Feuer im Kamin und im Herzen

Claus Weidner liest erotische Lyrik


Bescherte den Besuchern der KIM-Lesung einen unterhaltsamen Abend: Rezitator und Schauspieler Claus Weidner.Foto:
Bescherte den Besuchern der KIM-Lesung einen unterhaltsamen Abend: Rezitator und Schauspieler Claus Weidner.Foto:
(Martin Fahlbusch)


Metelen - Es war ganz schön frisch im Backhaus der Gaststätte Pieper am Dienstagabend. Und dabei hatte die Kulturinitiative Metelen (KIM) doch zu einer Lesung mit erotischer Lyrik und ebensolchen Erzählungen eingeladen. Sollte also der kundige Rezitator und Schauspieler Claus Weidner für die nötige Hitze von innen bei den gut gelaunten Zuhörern - die Frauen waren mal wieder in der Mehrheit - sorgen? Nicht so ganz und doch ein wenig - hier schon einmal das frühe Resümee des höchst unterhaltsamen Abends.

Natürlich hatten die KIM-Vertreter für Feuer im Kamin, Wärme vom Flächenstrahler, Dekoration und „blumigen“ Tischschmuck gesorgt. Und mit einem kräftigen „Ich bin da und ich bin Leben“ steckte Weidner schon mit den ersten Zeilen den diesseitsbejahenden Rahmen der verheißenen, aber eben nur in Wörter gegossenen Lust und Liebeleien ab. Als er in Carl Michael Bellmanns Zeilen „Venus, meine Herzmonarchin und Bacchus Kehlenfürst“ auferstehen ließ, erinnerten sich einige Zuhörer an eine der vergangenen KIM-Veranstaltungen, als Günter Gall den schwedischen Genießer allein gefeiert hatte.


Claus Weidner entpuppte sich ebenfalls als kundiger Kenner der Materie, was nicht nur ein Blick auf seine aparte Begleiterin bewies. Nein, er hatte ein überbordendes Füllhorn mit Werken von Dichtern, Denkern und vor allem liebenden Wortkünstlern mitgebracht. Da waren Jutta Sauer, Robert Gernhardt, Kurt Marti, Erich Mühsam und Erich Fried genauso vertreten, wie der raue und direkte Charles Bukowski. Und von Joachim Ringelnatz war zu lernen: „Gott weiß wie redlich Untreue sein kann.“ Plötzlich riss der Rezitator gar bei Francois Villons „Ich bin zu wild nach Deinem Erdbeermund“ eine überraschte Zuhörerin an seine Brust. Ganz praxisnah erfuhren die Besucher beim nächsten Text, dass neben so genannter Reizwäsche auf den wirklichen Liebhaber „echte weiße Baumwollunterhosen bei ihr“ viel antörnender wirken können. Da ging es um Sehnsucht, Verlangen, Genuss und Erfüllung, deftig und schnörkellos zuweilen, aber niemals billig. Selbst Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe musste kleinlaut zugeben, dass zu viel Vorfreude - ihm hatte es einst auf Reisen ein junges hübsches Mädchen in die Kissen beschert - der Angehimmelten mitunter auch eine Nacht mit ganz viel erholsamem Schlaf spenden kann.

Es spricht sicherlich für Claus Weidner, diesen Mann in den allerbesten Jahren, dass er nach einer laut erklatschten Zugabe dann dem Publikum freundlich-verschmitzt eine „angenehme Nacht“ wünschte...



01 · 02 · 12





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