Comedy mit Mirja Boes

Männer in ästhetischer Armut


Mirja Boes im Gespräch mit Albert Bömer. Der bald dreifache Vater aus Nienborg gestand ihr auf dem aufblasbaren Bühnensofa Frust über seine häufig zickende Tochter Marlene ein.Foto:
Mirja Boes im Gespräch mit Albert Bömer. Der bald dreifache Vater aus Nienborg gestand ihr auf dem aufblasbaren Bühnensofa Frust über seine häufig zickende Tochter Marlene ein.Foto:
(Sigrid Winkler-Borck)


Heek - Comedian Ralf Schmitz ist nicht der Vater des einjährigen Michel. Michels Mutter, Mirja Boes, kommt definitiv nicht zum Karneval nach Schöppingen, weil sie als Kölnerin dann nicht aus der Stadt weg darf. Die 14-jährige Wiebke aus der ersten Reihe kann am Wochenende nicht bei Mirja Boes übernachten, weil diese an Wochenenden arbeiten muss. Wie eben auch am Sonntag, da war Comedy-Star Mirja Boes ja schließlich in Heek mit ihrem neuen Programm „Ich doch nicht!“.

Nur zwei Wochen nach Tourstart konnte das Publikum in der ausverkauften Heeker Sporthalle Antworten wie obige auf seine Fragen bekommen. Fragen, mit deren Beantwortung sich allerdings kein Stand-up-Comedy-Gagfeuerwerk abfeuern ließ.


Dafür schwadronierte Mirja Boes um so detailreicher über ihre Erfahrungen um Schwangerschaft und Geburt. Schwangerschafts- und Stilldemenz sowie Auswüchse in entsprechenden „Mamiforen“ waren für einige Gags gut. Mit vergrabener Plazenta, „Plazentagulasch“ und Nabelschnurblut erreichte sie dann Dimensionen des Junge-Mutter-Daseins, in die nicht nur „Mann“ so tief dann eigentlich auch wieder nicht hätte vordringen wollen. Zudem werden dem ein oder anderen Kind im Publikum hier und da die Ohren geklingelt haben.

Das Programm bot aber nicht nur postnatale Befindlichkeiten. Erlebnisse bei der Führerschein-Nachschulung und der Umgang mit Versicherungsfuzzis kamen wie aus dem prallen Leben gegriffen rüber.

Immer wieder suchte Mirja Boes auch den Kontakt zum Publikum. Nach der Pause erschien sie als rosa Wuchtbrumme, die sich um Menschen, sprich Männer, in „ästhetischer Armut“ kümmert. „Opfer“ Georg verwandelte sie mit schwarzer Perücke und Tattoo in einen „rassigen Andalusier“.

Mit der Behauptung: „Frauen können richtig bescheuert sein“, outete Mirja Boes sich als Männerversteherin. Freimütig gestand der bald dreifache Vater Albert ihr auf dem aufblasbaren Bühnensofa Frust über seine häufig zickende Tochter Marlene ein. Frau genug machte Boes dem Publikum mit ihrer Faustregel aber schnell wieder klar, wo der Hammer hängt: „Natürlich möchten wir Frauen, dass es den Männern gut geht, aber doch nicht besser als uns selbst.“

Mit Tena-Lady als wärmendem Ohrenschutz auf dem Kopf sprach Boes die Empfehlung aus, Tena-Lady auch für lange Nächte an vollen Kneipentheken als Schutz vor lästigen WC-Besuchen zu nutzen. „Geht jetzt bitte“, war dann das letzte, das sie mit ihrem Brachialcharme dem Publikum zurief. Das machte sich dann nach kurzer Schockstarre, mit der Gewissheit „kein bescheuertes Publikum“ gewesen zu sein, auf in die Nacht.



14 · 02 · 12





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