Münster - Von einer Krise kann keine Rede sein. Aber dass die Bedingungen für Kultur an den münsterischen Hochschulen nicht besser geworden sind, ist völlig klar. Fünf bis sechs Jahre dauerte früher ein ausgewachsenes Studium - inklusive Zeit für Theater und Kabarett, Chor und Rezitation. Das galt mal als selbstverständlicher Teil des akademischen Reifeprozesses. Heute hat der 18-jährige Abiturient drei stramme Jahre Zeit für seinen Bachelor - und dann ab ins wirkliche Leben... Das reicht kaum noch für die Persönlichkeitsbildung. Wie muss es dann wohl um das aktive Kulturschaffen der münsterischen Studierenden bestellt sein?
Verblüffend gut! Nach wie vor gibt es eine fast unüberschaubare Vielzahl studentischer Gruppen, Arbeitsgemeinschaften und Ensembles, die das Kulturleben an der Uni und den vielen Hochschulen in der Stadt auf Vordermann bringen. Ihre Vernetzung untereinander könnte jedoch besser sein. Und noch wichtiger: Nach wie vor sind die Stadt und ihre Hochschulen nicht leicht auf einen Nenner zu bringen. „Parallelgesellschaft“ wäre sicher ein zu starkes Wort, aber man lebt schon ein wenig aneinander vorbei.
Höchste Zeit also für eine Sammlungsbewegung, die das einzigartige akademische Kulturleben bündelt und zugleich der Öffentlichkeit ans Herz legt: Am 30. und 31. Oktober wird im Stadttheater ein Festival gefeiert. Es heißt „Neue Wände - studentische Kultur an den Städtischen Bühnen.“
Die Idee stammt von Klaus Baumeister. Der WN-Redakteur hatte bereits im Vorfeld der Kulturhauptstadtbewegung 2004 Münsters Kulturleben porträtiert und war besonders von der universitären Szene beeindruckt. Er war es auch, der die wichtigen Kontakte knüpfte und Freunde, Förderer und Mitstreiter gewann. Ein dreiköpfiges Leitungsteam um die freie Schauspielerin und Regisseurin Beate Reker, den Musikpädagogen Dr. Walter Lindenbaum und den Leiter der Studiobühne der Universität, Dr. Ortwin Lämke, kümmert sich seit einigen Monaten um die Organisation. „Wir waren völlig überrascht, wie viele Gruppen in großer Runde zusammenkamen“, berichtet Ortwin Lämke.
Die Spielstätte verpflichtet. Hohen professionellen Anspruch vertreten alle Gruppen, die auf den Bühnen, in den Foyers und Gängen des Stadttheaters auftreten. Es gibt Musik, Tanz, Theater, Rezitation, Kleinkunst, Film, bildende Kunst, und sogar der Hochschulsport will eine Showeinlage bieten - die Details des Programms werden aktuell festgezurrt. Eines allerdings steht fest: Das Ganze ist ziemlich einzigartig. „In einem so großen Rahmen“, sagen die Leiter einmütig, „gibt es das nirgendwo.“
Das Projekt "Neue Wände" ist Teil des Kulturhauptstadt-Programmes. Auf der Ruhr2010-Homepage findet sich eine gute Projektbeschreibung.
http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/national-heroes/projekte/neue-waende.html