Leserreise
Nachlese: Flandern und seine Perlen

Mittelalterliche Kunststädte, abwechslungsreiche Landschaften sowie gut ausgebaute Radwege entlang der Flüsse Schelde und Leie erlebten die 30 Teilnehmer bei der DZ-Leserreise nach Flandern, dem nördlichen Teil Belgiens.

Samstag, 24.06.2017, 00:01 Uhr

Leserreise: Nachlese: Flandern und seine Perlen
Die 30 Leser der Dülmener Zeitung erlebten sechs sonnige, abwechslungsreiche Tage in Belgien. Foto: Rainer Mittrowann/Marc Bednara

Die 16. Radreise verlief ohne größere Pannen und Wettergott Petrus zeigte sich während des etwa 210 Kilometer langen Trips gut gelaunt und spendierte sechs Tage tolles, sonniges Wetter. So kamen die Dülmener lediglich beim Radeln und einmal beim Kette Aufziehen ins Schwitzen. Busfahrerin Helga hingegen hatte mit dem neuen Bus samt Hänger teilweise Schwerstarbeit zu verrichten, wenn es galt, Engstellen gekonnt zu durchfahren.

Zum Einrollen gab es bereits am Anreisetag eine kleine Etappe von Jabbeke nach Brügge. Die Hauptstadt Westflanderns wird auch das Venedig des Nordens genannt. Die alte Hansestadt Brügge gehört zu den schönsten und vor allem besterhaltenen mittelalterlichen Städten Europas.

Und wie Radguide Didier Deforche, der sein umfangreiches Wissen in sehr gutem Deutsch charmant und immer wieder mit einer kleinen Anekdote angereichert erklärte, ist die kosmopolitische Stadt auch sehr sicher. „Bei einem Überfall erhalten die Brückenwärter ein Code-Wort und alle Brücken gehen hoch. Die Polizei sichert den einzigen Weg über „Land ab“. Der Radguide muss es wissen, schließlich ist er pensionierter Polizei-Kommandant.

Kleine Gassen, Kanäle (Grachten), die Liebfrauenkirche mit der berühmten Madonna mit dem Kinde von Michelangelo, der Beginenhof, das Rathaus, Belfried, Grote Markt (Rathaus), der Weihnachtsladen von Käthe Wohlfahrt, Rozenhoedkai, die Sehenswürdigkeiten Brügges sind nahezu unendlich. Wenn der Wissensdurst gestillt ist, kann der Besucher etwas für seinen Körper tun und ein Bier, z. B. Brugse Zot, von der ältesten Stadtbrauerei De Haalve Maan (seit 1546) trinken.

Antwerpens Marktplatz bietet viele Attraktionen wie Zunfthäuser, Rathaus und Brabo-Brunnen.

Eine ganz andere Umgebung und Reize bot die Radtour mit dem Ziel Nordsee. Einem ruhigen, pappelgesäumten Kanal folgend gelangte die harmonische Radgruppe über die Eulenspiegelstadt Damme und die Hafenstadt Sluis bis zum mondänen Seebad Knokke in der niederländischen Provinz Zeeland. Die Dülmener empfing hier ein sehr heftiger Wind, so dass die noch wenig verbliebenen „Klassik-Biker“ (fuhren ohne elektronische Unterstützung) kräftig in die Pedalen treten mussten.

Belgien ist nicht nur bekannt für Gaumenfreuden wie Schokolade, Waffeln und Pommes, sondern auch für etwa 1.000 Biervarianten. Wie Didier erwähnt, hat jedes Bier sein eigenes, individuelles Glas. Da sich viele Kunden in den Kneipen ein „Glas-Souvenir“  mitgenommen haben, gibt es in Gent eine Regel. Ein Bierglas gegen ein paar (alte) Schuhe. Diese Schuhe sind dann, auf einer Schnur zwischen 2 Kneipen hängend, für jeden sichtbar.

Gent, die Hauptstadt der Provinz Ostflandern, beeindruckte beim Rundgang durch die autofreie Innenstadt mit den drei Türmen der Kathedrale St. Bavo mit dem Genter Altar, dem Belfried und der Sint-Niklaaskerk. die Graslei mit den Gildenhäusern und St. Georges, dem ältesten Hotel Europas. Im Mittelalter war Gent Dank des Tuchhandels eine der größten und bedeutendsten Städte, das Stapelrecht auf Getreide führte zum Wohlstand der Stadt.

Den Abschluss der erlebnisreichen Reise bildete für die DZ-Leser die Hafen- und Rubensstadt Antwerpen. Die Kulturhauptstadt Europas von 1993 besitzt den zweitgrößten Seehafen Europas und ist weltweit das wichtigste Zentrum für die Verarbeitung und den Handel von Diamanten. 95 % aller Diamanten weltweit landen in der Provinzhauptstadt. In der gotischen Liebfrauenkirche sind zwei der wichtigsten Werke des Barockmalers Peter Paul Rubens zu sehen.

Auf der Westseite des Marktplatzes befindet sich das spätgotische Rathaus, dass eindrucksvoll mit den Fahnen der EU-Staaten bestückt ist. Daneben stehen zahlreiche prunkvolle Zunfthäuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Mittig befindet sich der Brabo-Brunnen. Der Legende nach soll der Riese Druon Antigon am Ufer der Schelde von den vorbeifahrenden Schiffern Wegzoll verlangt haben. Konnten oder wollten diese den Zoll nicht bezahlen, so hackte er den Seemännern die rechte Hand ab. Der junge Held Silvius Brabo konnte den Riesen besiegen und hackte ihm die rechte Hand ab, welche er dann in die Schelde warf. Der Name der Stadt soll der Überlieferung nach von diesem Ereignis, dem „Hand werfen“, herrühren.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4958182?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F2837066%2F1594998%2F
Nachrichten-Ticker