Frauentag
Maas: Noch keine volle Gleichberechtigung von Frauen

Seit 1921 wird der Frauentag jährlich am 8. März gefeiert. Minister Maas klagt über anhaltende Benachteiligungen der Frauen. Politikerinnen der CSU dringen auf mehr Einfluss in ihrer Partei.

Donnerstag, 08.03.2018, 07:29 Uhr

Bundesjustizminister Heiko Maas vor Beginn einer Sitzung des Bundeskabinetts.
Bundesjustizminister Heiko Maas vor Beginn einer Sitzung des Bundeskabinetts. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Der geschäftsführende Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) beklagt, Frauen würden noch immer in vielen Bereichen der Gesellschaft benachteiligt und diskriminiert.

Die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren sei zwar ein epochaler Schritt zu mehr Gleichberechtigung gewesen, aber doch nur ein Etappensieg, sagte Maas der Deutschen Presse-Agentur zum Weltfrauentag. «Die vollständige Gleichberechtigung von Frauen in Deutschland ist ein rechtliches Ideal, aber noch immer nicht vollständig verwirklicht.» Nach wie vor gebe es Sexismus, Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen und zu wenig weibliche Führungskräfte.

Der Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März gefeiert.

«Dass sich im Jahr 2018 tatsächlich noch immer einige trauen, zu argumentieren, es gäbe doch gar nicht genug qualifizierte Frauen, ist grotesk», sagte Maas. «Dieses Argument ist einfach nur noch peinlich.» Noch nie seien Frauen so gut ausgebildet gewesen wie heute. Es seien überall mehr Frauen in Führungspositionen nötig. «Wenn bestimmte Branchen und Unternehmen von reinen Männervereinen geleitet werden, verhindert das nicht nur echte Gleichberechtigung, sondern es kann auch ein Umfeld für sexualisierte Gewalt schaffen», mahnte er. «Und ganz klar ist: Sexismus beginnt schon lange, bevor es strafbar wird.»

Nach Kritik an der CSU-Besetzungsliste für das Bundeskabinett dringen Frauen aus der Partei derweil auf mehr Einfluss. «Unser Ziel muss ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Männern und Frauen innerhalb der CSU im Bund sowie in Bayern sein», sagte die bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) der «Augsburger Allgemeinen. Die stellvertretende Parteichefin Angelika Niebler sagte der Zeitung, die CSU werde eine eigene Kommission einsetzen, die sich gezielt mit der Frage beschäftigen solle, wie die Partei mehr Frauen in Abgeordnetenmandate bringen könne. Zuvor hatte die designierte Staatsministerin für Digitales im Kanzleramt, CSU-Vize Dorothee Bär, in ihrer Partei Nachholbedarf bei der Frauenförderung gesehen.

CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer plädiert für eine Debatte darüber, «wie wir dafür sorgen, dass der Anteil von Frauen in der Bevölkerung auch im Parlament angemessen abgebildet wird». Im Interview mit «Focus Online» regte sie an, auch darüber zu reden, «ob wir diese Teilhabe von Frauen ins Wahlrecht bringen können».

Die geschäftsführende Bundesfrauenministerin Katarina Barley (SPD) mahnte mehr Einsatz der Parteien für Gleichberechtigung in der Politik an. «Nicht nur die AfD, sondern auch Union und FDP tragen dazu bei, dass der Frauenanteil im Parlament dramatisch gesunken ist. Dagegen müssen die einzelnen Parteien etwas tun», sagte Barley dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. «Wir müssen aber auch prüfen, welche Stellschrauben bei einer Wahlrechtsreform gedreht werden können, damit wieder mehr Frauen in den Parlamenten einziehen.» Das sehe offenbar mittlerweile auch die Union so. In der «Passauer Neuen Presse» rief Barley dazu auf, dass Errungenschaften für Frauen immer wieder aufs Neue erkämpft und auch verteidigt werden müssten.

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