"Eine traurige Geschichte"


Was heiter wirkt, ist trauriger Ernst: Reitschüler packen mit an, als Sylvia Milas (3. v. r.) ihre Reitschule räumen muss. In Sachsen-Anhalt wird sie neu beginnen. Foto: wr
Was heiter wirkt, ist trauriger Ernst: Reitschüler packen mit an, als Sylvia Milas (3. v. r.) ihre Reitschule räumen muss. In Sachsen-Anhalt wird sie neu beginnen. Foto: wr


Gescher. Das Klopfen von Hammern, das Brechen von Holz ist weithin hörbar. Die Reithalle am Schüringsweg und mit ihr ein Lebenstraum werden "zurückgebaut." Es ist nicht nur der Traum von Sylvia Milas, der Besitzerin des gleichnamigen Reitstalls. "In den Ställen findet man Kinder, die verstohlen weinen. Eine traurige Geschichte. Hier wird eine Existenz in Schutt und Asche gelegt", sagt ein Mitglied der Reitsportgemeinschaft Gescher, die sich ebenfalls aufgelöst hat. Denn das Ehepaar Milas wandert mit seinen zehn verbliebenen Pferden heute aus. In Sachsen-Anhalt wollen die beiden eine neue Existenz rund um Reitsport und Vermietung von Ferienwohnungen aufbauen. Erzwungenermaßen, wie Sylvia Milas betont. Denn das 10.000 Quadratmeter große Gelände in Gescher rund um die Reithalle musste sie aufgeben, nachdem der Eigentümer Eigenbedarf angemeldet hatte. Sein Schwiegersohn, Jean Paul Soyer, Betreiber des Bie Bie beabsichtige, das Spielparadies um großzügige Outdoor-Anlagen zu erweitern. "So wurde unsere Nutzung eingeschränkt - aber das zum selben Preis. Nur tausend Quadratmeter sind für unsere Tiere und den Pferdesport nicht ausreichend", sagen die Milas.

Von Gescher verabschieden sie sich voll Trauer, auch Bitterkeit. "Uns blieb nichts anderes als zu kündigen. Zehn Pferde haben wir inzwischen verkauft; zehn nehmen wir mit. Viel Geld und Liebe haben wir seit 2006 in das Unternehmen gesteckt, haben Baugenehmigungen eingeholt, 14 Ställe ausgebaut. Das alles musste jetzt abgerissen werden. Es war auch traurig zuzuschauen, wie gerade die Kinder, die von Anfang an mitgeholfen haben, den Nagel wieder rausreißen mussten, den sie zuvor einmal eingeschlagen hatten", sagt Sylvia Milas bewegt.


Und der achtjährige Fynn Ole ergänzt: "Ich reite drei Mal die Woche. Jetzt muss ich nach Velen. Aber da macht es nicht solchen Spaß."

160 Reitschüler aus Gescher und dem Umland gingen bei Milas aus und ein. "Wie eine große Familie" sei das gewesen mit Grillabenden, Turnierfahrten und der - im Reitsport unüblichen Möglichkeit - für Nachwuchstalente, mit den 16 Schulpferden der Reitschule Milas an Turnieren teil zu nehmen. "Das war das Einzigartige an Milas Konzept. So konnten auch Kinder bei Turnieren starten, die kein eigenes Pferd besitzen", so eine Mutter. All das ist jetzt vorbei, "und damit auch ein wertvolles Stück Jugendarbeit in Gescher", heißt es in der aufgelösten Reitsportgemeinschaft.

Zwar habe auch die Stadt Gescher ihr noch bei der Suche nach einem Ersatzgelände geholfen, doch alles vergeblich. "Da fand sich nichts", klagt Milas.



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