Zukunft des Truppenübungsplatzes
Wildwest in den Borkenbergen

Hausdülmen. Wo bis Mitte vergangenen Jahres Kettenfahrzeuge durch den Sand gerattert sind und Granaten abgefeuert wurden, da könnten schon in wenigen Jahren Wisente friedlich neben Wildpferden grasen und gemeinsam dafür sorgen, dass die weitgehend naturbelassene Weidelandschaft auf den beiden Truppenübungsplätzen in Borkenberge und Lavesum erhalten bleibt.

Dienstag, 04.10.2016, 18:34 Uhr

Zukunft des Truppenübungsplatzes : Wildwest in den Borkenbergen
Stellen ihre Vorstellungen für die Zukunft der Truppenübungsplätze vor: (v.l.) Matthias Olthoff, Annette Schulte Bocholt, Dr. Dietmar Ikemeyer und Kerstin Wittjen. Nicht dabei sein konnte Niels Ribbrock von der Biologischen Station Recklinghausen. Foto: Michalak

Mit ihrem jetzt vorgelegten Konzept „Westfalens Wilder Westen“ schlagen die Biologischen Stationen im Kreis Recklinghausen und Zwillbrock sowie das Naturschutzzentrum im Kreis Coesfeld vor, die wertvollen Lebensformen von Fauna und Flora zu erhalten, die hier überleben konnten, weil Industrie und Straßenverkehr, kurz die Zivilisation, seit Jahrzehnten außen vor blieben.

„Durch die Nutzung als Truppenübungsplätze haben sich in beiden Gebieten einzigartige Lebensräume erhalten, die wir seit Jahren beobachten und begleiten“, schwärmt Matthias Olthoff (Coesfeld) von der Artenvielfalt auf dem rund 3300 Hektar großen Gebiet. Kraniche, Ziegenmelker, Kreuzotter und Moorfrosch sind schon da, wenn es nach den Zoologen und Floristen der Biologischen Stationen geht, sollen Wisente, Wildpferde, Rotwild und vielleicht auch Schafherden auf dem Militärgelände angesiedelt werden. „Damit könnten wir die weite Weidelandschaft auf Dauer erhalten“, erklärt Olthoff. Allerdings müssten die grasenden Herden eingezäunt werden, schiebt er nach, schon aus versicherungstechnischen Gründen.

Die Initiatoren des „Wilden Westens“ wollen aber nicht nur einen einzigartigen Rückzugsraum für seltene Tiere und Pflanzen in Weide, Wäldern und Mooren schaffen. Zugleich soll es durch Wege, Aussichtsplattformen und geführte Exkursionen auch gelingen, den Menschen einen direkten Zugang zu der - beinahe - unberührten Natur zu gewähren.

Dass es so kommt, ist durchaus möglich, denn „alles, was einmal von Motocross über Windparks bis hin zu einem Hotel geplant war, ist seit 2004 definitiv vom Tisch“, versichert Dr. Dietmar Ikemeyer von der Biologischen Station Zwillebrock. In dem Jahr seien die beiden Truppenübungsplätze von der EU zu Naturschutzgebieten gewidmet worden.

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