreter der katholischen Kirche in Dülmen ihre Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen.
Im DZ-Gespräch erläuterten Vertreter der katholischen Kirche in Dülmen ihre Konzepte zum Schutz von Kindern und Jugendlichen. Foto: Primus

Sexueller Missbrauch von Kindern ist leider viel weiter verbreitet, als angenommen. Nicht nur in der Katholischen Kirche. Doch gerade für diese Institution, die sich als moralische Instanz versteht, waren und sind die Ergebnisse einer Studie, die sich im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz mit dem Missbrauch von Kindern durch Geistliche beschäftigt, ein schwerer Schock.

„Ich hatte natürlich nicht angenommen, dass an den Verdachtsfällen gar nichts dran ist. Aber das gewaltige Ausmaß dieser Missbrauchsfälle hat mich doch erst einmal stumm gemacht“, erinnert sich Pastor Ferdinand Hempelmann an seine erste Reaktion. Geschockt war auch Peter Nienhaus. Er fügt hinzu: „Wir dürfen beim Erschrecken nicht stehen bleiben.“

Man müsse schauen, welche systemischen Gründe es für Missbrauch gibt und gab. Ein Grund sei eine lebensferne Sexualmoral gewesen, sagt Nienhaus. „Die Jugendlichen lachen doch heute über eine Vorstellung von Sexualität, die ausschließlich in der Ehe ihren Platz haben soll.“

Viel zu lange habe die Kirche eine Sexualmoral vertreten, die Sexualität vor allem mit Sünde verbunden hat. „Unsere Strukturen mit Über- und Unterordnung haben Machtmissbrauch und so eben auch sexuellen Missbrauch leider begünstigt - und verhindert, dass die richtigen Konsequenzen gezogen wurden“, erklärt Nienhaus. Und ist sich mit Hempelmann einig: „Die Kirche hätte viel zur Sexualität als Geschenk Gottes zu sagen.“ Aber einstweilen werde sie hierzu kein Gehör mehr finden können.

„Wir müssen jetzt endlich neue Antworten zur Homosexualität, zum Zölibat und auch zu der Frage nach Frauen im Priesteramt finden“, sehen die Pfarrer nach vorn.

Heilig Kreuz und St. Viktor haben inzwischen jeweils ein „Institutionalisiertes Schutzkonzept“ entwickelt, das im Mai veröffentlicht wird. Es soll sexuellen und gewalttätigen Missbrauch verhindern helfen und bietet ein standardisiertes Verfahren, was zu tun, wer einzuschalten ist, falls sich Betroffene melden oder es Anschuldigungen gibt. Auf keinen Fall sollte es mehr dazu kommen, dass solche Meldungen irgendwo versanden und nichts geschieht.

„Wir stecken mitten in den Vorbereitungen und werden unser Konzept im kommenden Jahr vorstellen“, ergänzt Hempelmann für St. Pankratius und St. Georg. Das Bistum Münster hat alle Kirchengemeinden mit der Erstellung eines solchen Konzepts beauftragt.

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