Napoleon beißt hinter der Bühne


Noch lacht Katharina Rathmann, doch Matthias Stockinger, alias Vampir Napoleon, fletscht bereits die Zähne hinter der Bühne.
Noch lacht Katharina Rathmann, doch Matthias Stockinger, alias Vampir Napoleon, fletscht bereits die Zähne hinter der Bühne.
(Jürgen Primus)


Dülmen. Matthias Stockinger lächelt, als Katharina Rathmann mit ihrem Bruder Kilian sowie Mutter Ute, Vater Klaus und Oma Rita in eine der Garderoben des Metronom-Theaters kommt. In nicht einmal 20 Minuten verwandelt er sich dann vom sympathischen, jungen Mann in den düsteren Vampir Napoleon. Und als er den Hals der Zwölfjährigen streckt und fürs Foto zubeißt, nimmt Kilian schnell reißaus und flüchtet sich zur Mutter. Dem Sechsjährigen ist die Sache nicht geheuer.

Keine Angst hat Familie Rathmann beim Blick hinter die Kulissen des Metronom-Theaters in Oberhausen, wo seit November mit großem Erfolg das Musical „Tanz der Vampire“ läuft. Sprecherin Kristina Frinke nimmt sich zusammen mit Julia Pitz viel Zeit für die Dülmener, die die zweite Runde der DZ-Sommeraktion gewonnen haben.


Die Bühne wird genau inspiziert. Kristina Frinke erklärt die Bühnenbilder, zeigt die Wendeltreppe, öffnet den Sarg des Grafen von Krolock, hängt den Rathmanns Knoblauch-Ketten um, reicht Katharina den Schwamm, den Sarah im zweiten Akt benutzt. Die „Blackboxen“, wo sich die Darsteller während der Show direkt an der Bühne umziehen, werden in Augenschein genommen, wie auch die Beleuchtung, das Mischpult und die Requisite.

Katharina Rathmann hat viele Fragen, schließlich hat sie das Musical bereits mit ihrer Schule gesehen. Beim Blick in die Garderobe des Billerbeckers Jan Ammann, der die Hauptrolle des Grafen von Krolock am Abend spielt, schaut die junge Dame genau hin.

Bereitwillig zeigt der Hauptdarsteller, wie die Hände geschminkt werden, damit sie länger aussehen. Mit wenigen Pinselstrichen verziert er auch die Hände der Zwölfjährigen und platziert sogar noch einen Fingernagel. Als die junge Dülmenerin ein Autogramm mit Widmung bekommt, ist sie glücklich.

Anschließend genießt Familie Rathmann auf tollen Plätzen in Reihe sechs die beeindruckende Show mit rockigen Songs und einfühlsamen Balladen. Wenn die Darsteller in luftigen Höhen auf der Bühne auftauchen, wissen die Rathmanns genau, wie sie dort hingekommen sind.

Die Parodie auf das Vampirgenre rutscht nie ins Lächerliche ab, und als Graf von Krolock davon singt, wie fürchterlich es für ihn ist, auf ewig zu leben, bekommen die Zuschauer fast Mitleid mit ihm. Doch die Gier ist am Ende stärker, es gibt kein Happy End.

Auch wenn Katharina und Kilian durch den Blick hinter die Kulissen wissen, dass die Vampire, wie Matthias Stockinger und Jan Ammann, in Wirklichkeit ganz freundlich sind, will Kilian nach der dreistündigen Show „lieber erst noch auf dem Sofa bleiben“, ehe er ins Bett muss. Und Katharina schaut beim Gang zum Auto bei ihrem Bruder gleich mal nach dem Gebiss, ob es dort auch schon verdächtig-lange Eckzähne gibt, entdeckt aber nur einen wackeligen Milchzahn. Das ist ihr persönliches Happy End und der Abschluss eines unvergesslichen Abends mit den düsteren Vampiren in Oberhausen.

VON JÜRGEN PRIMUS


16 · 07 · 09





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