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Do., 15.02.2018

Paarlauf-Drama auf Eis Savchenko/Massot mit Kür des Lebens zu Olympiasiegern

Aljona Savchenko und Bruno Massot zeigten eine beeindruckende Kür und gewannen Gold.

Aljona Savchenko und Bruno Massot zeigten eine beeindruckende Kür und gewannen Gold. Foto: Peter Kneffel

Was für ein Drama auf dem Eis! Mit der Kür ihres Lebens machen die Oberstdorfer Savchenko/Massot den fast unmöglichen Olympiasieg perfekt. «Es ist mein Moment», ruft Savchenko. Nach dem emotionalen Gold-Coup vergießt nicht nur das siegreiche Paarlauf-Duo Tränen.

Von dpa

Pyeongchang (dpa) - Beim Anblick ihrer phänomenalen Gold-Kür auf der Großbildleinwand im Deutschen Haus kamen Aljona Savchenko schon wieder die Tränen. «Wir haben Geschichte geschrieben», sagte die Paarlauf-Olympiasiegerin und wurde erneut von Weinkrämpfen geschüttelt.

Neben ihr versprühte Bruno Massot völlig losgelöst Sekt aus einer mächtigen Drei-Liter-Flasche. «Ich wollte meine Karriere mit Gold krönen», sagte die 34-Jährige, der die Medaille fast zu schwer war. Gratulation zur perfekten Kür von Pyeongchang nahm ihr fünf Jahre jüngerer Partner auch am Donnerstagabend noch nicht an: «Wir können das noch besser. Nächsten Monat steht die WM an, da wollen wir es toppen.»

Die weltbeste Paarläuferin Savchenko herzte nach der endlich erfüllten Sehnsucht Olympia-Gold zunächst Massot, dann küsste sie immer wieder ihren angereisten Ehemann Liam Cross. «Manche brauchen fünf Anläufe, manche nur einen. Ich gebe niemals auf», stammelte sie nach dem Erfolg bei ihren fünften Winterspielen. «Wir haben uns gesagt, wir kämpfen wie Tiger. Olympischer Champion - ich bin so glücklich. Es ist mein Moment», erklärte die Wahl-Oberstdorferin die Energieleistung, mit der es von Platz vier doch noch ganz nach vorn geschafft hatten.

Direkt nach dem Vortrag in der Gangneung Arena glitten die neuen Olympiasieger eingehüllt in die Deutschland-Fahne bei einer Extra-Runde übers Eis und machten Selfies. «Wir sind happy, das für Deutschland geholt zu haben. Hier wurden wir unterstützt», betonte die gebürtige Ukrainerin, deren französischer Partner erst vor kurzem den deutschen Pass erhalten hatte. Es war das erste olympische Paarlauf-Gold für Deutschland seit 66 Jahren, zuletzt gewann 1952 das Ehepaar Ria und Paul Falk. Nicht einmal das einstige Traumpaar Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäumler schaffte es auf den Olymp.

Wegen des Fehlers im Kurzprogramm von Massot beim Salchow starteten die WM-Zweiten als vermeintlich abgeschlagene Vierte zuerst in der Topgruppe. «So vorzulegen, hat den Druck auf die anderen erhöht. Ich bin so glücklich und habe geheult», sagte Katarina Witt der Deutschen Presse-Agentur. «Sie haben alles richtig gemacht und endlich auch ein Quäntchen Glück gehabt.» Witt war 1988 in Calgary die bis dahin letzte deutsche Olympiasiegerin im Eiskunstlauf.

Wegen der Niedergeschlagenheit von Massot hatte die deutsche Teamleitung am Tag zuvor eine ernste Besprechung angesetzt. «Wir haben klare Worte gefunden und uns eingeschworen», berichtete Trainer Alexander König. Dabei wurde ein Facebook- und Presseverbot bis Wettkampfende ausgesprochen, um sich voll zu fokussieren.

«Von Platz vier auf eins - das ist unglaublich und großartig. Wir haben den Weltrekord gesehen. Aber wir mussten ja noch warten, das war härter als zu laufen», beschrieb der 29 Jahre alte Massot die ungewisse Zeit bis zum feststehenden Sieg. Direkt nach dem an einen Naturfilm angelehnten Vortrag «La terre vue du ciel» (Die Erde von oben gesehen) ließ sich die erleichterte Savchenko auf die Eisfläche fallen. Sogar Fotografen und Journalisten hatten nach der Vorstellung mit der Kür-Bestmarke von 159,31 Punkten feuchte Augen. Die Jury gab für den künstlerischen Ausdruck neun Mal die Höchstnote Zehn.

Ob die Gesamtnote reichen würde, war lange nicht klar. Doch dann schwächelten die Weltmeister Sui Wenjing/Han Cong aus China (235,47) und 235,90 Punkte waren gerade eben genug. «Es war ein Kampf und es war messerscharf», sagte Udo Dönsdorf, Sportdirektor der Deutschen Eislauf-Union. Das Programm sei zukunftsprägend für die Disziplin.

Vor allem die nervliche Leistung von Massot sei sensationell. Dönsdorf hob zudem hervor, dass das Projekt mit König geklappt habe: «Man muss auch deutschen Trainern das Vertrauen schenken, nicht nur ins Ausland gehen.» Auch habe sich das Wagnis gelohnt, an Eistanz-Olympiasieger Christopher Dean wegen der Choreographie heranzutreten.

Die Idee kam von Savchenko, die sich in den vergangenen vier Jahren im Allgäu voll entfalten konnte. «Ihre Persönlichkeit hat sich geöffnet, sie darf Mensch sein. Sie ist so kreativ, die Ideen sprudeln bei ihr nur so», berichtete König. Manchmal bremse er die fünfmalige Weltmeisterin aus. «Den extremen Ehrgeiz haben wir gewollt, aber man kann nicht immer 220 auf der Autobahn fahren.»

Sogar Zuschauer Thomas Bach war gerührt: «Das war eine Achterbahn der Gefühle. Wenn ich ehrlich bin, habe ich nicht mehr daran geglaubt.» 2010 und 2014 habe er Savchenko bereits in den Arm genommen und ihr geholfen, die Tränen nach Bronze mit Robin Szolkowy zu trocknen. Nun ist das elegante und quirlige Energiebündel am Höhepunkt der Laufbahn angelangt. «Sie ist ein wirklicher olympischer Champion», stellte der IOC-Präsident fest.

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