«Shakespeare in Love»
Erstaufführung als amüsantes Sommertheater

Ein Märchen für Erwachsene war versprochen worden - und ein Märchen für Erwachsene wurde geboten. Das Theaterstück «Shakespeare in Love», das Antoine Uitdehaag erstmals auf einer deutschen Bühne inszeniert, hat die Zuschauer bei den Bad Hersfelder Festspielen begeistert.

Samstag, 21.07.2018, 14:51 Uhr

Schauspieler Tilo Kleiner spielt in «Shakespeare in Love» "Wessex", Natalja Joselewitsch stellt hingegen "Viola de Lesseps" dar. Das ganze Ensemble brachte das Publikum immer wieder zum Lachen.
Schauspieler Tilo Kleiner spielt in «Shakespeare in Love» "Wessex", Natalja Joselewitsch stellt hingegen "Viola de Lesseps" dar. Das ganze Ensemble brachte das Publikum immer wieder zum Lachen. Foto: Swen Pförtner

Bad Hersfeld (dpa) - Sommertheater in einer Sommernacht: So lässt sich die Premiere der deutschen Erstaufführung von «Shakespeare in Love» beschreiben. Am Freitag wurde das Stück bei den 68. Bad Hersfelder Festspielen in der Stiftsruine gezeigt.

Nach der ausverkauften rund zweieinhalbstündigen Vorstellung spendeten die 1300 Zuschauer lautstarken Beifall. Das Stück zum oscarprämierten Kinofilm aus dem Jahr 1998 war die dritte Saison-Premiere des hessischen Freilicht-Theaterfestivals.

Nach «Peer Gynt» ist mit der fiktiven Erzählung über das Schaffen William Shakespeares ein zweites Schauspielstück zu sehen, das Musical «Titanic» läuft in diesem Jahr als Wiederaufnahme. Ein Gegenstück zum Ibsen-Drama: Während «Peer Gynt» die Zuschauer forderte und am Ende auch kritische Stimmen nach sich zog, durfte sich das Publikum am Freitagabend zurücklehnen und genießen. Regisseur Antoine Uitdehaag Inszenierung von Lee Halls Bühnenfassung kam an, es war unterhaltsam und amüsant.

Für den neuen Intendanten Jörn Hinkel, der die Leitung des Freilicht-Theaterfestivals vom im Januar wegen Missbrauchsvorwürfen zurückgetretenen Dieter Wedel übernommen hatte, hat die Inszenierung ihre Aufgabe bestens erfüllt. «Wir wollten ein möglichst breites Spektrum von verschiedenen Stücken zeigen», sagte er nach der Premierenvorstellung. «Ich glaube, dass das zwei sehr schöne Tag- und Nachtstücke sind, die da nun nebeneinanderstehen.»

Für Hinkel wurde die Premiere zu einem besonderen Abend: Statt sich unter die Zuschauer zu mischen, stand er kurzerhand selbst auf der Bühne. Peter Englert, der gleich drei Figuren spielen sollte, war erkrankt ausgefallen. Hinkel übernahm die Rollen «Robin» und «Lambert», Roland Schreglmann half als «Bootsmann» aus. Bemerkt hätten die Zuschauer diese spontane Umbesetzung ohne entsprechenden Hinweis vermutlich nicht - zu homogen war das Spiel des Ensembles.

Neben auch aus dem Fernsehen bekannten Akteuren wie Brigitte Grothum, Martin Semmelrogge, Robert Joseph Bartl oder Bettina Hauenschild standen mit den beiden Hauptdarstellern zwei noch junge Schauspieler auf der Bühne: Dennis Herrmann (Jahrgang 1986) als Will Shakespeare und Natalja Joselewitsch (1991) als Viola spielten ihre Parts mit viel Charme und harmonierten auf der Bühne.

Shakespeare, der junge Dichter, leidet nicht nur Geldnot, sondern auch unter einer Schaffenskrise. Er verliebt sich in die Adelige Viola de Lesseps, die im 16. Jahrhundert entgegen allen Verboten davon träumt, auf der Bühne zu stehen. Sie schlüpft in Männerkleider, nennt sich Thomas Kent und spielt in Shakespeares Stück. Das Versteckspiel fliegt auf und man hofft auf ein Happy End - doch die junge Frau ist bereits einem anderen versprochen.

Im Kern ist der Inhalt der Bühnenversion derselbe wie im Film. Eine einfache Kopie der Kinofassung ist es aber nicht, den Fokus seiner Inszenierung legt Uitdehaag klar auf die Bühne. «Es geht um das Theaterleben, um Schauspieler und Autoren», sagt er. Shakespeare sei in jeder Zeit immer wieder neu interpretiert worden, fügte der Regisseur hinzu.

Auch aktuell könne und müsse man das tun - und so finden sich in der Bad Hersfelder Inszenierung trotz Ansiedlung im 16. Jahrhundert auch immer wieder moderne Elemente. So lässt sich beispielsweise die Sprache zum Teil klar der heutigen Zeit zuordnen und auch Türsteher in schwarzen Anzügen mit Sonnenbrillen passen weniger in die damalige Epoche. Gelungen sind auch die vielfältigen Kostüme genau wie die fließenden Übergänge zwischen den Szenen. Mal leisere, mal lautere Töne, auch Tanzszenen oder wilde Kämpfe, mal ernst, dann wieder heiter: «Shakespeare in Love» zeigt die bunte Welt des Theaters - vereint in einem Stück.

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