Imkerin Carola Keßel spricht über das Verschwinden der Bienen
„Insektensterben betrifft jeden“

Dülmen. Drei Bienenbeuten stehen in einem naturbelassenen Garten in einem Wohngebiet in Dülmen. Vereinzelt fliegen ein paar ihrer Bewohner davor herum.

Dienstag, 19.02.2019, 17:45 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 17:50 Uhr
Imkerin Carola Keßel spricht über das Verschwinden der Bienen: „Insektensterben betrifft jeden“
Tausende von Bienen gehören zu diesem Volk, das eine Beute im Garten von Carola Keßel bewohnt. Im Winter sammeln sich die Tiere alle um die Königin, um diese zu wärmen. Foto: Beena Shaikh

„Eigentlich haben wir ja noch Winter“, erzählt Hobby-Imkerin Carola Keßel. „Aber bei den aktuellen Temperaturen machen die Bienen gern ein paar Inspektions- und Säuberungsflüge.“ Doch was erwartet die so wichtigen Insekten auf ihren Erkundungstouren?
In Bayern hatte in der vergangenen Woche das Volksbegehren mit dem Thema „Rettet die Bienen“ großen Erfolg. Die Bürger standen Schlange, um sich in die Unterschriftenlisten einzutragen. Das kann Keßel nur begrüßen: „Insektensterben betrifft jeden“, betont sie.
In Dülmen gehe es den Honigbienen im Vergleich zu größeren Städten gut, erläutert die 46-Jährige. Ihre Tiere finden bisher durch die ländliche Ortsrandlage noch einiges, was sie zu Honig verarbeiten können. „Hier gibt es eher kleinere Äcker, und oft pflanzen Bauern Blühstreifen, um die Agrarflächen auszugleichen“, betont die Imkerin. „Natürlich haben wir auch Ausfälle bedingt durch Milben, Pflanzenschutzmittel und den Klimawandel. Aber um alle Insekten, um die sich der Mensch nicht kümmert, steht es viel schlechter.“ Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge und alles, was noch durch die Wiesen und Wälder krabbelt und fliegt, sei bedroht.
Für ihre eigenen Ausfälle hat Carola Keßel einen Verdacht: „Im letzten Jahr ist ein ganzes Volk verendet. Woran es genau gelegen hat, kann ich nicht sagen.“ Die Imkerin vermutet jedoch, dass Neonikotinoide schuld sein könnten. „Diese nehmen die Insekten von Maispflanzen auf, die aus gebeizten Samen wachsen. Der Stoffe wirken wie ein Nervengift und machen die Biene orientierungslos, sie findet dann nicht mehr zu ihrem Volk zurück.“ Die Tiere verhungerten dann schlichtweg. Auch habe sie beobachtet, dass die Legeleistung ihrer Königinnen abnimmt. „Der Genpool der Völker verändert sich, es gibt weniger Königinnen, die ein neues Volk um sich scharen können.“

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