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Mi., 14.02.2018

Heißes Thema Winterspiele wieder in Europa - gar in Deutschland?

Abfahrer Thomas Dreßen würde sich über Winterspiele in Deutschland freuen.

Abfahrer Thomas Dreßen würde sich über Winterspiele in Deutschland freuen. Foto: Angelika Warmuth

Für Biathlon-Ass Laura Dahlmeier wäre es wichtig, «wenn Olympia zurückkommt». Auch Abfahrer Thomas Dreßen sähe es als «coole Sache», Winterspiele wieder in Deutschland zu erleben. Für Minister de Maizière ist es noch nicht an der Zeit, sich wieder zu bewerben.

Von dpa

Pyeongchang (dpa) - Olympische Winterspiele in Deutschland oder zumindest in Mitteleuropa? Das ist in Pyeongchang ein heißes Thema.

«Für einen deutschen Wintersportler gibt es nichts Besseres als Olympische Winterspiele in Deutschland», meinte Abfahrer Thomas Dreßen, der Überraschungsgewinner von Kitzbühel und Olympia-Mitfavorit. «Es wäre eine coole Geschichte allgemein für den Wintersport.» Dies sieht Biathlon-Königin Laura Dahlmeier ähnlich: «Natürlich wäre es schön, wenn Olympia mal wieder in Mitteleuropa stattfinden würde, in der Wiege des Skisports. Es wäre wichtig, dass Olympia zurückkommt.»

Seit Turin 2006 gab es keine Vergabe an ein europäisches Wintersport-Traditionsland mehr. 2010 war Vancouver der Schauplatz, 2014 das russische Sotschi, aktuell ist es Südkorea und 2022 wird es Peking sein. Für 2018 war München im Kandidaten-Finale, verlor aber die Abstimmung gegen Pyeongchang. Eine Münchner Bewerbung für 2022 scheiterte schon vorab in einem Referendum. «Wir haben die Winterspiele groß gemacht. Es wird Zeit, dass die Winterspiele wieder nach Europa oder Nordamerika kommen», meinte Rodel-Bundestrainer Norbert Loch.

Während in den USA Denver, Salt Lake City und Reno-Tahoe ihre Bewerbungsabsicht schon für 2030 ankündigten, tun sich europäische Wintersport-Länder schwer. Österreich (Schladming/Graz), Schweiz (Sion), Norwegen (Telemark) und Schweden (Stockholm) erwägen Kandidaturen für 2026. Ob sie sie bis zum Meldeschluss des Internationalen Olympischen Komitee am 30. März definitiv anmelden, ist höchst ungewiss. Der Rückhalt in der Bevölkerung ist allerorten für ein Großprojekt Olympia nicht berauschend.

Auch unter den deutschen Olympia-Athleten gibt es Verständnis für die Skepsis der Menschen nach den vielen Affären und Skandalen, aber auch dem olympischen Gigantismus gegenüber. «Ich denke, dass in den vergangenen Jahren eine Antipathie gegenüber Olympia entstanden ist», meinte Ski-Langläuferin Steffi Böhler. «Das ist schade. Ich verstehe die Leute, weil man ja mitkriegt, wie viel Gelder da teilweise verschwendet werden.»

Als Europäer wären Winterspiele auf dem eigenen Kontinent «ultraschön und man würde es sich wünschen», sagte der Nordische Kombinierer Johannes Rydzek. «Aber es ist kein Wunschkonzert. Wenn sich eine Demokratie dagegen entscheide, muss man das so hinnehmen.»

Eisschnellläufer Nico Ihle kann sich Olympia in Deutschland gut vorstellen und glaubt, dass «die Mehrheit der Deutschen dahinter stehen» würde. Deshalb findet er es falsch, wie vor dem zweiten Olympia-Anlauf von München für 2022, nur die Bevölkerung in der Region zu befragen, ob sie eine Bewerbung gutheißt. «Dort wollen die Leute eher in Ruhe gelassen werden. Das finde ich schade, weil ich überzeugt bin, dass viele im Land hinter dem Sport stehen», so Ihle.

Der scheidende Bundesinnenminister Thomas de Maizière hält eine deutsche Olympia-Bewerbung gegenwärtig nicht für sinnvoll. «Ich halte den Zeitpunkt in der Tat für zu früh», sagte der CDU-Politiker am Mittwoch vor seiner Rückreise von den Winterspielen. Vielmehr müsse eine Strategie für nationale Großsportveranstaltungen entwickelt werden. Bisher habe eine Stadt oder Region «die Idee gehabt, sich zu bewerben» und sei erstaunt gewesen, «dass international keiner beeindruckt» war. Die Entwicklung einer solchen Strategie ist in der Koalitionsvereinbarung von CDU/CSU und SPD enthalten.

Wie wichtig Olympische Spiele im eigenen Land als Schubkraft für den Spitzensport sind, weiß der Deutsche Olympische Sportbund, der mit München und Hamburg auf den «Rückenwind-Effekt» spekuliert hatte, erklärte DOSB-Präsident Alfons Hörmann. Südkorea und auch der nächste Winterspiele-Ausrichter China würden das mit dem Bau von modernen Trainings- und Wettkampfstätten nutzen. Hörmann: «Blickt man zehn, 20 Jahre in die Zukunft, dann wissen die Asiaten, was sie tun.»

Deshalb sieht Rodel-Olympiasiegerin Natalie Geisenberger die deutschen Athleten in der Pflicht, sich für Heim-Olympia ins Zeug zu legen. «Ich glaube, es ist auch unser Job, durch unser Auftreten Deutschland davon zu überzeugen, dass Olympische Spiele wieder mal schön und keine Belastung wären.» Mit dem glänzenden Start in Pyeongchang ist dazu vielleicht der Anfang gemacht.

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