Berührende Gedichte von Eva Strittmatter
Keine Angst vor Offenheit

Dülmen. Mit dem Gedicht „Ich mach ein Lied aus Stille“, behutsam unterlegt durch Gitarrenklänge zu Simon & Garfunkels Stück ‚Sounds of Silence‘ eröffneten am Sonntag Bernd Vogt und Patrick Gremme den Literarisch-Musikalischen Abend zu der ostdeutschen Schriftstellerin und Dichterin Eva Strittmatter. „Der Name Strittmatter ist nun wahrlich kein Zugpferd“, zeigte sich Vogt angesichts der mit über 500 Besuchern bis auf den letzten Stuhl besetzten Aula über das riesige Interesse an dem nunmehr neunten Lyrikprogramm freudig überrascht.

Montag, 11.03.2019, 18:17 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 18:19 Uhr
Gedichte Eva Strittmatters, von Melancholie und radikaler Offenheit geprägt, brachte Bernd Vogt (l.) auf die Bühne, musikalisch begleitet von Patrik Gremme.
Gedichte Eva Strittmatters, von Melancholie und radikaler Offenheit geprägt, brachte Bernd Vogt (l.) auf die Bühne, musikalisch begleitet von Patrik Gremme. Foto: Bücker

Tatsächlich zählte die in Westdeutschland kaum bekannte Autorin mit ihren eingängigen, aber tiefgründenden Versen zu den meistgelesenen Lyrikerinnen der DDR - zunächst eben nur dort.

„Wäre die Grenze nicht gefallen, hätten wir uns heute sicher einer anderen Person gewidmet“, verdeutlichte Vogt die literarische Anonymität Eva Strittmatters. Das Gedicht ‚Ich mach ein Lied aus Stille‘ war im Jahr 1973 gleichzeitig Titel ihres Debütbandes als auch ihr literarischer Durchbruch. Zwölf weitere Bände sollten folgen, in denen sie rückhaltlos ihre eigenen Schwächen und Gefühle, Ängste, Sorgen und Zweifel thematisierte.

Die Gedichte Strittmatters drücken nach Vogt ihre Sehnsucht nach Liebe und der Sucht nach Leben aus und spiegelten das Leben der Schriftstellerin. Schon als Studentin hatte sie als gute Gastgeberin gegolten, mit Gesprächen bis in die tiefe Nacht, bei denen auch kein Durstwunsch unerfüllt blieb.

Prägend war im Leben der Dichterin deren komplizierte Ehe zum 18 Jahre älteren und bekannten Schriftsteller Erwin Strittmatter. Auch hier folgte bei der oft betrogenen Ehefrau und Mutter der glühenden Liebe eine tiefe Ernüchterung.

(Weitere Berichterstattung zum Thema in der Dienstags-Printausgabe sowie im E-Paper.)

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