Dülmen. Klinken putzen, so könnte man die derzeitige Hauptbeschäftigung des pensionierten Schulleiters Klaus Jahn vielleicht am treffendsten beschreiben.
Dabei hat das für den Dülmener Koordinator des Projekts „Wirtschaft und Schule als Partner“ (WSP) überhaupt nichts Negatives: „Ich besuche alle Betriebe, die zum Schulunterricht möglicherweise etwas beitragen können, am liebsten persönlich.“ Denn schließlich muss er erklären, worum es geht und wer dabei helfen kann.
„Wir wollen Schulen und Unternehmen als Partner zusammenbringen“, beschreibt Jahn den Grundauftrag. Denn schließlich ergäben sich für Wirtschaft und Schulen vielfältige Partnerschaften: „Ein Optikermeister kann einer Schulklasse genau zeigen, wofür bestimmte Inhalte in der Physik nützlich sind“, gibt er ein Beispiel. Und natürlich kann auch der Optiker später vielleicht mal ganz gut einen Lehrling gebrauchen. „Da ist es doch gut, wenn beide Seiten sich zuvor schon kennen gelernt haben, das baut Schwellen
ab“, ist Jahn überzeugt. Und er klingt auch überzeugend.
Schließlich hat er Erfahrung mit ähnlichen Projekten: In Buldern hob er vor zwei Jahren „Auf den Punkt gebracht“ aus der Taufe und brachte Hauptschüler und betriebliche Praxis zusammen. Die ersten Schritte machen ihm auch für WSP Mut: „Ich habe alle weiterführenden Schulen für das Projekt gewinnen können, nur das Berufskolleg muss ich noch ansprechen.“ 22 Dülmener Unternehmen haben bereits erklärt, an dem Projekt mitwirken zu wollen.
In Telgte, der Stadt, in welcher die Idee ihren Ursprung hat, bringen
bereits 100 Betriebe ihr Wissen in den Schulunterricht ein. Es geht darum, allgemeinen Wissensgebieten in der Praxis auf den Grund zu gehen. So könnte ein Fleischer über Massentierhaltung, die Herkunft des Fleisches oder gesunde Ernährung diskutieren. Ein Heizungsunternehmen oder Energielieferant wird das Thema Klimaschutz und alternative Energien anschaulich darstellen können.
„Die ersten Schritte sind getan, jetzt geht es darum, die Idee konkret mit Leben zu füllen“, meint Jahn. Und da müssen die Schulen wie die Unternehmen überlegen, wie der Unterricht von der Praxis profitieren kann. „Ich bin eine Art Pate, der Anregungen gibt und die Ideen zusammenführt“, beschreibt Jahn seine Rolle. Auf der Homepage zum Beispiel, auf der jedes Unternehmen ganz genau eintragen kann, was es für den Unterricht zu bieten hat, und wer der Ansprechpartner für die Schulen ist.
Nach der Zeugnisausgabe will Jahn alle Koordinatoren der weiterführenden Schulen zusammenbringen. „Die zuständigen Lehrer können dann die neuen Unterrichtsmöglichkeiten gezielt in die Lehrerkollegien tragen. Dann kann die Schule ihr Interesse konkretisieren und sich die passende Firma zum Unterrichtsstoff aussuchen.“ Mitmachen sollen von Anfang an nicht nur die Oberstufen, sondern alle Klassen, von der fünften angefangen.
„Wer sich einmal für eine Firma begeistert, der wird sich bei der Berufswahl daran erinnern“, wirbt Jahn dafür, diese Chance auch zu nutzen, um Nachwuchs zu rekrutieren. Er freut sich über Interessenten, die ihn unter Tel. 02590/564 erreichen können.
www.duelmen.de/wsp