Abzocke bei Grundstückskauf
Gute Geschäfte unter Freunden

Dümen. Mehrfach musste sich das mutmaßliche Betrugsopfer, der 75-jährige Paul M. im Amtsgericht Dülmen unangenehme Fragen im Zeugenstand gefallen lassen. „Machen Sie das häufiger, dass Sie einem Kurier mehrere Tausend Euro im Briefumschlag übergeben?“ oder „Haben Sie schon einmal ein Grundstück gekauft? Lief das ähnlich ab?“

Samstag, 22.09.2018, 09:54 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.09.2018, 19:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Samstag, 22.09.2018, 09:54 Uhr
Abzocke bei Grundstückskauf: Gute Geschäfte unter Freunden
Noch ist im Betrugsprozess gegen zwei Angeklagte kein Urteil gefällt worden. Foto: Archiv

Nein, normalerweise läuft der Maurer im Ruhestand nicht mit zigtausend Euro im Umschlag herum. Und ja, bei einem früheren Grundstückskauf sei alles geordnet abgelaufen: Erst wurde der notarielle Vertrag geschlossen, dann floss das Geld.

Ganz anders bei einem Grundstückskauf aus dem Jahr 2012. Laut Anklage gab es hier keine Quittungen, geschweige denn Verträge, nur auf Treu und Glauben sollen am Ende Hunderttausende Euro in bar geflossen sein.

Fest steht: Die Familie war damals auf der Suche nach einem Grundstück, das sie im Nebenerwerb beackern wollte. Und da Paul M. einen guten Draht zu Franz B. hatte, einem Geschäftsmann, für den er mal gearbeitet hatte, bat er ihn um Rat. Der habe ihm erzählt, dass er in seiner Zeit als Immobilienkaufmann „das Geld mit der Schubkarre nach Hause gefahren“ hätte. Ein idealer Partner also bei der Grundstückssuche?
Ein glücklicher Zufall schien das zu bestätigen: Ein Jagdkumpel von Franz B., der Rechtsanwalt von Beruf ist, wäre gern bereit, seine Brachfläche in der Bauerschaft Schölling bei Hiddingsel zu verkaufen. Zu einem Bruchteil des Marktwertes. Man kennt sich, man hilft sich. Ein Top-Angebot, das Paul M. unbedingt wahrnehmen will. In der Folge kommt es laut Familie M. immer wieder zu Telefonanrufen des angeblichen Rechtsanwalts Westermann. Der lässt stets durchblicken, man solle Dirk B., dem Sohn von Franz B. finanziell unter die Arme greifen. Das tut die Familie. Mal für Autoreifen mal für einen Ofen in dessen Bäckerei.

Am Ende sollen rund 200.000 Euro gezahlt worden sein - ein Grundstück war damit jedoch nicht erworben.

Mehr zum Thema bringt die Dülmener Zeitung am Freitag in Printausgabe und E-Paper.

Aus aktuellem Anlass: Bei dem von den mutmaßlichen Betrügern erfundenen Rechtsanwalt Dr. Westermann handelt es sich selbstverständlich nicht um den Bulderner Rechtsanwalt Achim Westermann. Diese Namensgleichheit ist vielmehr kompletter Zufall.

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