Tango, Schlapphut, Lebensfreude


Die Musikerinnen Miriam Erttmann (Violine), Alexandra Hentschel (Klarinette) und Katja Steinhäuser (Klavier) surden unterstützt von den Showtänzern Anne Arlt und Joel BrageFoto:
Die Musikerinnen Miriam Erttmann (Violine), Alexandra Hentschel (Klarinette) und Katja Steinhäuser (Klavier) surden unterstützt von den Showtänzern Anne Arlt und Joel BrageFoto:
(mlü)


Münster-Wolbeck - Es war eng im Rittersaal, das Konzert des Trios „Luz y Sombra“ im Drostenhof restlos ausverkauft und Freifläche gab es nur auf einem schmalen Streifen beim Ensemble. Trotzdem hatten die Showtänzer Anne Arlt und Joel Brage die Augen meist geschlossen. Sie müssen nicht sehen, was sie tanzen, orientieren sich ganz am Gefühl.

Brage sagt: „Tango ist eher körperaufmerksam. Man tanzt mit dem Boden, er verbindet uns.“ Eine Choreo-graphie gibt es beim Tango nicht. Arlt erklärt: „Tango lernt man wie eine Sprache.“


Die Showtänze zu ausgewählten Stücken waren das Sahnehäubchen eines umjubelten Konzertes. Auf der ersten Veranstaltung des Förderkreises Drostenhof im Jahr 2012 gab das Publikum schon zur Pause stehende Ovationen.

Die drei Berliner Musikerinnen Miriam Erttmann (Violine), Alexandra Hentschel (Klarinette) und Katja Steinhäuser (Klavier) entführten ihr Publikum mit viel Spaß am Spiel in die Welt des Neotangos von Astor Piazzolla, eine Welt der Sehnsucht und der Melancholie, des Schmerzes und der puren Lebensfreude.

Die Musik erzählte ge-konnt Geschichten. „Vuelva al Sur“ zum Beispiel klingt verrucht, riecht nach Film noir. Trägt quasi Schlapphut. „Fuga 9“ ist wie ein belebter Markt, mit Dissonanzen, Vielfalt. Piazolla hat den Tango aus den südamerikanischen Nachtclubs, Gassen und Bordellen herausgeholt. Seine Kompositionen, die ab 1955 nach seiner Rückkehr nach Argentinien entstanden, sind als Konzertmusik angelegt. Lange Zeit warfen ihm die Leute vor, zu seinem Tango könne man nicht tanzen. „Luz y Sombra“ trat mit ihren beiden Showtänzern und der erotisch geladenen Nummer „Romance del Diablo“ eindrucksvoll den Gegenbeweis an - sie zeigten in Wolbeck, was der Tango Nueva mit seinen jähen Brüchen und Zäsuren tänzerisch für Möglichkeiten bietet.

Mittlerweile gilt der Neotango als technischer und künstlerischer Höhepunkt des Tango-Tanzes.

» Der Förderkreis lädt am 22. März um 20 Uhr zur Konzertlesung in den Drostenhof. „Christiane und Goethe“ erzählt zum 180. Todes-tag von Johann Wolfgang von Goethe die Geschichte einer Liebe in Briefen.

VON MARKUS LÜTKEMEYER, HILTRUP


30 · 01 · 12





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