Jürgen Becker vor seinem Dülmen-Gastspiel im Gespräch
„Kabarett muss sich reiben“

Dülmen. In der Kabarettreihe des Kulturteams ist der Kölner Kabarettist Jürgen Becker am 24. Januar in der Aula des Schulzentrums zu Gast. Im Vorfeld nutzte DZ-Redakteur Hans-Martin Stief die Gelegenheit, mit Becker über dessen neues Programm sowie über Gott und die Welt zu sprechen.

Freitag, 11.01.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 12.01.2019, 10:45 Uhr
Jürgen Becker vor seinem Dülmen-Gastspiel im Gespräch: „Kabarett muss sich reiben“
Jürgen Becker kann auf der Bühne auch politisch unkorrekt sein. Foto: Jörn Neumann

Herr Becker, rund 70 Prozent der Dülmener gehören der katholischen Kirche an, also das ideale Publikum für Sie?

Jürgen Becker: Kabarett muss sich reiben und ist vor allen in Gegenden verbreitet, in denen die katholische Kirche stark vertreten ist oder wie in Bayern die CSU. Auch Leipzig hat eine starke Kabarettszene, und insgesamt findet sich Kabarett häufiger in katholischen als in protestantischen Gegenden. Insofern ist Dülmen ein gutes Pflaster für Kabarett.

Bringen Sie am 24. Januar wieder Alkohol mit in die Aula?

Becker: Aber natürlich bringe ich Kölsch mit. Das habe ich mir von der katholischen Kirche abgeguckt und wir machen die Kommunion mit Flüssigkeit, denn ich finde es gut, wann man am Ende bei Freibier noch etwas zusammen ist.

Was begehrt eigentlich das Volk, ist es vielleicht die Kunst?

Becker: Was das Volk begehrt, hat in erster Linie die Me-too-Debatte gezeigt. Der Mensch ist auch nur ein Tier, obwohl er sich die Krone der Schöpfung nennt. Daher hat der Mensch einen Begriff wie die Gürtellinie erfunden. Wenn man Männer an der Hotelbar nach dem sechsten Glas Bier beobachtet, merkt man, dass sie bei den Themen schon enorm aufpassen müssen, um nicht unter die Gürtellinie zu geraten.

Jürgen von der Lippe würde auf einen guten Gag verzichten, wenn der auf Kosten des Islams geht, auf der Bühne aber durchaus politisch unkorrekt sein. Wie sehen Sie das?

Becker: Ich finde, dass jede Religion das Recht hat, dass sich auch das Kabarett um sie kümmert, und da sollte auch niemand ausgespart bleiben. Es kann ja auch niemand dafür, welcher Religion er angehört. Ich bin zum Beispiel in Köln geboren und daher katholisch. Wer dagegen aus dem Orient, also zum Beispiel aus Gummersbach oder noch weiter weg stammt, der ist als Moslem geboren. Margot Käsmann ist in Marburg geboren und daher evangelisch. Wäre sie eine Muslima und hätte nie Alkohol getrunken, dann wäre sie vielleicht heute noch im Amt. Man weiß ja auch nicht, welches der richtige Glaube ist. Nehmen wir mal als Beispiel einen katholischen Pfarrer, der in den Himmel kommt und dort plötzlich auf 72 Jungfrauen trifft. Der weiß ja gar nicht, was er damit anfangen soll.

Ist die Malerei auch eine Form der Satire und darf sie dabei mehr als der Satiriker selbst?

Becker: Satire funktioniert über das Wort und das Bild und daher kann auch die Malerei Satire sein.

Jürgen Becker ist mit seinem Programm „Volksbegehren - Die Kulturgeschichte der Fortpflanzung“ am Donnerstag, 24. Januar, zu Gast in Dülmen. Beginn in der Aula des Schulzentrums ist um 20 Uhr. Karten für den Abend gibt es im Vorverkauf für 25 Euro an der Infothek der Alten Sparkasse, Tel. 02594/12400 oder Email kultur@duelmen.de. An der Abendkasse kosten die Karten 28 Euro.

Mehr zum Thema in der Printausgabe und dem E-Paper der DZ am Samstag.

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