Westerkappeln/Tecklenburger Land - Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Tecklenburger Land ist weiter gut. Zwar meldet die Agentur für Arbeit in Ibbenbüren, die auch die Gemeinden Westerkappeln und Lotte betreut, gegenüber dem Dezember deutlich mehr Erwerbslose, im Vergleich mit anderen Geschäftsstellen im Kreis Steinfurt bleibt die Region aber Primus.
2322 Frauen und Männer waren im Januar als erwerbslos registriert. Das sind 266 mehr als Ende 2011. Die Arbeitslosenquote ist von 3,6 auf 4,0 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung war zu erwarten, wenngleich die saisontypische Zunahme später als erwartet eingetreten ist. „Das hat sich ein bisschen verschoben“, erläutert Klemens Vermillion, Leiter der Arbeitsagentur Ibbenbüren. Infolge des milden Winters seien zunächst weniger Menschen entlassen worden als es in dieser Jahreszeit sonst üblich sei.
Im Vergleich zu den Vorjahren gibt es deutlich weniger Arbeitslose im Raum Ibbenbüren. Vor einem Jahr waren noch 2663 Personen ohne Arbeit. Dieser Rückgang von 12,8 Prozent ist der kreisweit (Durchschnitt - 6,8 Prozent) mit Abstand beste Wert.
Für fast alle Städte und Gemeinden im Tecklenburger Land verzeichnet die Agentur für Arbeit rückläufige Erwerbslosenzahlen. In Westerkappeln sind sie prozentual sogar am stärksten gesunken. Nur Tecklenburg fällt aus dem Rahmen. Dort gibt es im Jahresvergleich sogar mehr Frauen und Männer ohne Job.
Die Zahlen im Einzelnen (in Klammern Januar 2011/prozentuale Veränderung):
» Hörstel (Arbeitsagentur Rheine): 335 (414/- 19,1)
» Hopsten: 103 (127/-18,9)
» Ibbenbüren: 1159 (1297/-10,6)
» Lotte: 437 (463/-5,6)
» Mettingen: 171 (210/-18,6)
» Recke: 204 (241/-15,4)
» Tecklenburg (Arbeitsagentur Lengerich): 144 (141/+2,1)
» Westerkappeln: 248 (319/-22,3)
Von den 2322 in Ibbenbüren registrierten Erwerbslosen sind knapp 1300 langzeitarbeitslos. Von diesen wiederum sind etwa zehn Prozent jünger als 25 Jahre. Auffällig ist, dass die Zahl der langzeitarbeitslosen Jugendlichen und Heranwachsenden binnen eines Jahres rapide gestiegen ist (+ 146 Prozent). Woran dies liegt, vermag Klemens Vermillion aus dem Stegreif nicht zu sagen. Dieser Trend ist überall im Kreis Steinfurt zu beobachten.
„Wenn das so weitergeht, können wir zufrieden sein“, meint Vermillion dagegen mit Blick auf die kommenden Monate. Zuversichtlich stimmt die Arbeitsverwaltung nicht zuletzt die Entwicklung bei den offenen Stellen. Knapp 500 Vermittlungsaufträge hat die Arbeitsagentur Ibbenbüren aktuell im Bestand, gegenüber dem Vorjahr ist das ein Plus von rund zehn Prozent.
Die Nachfrage nach Arbeitskräften ist je nach Branche höchst unterschiedlich. In der Rohstoffgewinnung und in Fertigungsberufen ist der Fachkräftemangel nicht zu übersehen, auch wenn auf die offenen Stellen im Kreis (1106) - rechnerisch - ein arbeitsloser Bewerber kommt.
Langen Atem müssen dagegen Erwerbelose beweisen, die einen Job in der Unternehmensorganisation, Buchhaltung, in einer Rechtsabteilung oder für Verwaltungsaufgaben suchen: Auf 121 offene Stellen kommen nämlich 750 Arbeitslose.
Der eine oder andere Arbeitsvermittler mag die Erfolgsmeldungen aus dem eigenen Hause mit gemischten Gefühlen sehen. Denn vor Kurzem hatte der Vorstandschef der Bundesagentur, Frank-Jürgen Weise, vor dem Hintergrund der guten Konjunktur einen massiven Stellenabbau angekündigt. Bis 2015 sollen 17 000 Stellen wegfallen. Dass am Ende die Geschäftsstelle Ibbenbüren mangels genügend Arbeitssuchender geschlossen werden könnte, glaubt Vermillion nicht. Änderungen in der organisatorischen Struktur seien mittelfristig zwar nicht auszuschließen. „Wir bleiben aber in der Fläche“, betont der Leiter der größten Agentur-Filiale im Kreis Steinfurt.