Kommunalwahl: Droht in Greven der Wahl-Super-Gau?


Sieben Parteien und Wählergemeinschaften treten am Kirmessonntag zur Kommunalwahl an. Gestern Abend war Meldeschluss. „Die Guten“ und die UWG um Ulrich Stratmann bekamen nicht genug Kandidaten zusammen. Montage:
Sieben Parteien und Wählergemeinschaften treten am Kirmessonntag zur Kommunalwahl an. Gestern Abend war Meldeschluss. „Die Guten“ und die UWG um Ulrich Stratmann bekamen nicht genug Kandidaten zusammen. Montage:
(pbe)


Greven - Jetzt ist es amtlich - und es könnte der „Super-Gau“ werden. Sieben Parteien oder Wählergemeinschaften treten in Greven zur Kommunalwahl am 30. August an. Montagabend war für die Parteien Meldeschluss. Und der Super-Gau? Nun, die Zahl der Ratsherren und -damen könnte sich aufgrund der Konstellation im schlimmsten Fall verdoppeln. Doch zunächst ganz von vorne.

CDU, SPD, FDP, Die Grünen, Die Linken, UFW und „Reckenfeld direkt“ haben für die Kommunalwahl gemeldet. Wobei „Reckenfeld direkt“ ausschließlich in den Reckenfelder Wahlbezirken antritt. Damit geht eine „halbe“ Partei mehr an den Start als bei den Kommunalwahlen 2004.


Schon damals hatte sich die Zahl der Ratsherren aufgrund von Überhangmandaten deutlich erhöht. Denn die CDU hatte in allen 20 Wahlbezirken die Mehrheit erreicht und damit auch die Direktmandate bekommen - also 50 Prozent der 40 möglichen Ratssitze. Der Stimmanteil der CDU lag allerdings nur bei 41,31 Prozent. Da Direktmandate nicht aberkannt werden dürfen, musste die Zahl der Sitze auch für die anderen Parteien proportional erhöht werden. Heraus kam ein Gemeinderat mit 48 Mitgliedern.

Ein ähnliches, nur in der Auswirkung vielfach schlimmeres Szenario droht bei der aktuellen Kommunalwahl. Auslöser dafür könnte die nur in Reckenfeld antretende Wählergemeinschaft „Reckenfeld direkt“ sein. Deren Gründer Ernst Reiling jedenfalls ist sich sicher, dass er alle vier Ratssitze in Reckenfeld erringen kann. Sollte dies tatsächlich der Fall sein und „Reckenfeld direkt“ würde diese Mandate mit einem jeweiligen Stimmanteil von 25 bis 30 Prozent in den Wahlbezirken erringen, müsste wieder die Reglung der Überhangmandate angewendet werden. Denn in diesem Fall hätte „Reckenfeld direkt“ zwar vier Ratssitze bekommen, dürfte aber wegen der insgesamt für ganz Greven erreichten Stimmen eigentlich nur zwei Sitze erhalten. Dann wird ein Ausgleich über Überhangmandate geschaffen, der - in diesem schlimmsten Fall - zu einer Verdopplung der Ratssitze führen könnte. Dann wäre ein Rat mit bis zu 86 Mitgliedern möglich.

Das bestätigt auch Klaus Hoffstadt von der Pressestelle der Stadtverwaltung. „Ich habe mehrere Szenarien durchgerechnet, das könnte passieren.“ Da können die Parteien nur hoffen, dass ihre Liste lang genug ist. „Wer nicht auf der Wahlliste steht, kann natürlich nicht in den Rat einziehen“, erklärte Michael Schreiber vom Ordnungsamt.

Ermittelt wird dies alles mit dem Software-Programm „PC-Wahl“. „Ich bin froh, dass wir das nicht zu Fuß ausrechnen müssen“, sagte Schreiber. Welche Partei wie viel Stimmen bekommt, wird nach einem neuen Verfahren ausgerechnet. Das bisherige Quotenverfahren Hare/Niemeyer mit Reststimmenverwertung nach höchsten Zahlenbruchteilen wird abgelöst durch das Divisorverfahren mit Standardrundung nach Sainte-Lague/Schepers. Kein Wort verstanden? Das geht nicht nur Laien so. „Wie das genau funktioniert, kann ich auch kaum erklären“, sagte Schreiber. Wie gesagt: Dafür gibt es Computer mit einer ausgeklügelten Software.

Die Stimmen müssen am Wahlabend auch ausgezählt werden. Deshalb sucht das Wahlamt dringend Wahlhelfer. „Uns fehlen noch etwa 30 Helfer“, erklärt Schreiber.

VON PETER BECKMANN


14 · 07 · 09



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