Tod aus dem Münsterland


Wilhelm Bauhus (l.) und Catharina Kähler von der Expedition Münsterland zeigen Michael Willruth vom Heimat- und Kulturkreis Roxel Fotos von V 2-Raketen aus dem Münsterland. Foto:
Wilhelm Bauhus (l.) und Catharina Kähler von der Expedition Münsterland zeigen Michael Willruth vom Heimat- und Kulturkreis Roxel Fotos von V 2-Raketen aus dem Münsterland. Foto:
(mfe)


Münster-Roxel - V 2-Raketen haben im Zweiten Weltkrieg viele Menschen getötet. „Die hochpräzise Waffe, die im Südharz in einer der modernsten Fabriken der Welt gebaut wurde, ist auch im Münsterland abgeschossen worden“, weiß Dr. Wilhelm Bauhus. Der Leiter der Expedition Münsterland der Universität Münster hat sich mit seinem Team diesem Thema intensiv gewidmet. Dabei kam heraus, dass zahlreiche der als Vergeltungswaffe 2 bezeichneten Raketen rund um Roxel gelagert wurden.

Unter dem Titel „Tod aus dem Münsterland“ wird Bauhus am morgigen Donnerstag um 19 Uhr in der Gaststätte Kortmann (Pantaleonstraße 10) auf Einladung des Roxeler Heimat- und Kulturkreises über das bisherige Ergebnis der Forschungen Auskunft geben. Dabei will er unter anderem Berichte von Zeitzeugen vorstellen und alte Fotos zeigen.


„Aus Roxel wurde keine V 2-Rakete abgeschossen“, erklärt Bauhus. In Heek und Darfeld seien Abschussplätze gefunden worden. Ziel der Angriffe sei die Stadt Antwerpen gewesen. „Mit fünfeinhalbfacher Schallgeschwindigkeit erreichte die Rakete nach einem Parabelflug in etwa 110 Kilometer Höhe in gut fünf Minuten ihr Ziel punktgenau in Belgien.“ Der Nachschub der mit dem Sprengstoff Amatol bestückten Raketen erfolgte unter anderem aus Roxel. Nahe der Burg Hülshoff in einem Wäldchen seien in der Zeit von September 1944 bis März 1945 diese Raketen gesehen worden.

Die Baronin von Hülshoff und einige Landwirte haben dem Team der Expedition Münsterland davon erzählt. „Die Aktion war streng geheim“, betont Bauhus. „Hätten die Alliierten von diesem Lagerplatz etwas erfahren, wäre Roxel bombardiert und ausgelöscht worden“, ist sich der Experte sicher. Wer damals etwas wusste, habe darüber nicht gesprochen.

Dennoch ist Bauhus sicher, dass mehr Bürger damals etwas gesehen haben müssen, denn die immerhin 14 Meter langen Raketen - selbst, wenn sie in Teilen transportiert wurden - könnten nicht unbemerkt durch Roxel gefahren sein. Auch die riesigen Treibstofftanks - eine Rakete benötigte 980 Kilogramm eines 75-prozentigen Ethylalkohol-Sauerstoff-Gemischs - sollten von Bürgern wahrgenommen worden sein.

„Wir gehen davon aus, dass alles mit der Baumbergebahn angeliefert und am Roxeler sowie am Havixbecker Bahnhof ausgeladen worden ist.“ Interessieren würde das Forscherteam auch, welchen Weg der Transport durch Roxel oder umliegende Ortschaften genommen hat. So einfach seien die langen Gefährte in den damals engen Straßen sicherlich nicht um die Kurve gekommen. „Da muss es Schäden gegeben haben.“

Bauhus hofft, dass sich noch Bürger finden, die sich an Einzelheiten erinnern und das bisher entstandene Bild ergänzen können. Sie können sich beim Vortrag am Donnerstag melden.

Unter dem Titel „Werkstatt Darfeld - Am Ende der Parabel“, wollen Bauhus und sein Team zudem am 11. Februar von 11 bis 16 Uhr im Alten Bahnhof Darfeld in Rosendahl Zeitzeugen aus dem Münsterland und Antwerpen zusammenbringen.

VON MARION FENNER, MÜNSTER


31 · 01 · 12




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