Münster - „Freundschaft“ - wem fällt da noch Schillers „Bürgerschaft“ ein, wenn sich bei Facebook binnen Tagen Hunderte miteinander „befreunden“? Umso erstaunlicher ist die Ausstellung der Designer aus vier Ländern, die derzeit in der Stadtbücherei zu sehen ist.
Eine langjährige Freundschaft verbindet die Designer Prof. Won Bok Rhie aus Südkorea und Prof. Marcus Herrenberger von der Fachhochschule Münster. Seit 2005 bringen sie angehende Illustratoren aus verschiedenen Nationen zusammen. Nach der „Liebe“ (2010) und dem „Essen“ (2011) war diesmal „Freundschaft“ dran.
Die 62 Studierenden aus Bulgarien, Israel, Südkorea und Deutschland zeigen dabei höchst unterschiedliche stilistische Mittel und ebensolche Auffassungen über das Thema. „Die Deutschen haben sich mit dem Thema Freundschaft schwer getan“, wundert sich Prof. Herrenberger: „Warum, ist mir nicht klar.“ Auch der inflationären „Freundschaft“-Digitalbank Facebook können sie hierzulande nichts abgewinnen. Dafür spielen die technischen Spielereien bei den Koreanern eine große Rolle.
Angesichts der Haupt-Zielgruppe der Drei- bis Sechsjährigen spielen Tiere eine überproportional große Rolle - vom weißen Pflegelefanten bis zum unvermeidlichen Hund. Deutlich weichen die Bulgaren davon ab. Sie zeigen experimentelle Bücher, wie Lubomira Katzounovas „Haben Ballons Freunde?“ - ein Rundum-Blätterbuch. „Die kümmern sich nicht um den Markt“, erklärt Herrenberger. Ungewöhnlich auch die „Reisen mit meiner Mutter“ von Tai Granot aus Israel, die ihre Mama in rätselhaften Szenen zeigt - sehr grafisch, anscheinend karikaturesk.
Auffällig bei den koreanischen Arbeiten ist diesmal zudem die stilistische Vielfalt. „Hier hat ein Generationswechsel stattgefunden“, erläutert Herrenberger. Der münsterische Professor bereitet für Oktober in der Stadtbücherei, Stadthausgalerie und im Krameramtshaus eine mit 35 Teilnehmern große Gruppen-Ausstellung vor: „Ich zeige dann meine besten Studenten.“