Modellprojekt des Lippeverbandes startet
Die Vorreiter-Kommune

Dülmen. Seit Kurzem ist auf Ortsschildern neben dem Stadtnamen ein Zusatz erlaubt. Für Dülmen wären „Stadt der Wildpferde“ oder „Stadt der Fahrradfahrer“ denkbar. Vielleicht wird, überlegte Bürgermeisterin Lisa Stremlau laut, dort jedoch einmal der Zusatz „Vorreiter-Kommune“ stehen. Denn genau das ist die Stadt, wenn es um das Thema Medikamente im Wasser geht. „Den Spurenstoffen auf der Spur in Dülmen“, kurz DSADS, heißt ein Projekt des Lippeverbandes. Das startete nun mit einem Bürgerforum.

Dienstag, 16.04.2013, 19:05 Uhr aktualisiert: 16.04.2013, 19:12 Uhr
Modellprojekt des Lippeverbandes startet : Die Vorreiter-Kommune
Das Interesse an dem Pilotprojekt zu Medikamenten im Wasser war groß, wie das gut gefüllte Forum der Alten Sparkasse am Montagabend zeigte. Foto: Kerstan

Überreste von rund 180 Arzneien könne man heute im Wasserkreislauf nachweisen, erläuterte Dr. Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender des Lippeverbandes. Sichere Erkenntnisse über langfristige Folgen der Rückstände für Mensch und Umwelt gebe es bislang nicht. „Für viele Stoffe gibt es keinen Ziel- oder Grenzwert.“ Allerdings fühle man sich dem Vorsorgegrundsatz verpflichtet, so Stemplewski, der ausdrücklich auf die positiven Wirkungen von Medikamenten hinwies. Verschiedene technische Verfahren teste der Lippeverband bei Projekten in ganz NRW. „Allein die technische Seite zu optimieren, scheint aber nicht der Königsweg zu sein“, sagte der Vorstandsvorsitzende, auch angesichts des hohen Energieverbrauchs.

„Wir können die Frage der Mikroverunreinigungen nicht vernachlässigen, weil wir die langfristigen Folgen für die Umwelt nicht kennen“, hatte zuvor Hans-Josef Düwel, Ministerialdirektor im NRW-Umweltministerium, betont. Gerade mit Blick auf eine längere Lebenserwartung geht er davon aus, dass der Medikamentenverbrauch steigen werde. Bezogen auf die einzelnen Stoffe müsse man unterschiedliche Strategien fahren. Der Lippeverband würde eine davon, die Aufklärung der Verbraucher, nun testen. „Wenn sich einer zum Beispiel Diclofenac auf den Rücken schmiert, denkt keiner daran, dass es am nächsten Morgen beim Duschen abgewaschen wird“, sagte Düwel. Man müsse sehen, inwieweit durch Information gesellschaftliche Veränderungen bewirkt werden könnten.

Dülmen biete für ein solches Projekt optimale Voraussetzungen, berichtete Stemplewski. „Die Stadt ist ein wasserwirtschaftlicher Mikrokosmos“, erläuterte er die Abgrenzung des hiesigen Netzes. Dazu kämen die Lage im Wasserschutzgebiet und die technisch gute Kläranlage sowie die große Kooperationsbereitschaft vor Ort. So sind neben der Politik Dülmener Ärzte, Apotheker und das Krankenhaus im Projektbeirat vertreten. Dessen Sprecherin ist Bürgermeisterin Lisa Stremlau.

„Wir werden hier in Dülmen 3,8 Millionen Euro investieren“, so der Vorsitzende mit Blick auf den Einbau einer neuen Filterstufe im Klärwerk. Zu fast 100 Prozent werde das Pilotprojekt von EU und dem Land NRW gefördert. Wie das Projekt ablaufen soll, erläuterte Stemplewski im Anschluss (siehe weiterer Bericht).

Bei der anschließenden Diskussionsrunde kam die Frage auf, inwieweit Veterinäre und Landwirtschaft mit einbezogen werden. Projektmanager Dr. Issa Nafo erläuterte, dass man den Schwerpunkt auf Humanmedizin gelegt habe. „Es ist aber kein abgeschlossenes Projekt“, betont er. So messe man auch die Rückstände im Tiberbach, um zu sehen, welche Belastungen von der Oberfläche kämen. Stadtwerke-Geschäftsführer Johannes Röken verwies zudem auf die seit 1991 bestehende Stever-Kooperation.

Kritik wurde daran geäußert, dass es für die untersuchten Stoffe keine Grenzwerte gebe. Aus seiner Sicht sei das Projekt so nicht zielführend, sagte ein Diskussionsteilnehmer. Es gehe nicht darum, einen Stoff zu verbieten, so Professor Klaus Kümmerer vom Institut für Nachhaltige Chemie und Umweltchemie, „sondern Wissen zu schaffen, um dort zu reduzieren, wo es möglich ist“.

Weitere Berichterstattung finden Sie in der DZ-Ausgabe von Mittwoch.

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