Interview mit Ordnungsamtsleiter Martin Schulze-Werner

Neue Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen


Die neue Rechtslage im Lande beschert Martin Schulze-Werner und seinem Amt neue Aufgaben und Herausforderungen.Foto:
Die neue Rechtslage im Lande beschert Martin Schulze-Werner und seinem Amt neue Aufgaben und Herausforderungen.Foto:
(Oliver Werner)


Münster - Nach der Loveparade-Katastrophe sind die Sicherheitsanforderungen deutlich erhöht worden, vor allem für Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Besuchern. Das stellt neue Anforderungen an das städtische Ordnungsamt mit seinen rund 160 Mitarbeitern, das ohnehin schon ein breites Aufgabenspektrum von Knöllchen über Kampfhunde bis zur Kfz-Zulassung beackert. Redakteur Wolfgang Schemann sprach darüber mit Amtsleiter Martin Schulze-Werner.

Heute findet der erste Flohmarkt des Jahres statt - gibt´s für den eigentlich auch ein neues Sicherheitskonzept?


Schulze-Werner: Ja. Die Halle Münsterland hat ein entsprechendes Sicherheitskonzept vorgelegt, wir haben es geprüft und für gut befunden. Der Flohmarkt kann also wie gewohnt stattfinden. Das gilt zumindest für den Flohmarkt am Samstag. Das Sicherheitskonzept für die Nachtflohmärkte muss noch abgestimmt werden.

Merkt der Besucher etwas von diesem neuen Sicherheitskonzept?

Schulze-Werner: Er wird merken, dass der Flohmarkt aufgeräumter wirkt. Die Wege sind zum Teil etwas breiter, und es sind deutlich mehr Ordner und Sanitätspersonal vor Ort.

Ist das alles notwendig?

Schulze-Werner: Aufgrund der Vorgaben des Innenministeriums ist das in der Tat notwendig. Im Übrigen ist ein Mehr an Sicherheit immer positiv zu sehen.

Gibt es auch für die geplante Preußen-Aufstiegsfeier am 29. Mai ein Sicherheitskonzept?

Schulze-Werner: Nein, dafür gibt es kein klassisches Sicherheitskonzept. Wir behandeln das so ähnlich wie die Schlüsselübergabe zu Karneval. Der Prinzipalmarkt ist aus unserer Sicht ein eher unkritischer Veranstaltungsort, es gibt klare Fluchtwege. Wir haben dort eigentlich nur gute Erfahrungen gemacht, von daher rechnen wir nicht mit größeren Störungen.

Am Wochenende gab es ja schon eine andere Aufstiegsfeier, nämlich in Dortmund. Hätten Sie auch mal Lust, so eine Feier mit mehreren Hunderttausend Besuchern zu begleiten?

Schulze-Werner: Nicht unbedingt Lust - aber wenn es notwendig wäre, würden wir uns auch dieser Aufgabe stellen.

Nun spielen die Preußen künftig in der 3. Liga. Kommt da auch wieder Mehrarbeit auf das Ordnungsamt zu?

Schulze-Werner: Da kommt vor allem ein erheblich umfangreicheres Verkehrs- und Parkraumkonzept auf uns zu. Innerhalb des Stadions ist die Sicherheit gut durchstrukturiert, das wird man allenfalls an höhere Zuschauerzahlen anpassen müssen. Wir rechnen mit Problemen eher außerhalb des Stadions beziehungsweise rund ums Stadion. Da werden wir uns mit der Polizei noch abstimmen.Hat die neue Sicherheitslage - also die neue Genehmigungspraxis bei Großveranstaltungen - die Arbeit des Ordnungsamtes verändert?

Schulze-Werner: Ja. Es ist in der Tat so, dass die Sicherheitskonzepte für Großveranstaltungen uns wegen der zeitintensiven Abstimmungen mit den zu beteiligenden Behörden und den Veranstaltern seit Monaten ganz erheblich beschäftigen. Und dass wir in Teilbereichen an der Kapazitätsgrenze arbeiten.

Aber diese Sicherheitskonzepte können doch bei vielen Veranstaltungen immer wieder verwendet werden?

Schulze-Werner: Das gilt sicher bei wiederkehrenden Veranstaltungen, da kann man vermutlich zwei Drittel des Konzeptes aus dem Vorjahres-Ordner ziehen. Aber auch da gilt, dass jedes einzelne Sicherheitskonzept aktualisiert und überprüft werden muss - und das nicht nur am Schreibtisch, sondern auch während der Veranstaltung vor Ort. Das ist sicher eine neue Qualität der Verantwortung.

Und diese Verantwortung liegt bei der Ordnungsbehörde?

Schulze-Werner: Nach Duisburg ist es klar, dass die Ordnungsbehörde grundsätzlich die letztendliche Verantwortung trägt und nicht die Polizei. Wie Sie sicher wissen, sind in Duisburg zehn Ermittlungsverfahren gegen Mitarbeiter der Ordnungsbehörde eingeleitet worden - und eines gegen einen Polizeibeamten.

Sie sprachen eben von Kapazitätsgrenzen. Heißt das, dass das Ordnungsamt möglicherweise nicht mehr alle seine Aufgaben wahrnehmen kann?

Schulze-Werner: Der breite Aufgabenkatalog dieses Amtes kann mit der derzeitigen Personal- und Organisationsstruktur nicht dauerhaft erledigt werden. Zumal wir auch in einigen Aufgabenbereichen zusätzlich in Anspruch genommen werden - beispielsweise durch die Innenstadtstreifen, eine deutlich gestiegene Zahl von Führerscheinentzugs-Verfahren oder den aufwendigen Einsatz rund um den 1. Mai am Hiltruper See. Da musste ich einige Außendienst-Mitarbeiter anschließend gleich wieder für zwei Tage nach Hause schicken - Überstunden abfeiern.

Heißt das, dass das Ordnungsamt womöglich irgendwo Abstriche machen muss?

Schulze-Werner: Ich habe schon Sorge, dass die Pflichtaufgaben in Zukunft nicht mehr vollumfänglich erledigt werden können. Vieles geht nur, weil wir mit der Polizei hervorragend zusammenarbeiten. Wir müssen Schwerpunkte setzen - und das heißt zugleich, dass andere Bereiche zwingend vernachlässigt werden müssen.



21 · 05 · 11



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