Wenn Schwein und Schildkröte den Löwen stürzen


Noch ahnt der sich wie ein böser Tyrann aufführende König (Marlene Hake, Mitte) nicht, dass er schon bald das Zepter an seine Untertanen abgeben muss. Foto:
Noch ahnt der sich wie ein böser Tyrann aufführende König (Marlene Hake, Mitte) nicht, dass er schon bald das Zepter an seine Untertanen abgeben muss. Foto:
(els)


Münster - Hoch thront der Löwe auf seinem mit Lammfellen gepolsterten Königsstuhl. Ein Wolf im Schafspelz? Wohl wahr, denn König Löwe ist nicht nur ein Macho, wie er im Buche steht, sondern ein Tyrann. Launisch wie ein pubertierender Teenager erlässt er ein sinnloses Gesetz nach dem anderen. Dabei stets zu Diensten: ein plappernder Papagei (Walburg Weining) und die ergebene Dienerin Sweetie (Svitlana Matthiessen).

Voraussehbar, dass das Volk das nicht lange mitmacht und schon bald à la Orwells „Farm der Tiere“ den Aufstand probt. Dass die „Rebellion der Tiere“ am Ende gelingt, ist auch klar - schließlich haben die zehn Laienschauspielerinnen der Frauentheatergruppe des Theaterpädagogischen Zentrums (TPZ) unter Leitung von Anette Fritzen rund ein Jahr daran gefeilt. Entstanden ist dabei ein im Wortsinn fabelhaftes, urkomisches und doch lehrreiches Stück, das sowohl bei der Premiere am Freitag als auch bei der Zusatzvorstellung am Sonntag kein Auge trocken ließ. Zehn rüstige Damen im besten Alter, die älteste stolze 79 Jahre alt, zeigten den Zuschauern, wo Monarchie hinführen kann. Und so tanzten nacheinander ein Affe in Lederkluft (Brigitte Stork), ein vorlauter Frosch (Ilse Schubert), ein eisteesüchtiger Pinguin (Britta Strauss), ein sparendes Schwein (Leonore Müller), ein begriffsstutziger Esel (Doris Pier), ein übergewichtiger Bär (Ursel Schwarzhans) und eine lahme Schildkröte (Regina Tudzynski) auf die Bühne, um den kiffenden König (Marlene Hake) zu stürzen, der sein Volk mit Minirockzwang und allerlei anderem Unsinn tyrannisiert.


Eine „hübsche kleine Party“ zur Besänftigung hilft ihm am Ende auch nicht mehr - nach zahlreichen Schnäpschen ist keines der Tiere mehr Herr seiner Sinne und so wird der König zur Spielfigur seiner Untertanen. Dass diese die Nachfolge ihres Herrschers mit einer „Reise nach Jerusalem“ auslosen, lässt erahnen, dass diese Geschichte ebenso wenig wie Orwells Roman ein gutes Ende nimmt. Das überzeugende Spiel der Darstellerinnen machte dieses Stück am Ende für alle Zuschauer zu einem „tierischen“ Vergnügen.



22 · 01 · 12





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