Gronau-Epe - Warum er Priester geworden ist? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Ich weiß nicht warum.“ Nicht Tugenden, Intelligenz oder besondere Eigenschaften seien dafür ausschlaggebend gewesen. Alfons Frye hat einfach irgendwann gespürt, dass „der Ruf Gottes an mich ergangen ist“. Und dann müssen Menschen nach seiner Auffassung nur noch eines tun: „Folgen!“ Getreu dem Wort aus dem Johannes-Evangelium: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ Mehr als 50 Jahre ist es her, dass diese Wahl auf ihn fiel. Heute begeht Alfons Frye sein Goldenes Priesterjubiläum.
Hat er je Zweifel an seiner Berufswahl gehabt? Das „Nein“ lässt keine Sekunde auf sich warten. Schwieriger ist es da schon, mit dem 78-Jährigen über seine fünf Jahrzehnte währende Zeit als Seelsorger zu sprechen. Das wird kein zügiges Abhaken von Stationen, Herausforderungen und Leistungen. Nein, Frye spricht zunächst über seine theologische Grundüberzeugung.
„Es gibt keinen Menschen, der Gott nicht sucht, welche Bezeichnung jemand auch immer für das Gesuchte gebraucht - Erfüllung, Glück, Frieden oder Leben.“ Wenn aber alle Suchende sind, sind - so Frye - alle gleich wichtig. Daraus hat er für sein Wirken die Leitlinie entwickelt, die in Epe während seiner Zeit als Pastor galt: „Kirche ist Gemeinschaft.“
Und noch ein Wort der Schrift hat ihn, wie er sagt, durch sein Priesterleben begleitet: „Alle suchen Dich“ (Markus-Evangelium). Das Zitat steht auf seinem Kelch, das Wort stand auf dem Gebetszettel, der zu seiner Priesterweihe 1962 verteilt wurde, das „Alle suchen Dich“ ist an vielen anderen Stellen - bis hin zum Bild über dem Bett - präsent.
Die frohe Botschaft dessen zu verkünden, den „alle suchen“ - das war und ist Fryes Auftrag, wie er selbst sagt: „Priester wird man für die Menschen.“ Im Seelsorger-Alltag fühlt er sich bis heute von „ihm“ getragen, verlässt sich darauf, „dass er uns nicht im Stich lässt“. Vor einer Predigt erinnert er seinen „Chef“ mit einem Stoß-Gedanken schon mal daran, dass er auf seine Hilfe setzt: „Denk dran, jetzt bist du dran!“ Für Frye ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Das Vertrauen in Gott hat ihm die Arbeit überhaupt erst möglich gemacht - weil Gott es ist, der durch ihn spricht und handelt, wie er sagt.
Was in den Jahrzehnten seines Wirkens entstanden sei, will Frye nicht als sein Verdienst gewertet wissen. Immer habe es Menschen gegeben, die bereit gewesen seien, ihn zu unterstützen. Diese Bereitschaft habe ihn vor allem in St. Agatha fasziniert, ihn aber auch ermuntert, Menschen - entsprechend ihrer Talente - zum Mitmachen zu bewegen, sie zu fordern, getreu dem Motto: „Kirche ist Gemeinschaft.“ Selbstkritisch räumt er allerdings ein, „bestimmt auch Vieles falsch gemacht und Menschen enttäuscht zu haben“.
Themenwechsel: Wie sieht Frye die offizielle Kirche heute? Da missfällt ihm durchaus einiges. Etwa die Tatsache, dass angeblich die Laien in der Kirche so wichtig sind, sie gleichzeitig aber Vieles nicht dürfen - „weil sie Frauen sind, weil sie nicht geweiht sind oder, oder . . .“ Und dann ein Satz, den nicht jeder Seelsorger so offen aussprechen würde: „Das Bodenpersonal der Gesamtkirche - vom Obersten bis zum Untersten - lässt zu wünschen übrig.“ Warum? „Es kommen zwar viele Gesetze und Regeln rüber, aber keine Überzeugungen mehr.“
Diese Überzeugungen und das, was man Gewissen nennt, sind ihm indes wichtiger als das Einhalten von Regeln. Seine Selbsteinschätzung in der Retrospektive: „Ich war kein gesetzestreuer, folgsamer Diener der Amtskirche, ich bin meinen eigenen Weg gegangen . . .“
Von der Rückschau zum Blick in die Zukunft: Wo sieht Frye St. Agatha in zehn Jahren? „Das hängt vom Bodenpersonal ab“, sagt er. Nach wie vor seien die Menschen suchend, ihnen dabei in einem immer schwieriger werdenden Umfeld zu helfen, das müsse Kirche speziell auch bei jungen Leuten heute gelingen.
Wenn Alfons Frye einen Wunsch frei hätte aus Anlass seines Jubiläums - welcher wäre das? „Dass der Leitgedanke Kirche ist Gemeinschaft neu entdeckt wird. Dass jeder wertvoll ist - unabhängig von Intelligenz, Reichtum, Stand oder Titel.“