Wo der „Professeur“ noch ein Gott ist


Alles dreht sich um Leben und Kultur Frankreichs: Céline Kloster (20) arbeitet auch mit Claudia Klein, Französischlehrerin an der Snedwinkela-Realschule, zusammen.
Alles dreht sich um Leben und Kultur Frankreichs: Céline Kloster (20) arbeitet auch mit Claudia Klein, Französischlehrerin an der Snedwinkela-Realschule, zusammen.
(Foto: kös)


NEUENKIRCHEN. Für ein Schuljahr ist sie hier, nun hat sie „Bergfest“: die französische Fremdsprachenassistentin Céline Kloster. Sie lehrt an der Snedwinkela-Realschule und am Arnold-Janssen-Gymnasium. „Ich bin froh, dass wir so eine gute Mitarbeiterin aus Frankreich bei uns haben“, sagte Realschulleiterin Ulrike Eckrodt-Schmeing. Für sie war auch „sehr wichtig, dabei mit dem AJG eng zusammenzurücken und zu kooperieren“.

Als Fremdsprachenassistentin ist Céline Kloster eine Art Botschafterin und gibt an den Schulen Einblicke in Leben und Kultur des Landes, deren Sprache die Schüler lernen. Die 20-Jährige leitet darüber hinaus die Kurse für das französische Sprachzertifikat DELF (Diplôme d´Etudes en Langue Française), das vom französischen Ministère de l´Education Nationale vergeben wird und die Schüler in Münster absolvieren können, zuletzt am 14. Januar. Es ist international anerkannt. „Fremdsprachen sind heute so wichtig in der Arbeitswelt“, weiß Ulrike Eckrodt-Schmeing. Im Kreis Steinfurt arbeiten derzeit sechs Assistenten, die über das „Erasmus Student Network“ vermittelt werden.


„Für unsere Schule alleine hätten wir eine Assistente nicht bekommen, so haben wir gemeinsam mit dem AJG den Antrag gestellt“, erklärte die Schulleiterin. Tageweise abwechselnd unterrichtet Céline Kloster an der Snedwinkela-Realschule und am AJG, dort eng mit der Französischlehrerin Sabine Thieroff zusammen, die ihr zum Beispiel die Wohnung einer AJG-Kollegin in Emsdetten vermittelte, die ein halbes Jahr zum Austausch in England weilt. Mit der Jahrgangsstufe 13 verbrachte sie im November 2011 ein Wochenende in Paris.

Eigentlich ist Céline Kloster gelernte Buchhändlerin. Seit zehn Jahren lernt sie Deutsch, sie liest Bücher wie „Die weiße Rose“ von Sophie Scholl, und möchte die Sprache nach ihrer Assistentenzeit ausbauen und Lehrerin werden. Die Lothringerin kommt aus dem 550-Seelen-Dorf Vahl-Ebersing im Kreis Forbach im Département Moselle. Als ihre Großmutter von ihrem Vorhaben erfuhr, war die beruhigt: Neunkirchen liegt gleich hinter der Grenze im Saarland und St. Avold ist ein Nachbardorf. Aber nein: Neuenkirchen und St. Arnold liegen reichlich 500 Kilometer nördlich.

Was ist hier anders als in Frankreich? „Hier gehen die Schüler mittags nach Hause. In Frankreich geht der Unterricht bis mindestens 17 Uhr.“ Und die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern ist total anders. „Dort ist der Professeur wie ein Gott, hier reden Lehrer und Schüler auch mal auf Augenhöhe“, sagt sie. Dass sich ein Lehrer persönlich für die Probleme eines Schülers interessiert, war für sie unbekannt.

Seit September 2011 ist sie nun hier. Zuvor hatte sie sich mit ihrer Mutter Rheine, Münster, Osnabrück und Tecklenburg angesehen. Im Juni läuft ihre Zeit ab, sie möchte aber verlängern und nach den Ferien wieder nach Deutschland kommen. Dann aber in eine Großstadt wie Berlin oder Köln. „Einfach um den Unterschied zwischen Stadt und Land zu entdecken“, sagt sie.

VON STEFAN KÖSTERS


03 · 02 · 12





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