Neuköllner Oper
«Welcome to Hell»: G20-Krawalle als Musical

Die Ausschreitungen am Rande des G20-Gipfels in Hamburg erregten im vergangenen Sommer großes Aufsehen. Ein Musical in Berlin nähert sich dem Thema nun aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Donnerstag, 15.03.2018, 15:20 Uhr

Lucille-Mareen Mayr (l) und Mathias Reiser in der Fotoprobe des Musicals "Welcome to Hell".
Lucille-Mareen Mayr (l) und Mathias Reiser in der Fotoprobe des Musicals "Welcome to Hell". Foto: Maurizio Gambarini

Berlin (dpa) - Das brennende Schanzenviertel in Hamburg, Randalierer in Schwarz, überfordert wirkende Polizisten und dazwischen friedliche Demonstranten und Anwohner: Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli vergangenen Jahres löste hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn solcher Treffen in Großstädten aus.

Das Musical «Welcome to Hell», das am Donnerstag (15.3.) im Berliner Theater Neuköllner Oper Premiere feiert, blickt aus verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen rund um den Gipfel der Staats- und Regierungschefs. 

Regisseur und Autor Peter Lund sieht das Werk in einem größeren gesellschaftlichen Kontext. «Die Grundsache war die Feststellung, dass die Grenzen wieder hochgehen», erklärt der 52-Jährige. Als Beispiele nennt er das «America First»-Motto von US-Präsident Donald Trump und die Abriegelungsbestrebungen der EU. Der Gipfel biete dabei die Kulisse, vor der sich die großen Konflikte der Welt abspielen.

Das Stück ist eine Koproduktion der Neuköllner Oper mit dem Studiengang «Musical» der Berliner Universität der Künste (UdK), an der Lund als Professor tätig ist. Bei ihm und den Studierenden habe zu Beginn des Projekts das Gefühl vorgeherrscht, das die «Welt wieder zerfalle». Die Figuren wurden gemeinsam mit den studierenden Schauspielern aus acht verschiedenen Nationen entwickelt. Der Titel des Musicals erinnert an den gleichnamigen Protest am Vorabend des eigentlichen Gipfels, bei der Polizei und Demonstranten erstmals heftig aneinandergerieten. 

Verteilungskonflikte würden auf der Welt nach Jahrzehnten der Entspannung inzwischen wieder deutlich heftiger ausgetragen, meint Lund. «Das ist meins, das kriegst du nicht und wenn du kommst, schieß ich dich tot» sei das mittlerweile wieder vorherrschende Credo in der Politik und auch bei vielen Menschen. «Wir wollen nichts abgeben, keiner von uns», sagt Lund. Der Streit über diese Entwicklungen sei beim Gipfel in Hamburg eskaliert. 

Im Zentrum der Handlung steht das Aufeinanderprallen eines jungen, zunehmend radikalisierten Anarchisten und eines traumatisierten Polizisten, der sich von der Politik im Stich gelassen fühlt. «Unser Leitfaden war, dass alle gesagt haben "Gott sei Dank ist keiner gestorben"», sagt Lund. Das Musical spiele mit der Frage, ob am Ende ein Schuss falle oder nicht. Doch auch die Blickwinkel einer in prekären Verhältnissen angestellten Supermarkt-Kassiererin, einer zwiegespaltenen Reporterin und eines französischen Staatsbeamten würden gezeigt.

Lund, der 2016 mit dem Deutschen Musicalpreis ausgezeichnet wurde, gilt als einer der deutschen Vorreiter des politischen Musik-Theaters. In «Welcome to Hell» zeichnet der Autor nach eigenen Worten ein düsteres Bild des aktuellen Weltgeschehens. Auch die Musik von Peter Michael von der Nahmer solle dies widerspiegeln.

Die Zuschauer erwarte ein komischer, grotesker Abend, erklärt Lund. Dem Publikum solle auch der Spiegel vorgehalten werden, um ein Bewusstsein zu schaffen, wie jeder Einzelne zu den Problemen beitrage. Versöhnlich könne man momentan nicht sein. «Es ist nicht die Zeit zu sagen, es ist alles nicht so schlimm», sagt Lund.

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