Visionäre des deutschen Fußballs


Dietrich Schulze-Marmeling erzählte den Schülern der Kardinal-von-Galen-Hauptschule vom Aufstieg des deutschen Fußballs, der unmittelbar mit jüdischen Spielern und Funktionären verknüpft ist.
Dietrich Schulze-Marmeling erzählte den Schülern der Kardinal-von-Galen-Hauptschule vom Aufstieg des deutschen Fußballs, der unmittelbar mit jüdischen Spielern und Funktionären verknüpft ist.
(Jürgen Primus)


Dülmen. Inter Mailand wurde von Schweizern gegründet, Manchester United von Iren, und der CF Barcelona nicht von Spaniern oder Katalanen sondern von Engländern und Schweizern. Und auch bei der Gründung des FC Bayern München war kein Münchner zugegen, „sondern unter anderem auch zwei Juden“, sagt Dietrich Schulze-Marmeling.

Der anerkannte Sport-Journalist und Buch-Autor führte am Dienstag vor zahlreichen Schülern der Klassen neun und zehn sowie Lehrern der Kardinal-von-Galen-Schule in die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ ein, die sich mit Juden im deutschen Fußball beschäftigt.


Dabei unterhielt Schulze-Marmeling die Schüler mit Hintergrundwissen. „Walther Bensemann, 1900 Mitbegründer des DFB und 1920 Gründer des Fachmagazins Kicker war ein Reisender in Sachen Fußball, quasi der Außenminister des Deutschen Fußballs und ein Visionär.“

Der Sohn eines jüdischen Bankiers habe die ersten Länderspiele organisiert, trotz der Gefahr, dass man die Spiele hoch verliert. „Früher gab es ja noch keine Fernseh-Übertragungen. Und wenn man wissen wollte, wie die Engländer Fußball spielen, musste man dort hin oder die Mannschaft einladen.“ So habe die deutsche Mannschaft gelernt, dass man Fußball besser mit der Innenseite des Fußes als mit der Picke spielt“. Juden im deutschen Fußball seien zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet gewesen. Viele Vereine hätten jüdische Präsidiumsmitglieder und auch Spieler gehabt.

1933 seien die Juden aus dem Sport ausgeschlossen worden. Schulze-Marmeling: „Das beendet eine Ära, in der Menschen unabhängig von ihrem kulturellen, religiösen oder nationalen Background den Sport gefördert haben.“ So sei das Jahr 1933 die Zäsur gewesen. Heute spielen noch zwei Israelis in der Bundesliga. „Aber die Rolle, wie vor dem Nationalsozialismus spielen Juden im deutschen Fußball nicht mehr.“ Gleichwohl sei „Fußball heute eine internationale Angelegenheit.“

Für die EM machte er den zuhörern Mut: Unsere aktuelle Nationalmannschaft spiele den wohl besten Fußball aller Zeiten. „Im Profifußball funktioniert die multikulturelle Gesellschaft heute vielleicht besser, als in anderen Bereichen. Alle arbeiten auf ein Ziel hin, alle partizipieren am Erfolg.“



Die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ ist noch bis zum Ende der Woche täglich von 9 bis 16 Uhr im Foyer der Kardinal-von-Galen-Schule zu sehen.

VON JÜRGEN PRIMUS


07 · 02 · 12





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