Umbenennung des Dülmener Hindenburgplatzes
Ärger über Ehrenbürger

Dülmen. Auch in Dülmen hat es während der NS-Zeit einen Hindenburgplatz gegeben. Stadtarchivar Dr. Stefan Sudmann kennt Dülmens Stadtgeschichte wie kaum ein anderer, und so muss er nicht lange überlegen, als er von der DZ auf das Thema Hindenburg angesprochen wird.

Freitag, 03.08.2012, 17:35 Uhr

Umbenennung des Dülmener Hindenburgplatzes : Ärger über Ehrenbürger
Der frühere jüdische Friedhof am Lüdinghauser Tor erhielt nach seiner Einebnung 1937 den Namen Hindenburgplatz, denn er lag an der Hindenburgstraße, der früheren Lüdinghauser Straße. Nach dem Krieg wurden diese Umbenennungen aus der NS-Zeit rückgängig gemacht Foto: Marcy

Bereits 1933, so berichtet Sudmann, sei die damalige Lüdinghauser Straße in Hindenburgstraße umbenannt worden. Als 1937 der Jüdische Friedhof am Lüdinghauser Tor eingeebnet und in eine Grünanlage umgewandelt wurde, erhielt der Platz den Namen Hindenburgplatz. 1946 seien diese und alle weiteren Umbenennungen aus der NS-Zeit auf Anweisung des Regierungspräsidiums umstandslos in Dülmen rückgängig gemacht worden, berichtet Sudmann.

Geändert worden war während der Nazi-Diktatur auch das Dülmener Stadtwappen. Statt des Kleeblattkreuzes, das Bezug nimmt auf den Stadtpatron St. Viktor, wurde das Lüdinghauser Tor ins Wappen aufgenommen - eine Änderung, die in Dülmen durchaus auf Zustimmung stieß, auch noch nach dem Krieg. Aber man beugte sich der Anordnung von höherer Stelle und kehrte zum alten Stadtwappen zurück, plaudert der Stadtarchivar über Dülmens Geschichte.

Größere Debatten um Umbenennungen von Straßen und Plätzen aus politischen Erwägungen sind so gut wie gar nicht aktenkundig, so Sudmann. Man habe zeitweilig überlegt, die Kötteröde in Bischof-Ludwig-Straße umzubenennen, „da man nicht wusste, was Kötteröde bedeutet“.

„Belastete“ Straßennamen sorgten in Dülmen nicht für Diskussionsstoff, in der Kritik standen jedoch zeitweilig Kriegerdenkmäler oder wiederholt die Ehrenbürgerschaft. In den 50er-Jahren bekannte sich das damals selbstständige Merfeld noch zu ihrem Ehrenbürger Franz von Papen. Von Papens Heimatstadt Werl hatte dem ehemaligen Vizekanzler Hitlers die Ehrenbürgerwürde wieder entzogen, doch Merfeld, wo von Papen lange gewohnt hatte, lehnte dies ab, da er viel für das Dorf getan habe.

Erst 2010 strich die Stadt Dülmen Hitler, von Hindenburg und von Papen von der Liste ihrer Ehrenbürger. Einen Antrag, Hitler die Ehrenbürgerwürde Dülmens abzuerkennen, hatte es schon in den 80er-Jahren gegeben. Aber damals hatte man sich noch darauf berufen, dass die Ehrenbürgerwürde ohnehin mit dem Tode der Gewürdigten erlösche.

Umbenennungen von Straßen wurden in Dülmen im Zuge der kommunalen Neugliederung 1975 notwendig, um Doppelungen zu vermeiden, erzählt Dülmens Stadtarchivar. Die Stadt bat damals ihre Bürger um Namensvorschläge. Die kamen eher spärlich, sind die entsprechenden Klagen der Verwaltung überliefert. Festgehalten ist unter anderem der Vorschlag, eine Straße nach einer jüdischen Kaufmannsfamilie aus Dülmen zu benennen. Tatsächlich wurde erst 2009 mit Benennung des Eichengrünplatzes an der Borkener Straße diese Anregung umgesetzt.

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