4x100-Meter
Nach Männer-Sturzdrama: Frauenstaffel erobert EM-Bronze

Auf die deutschen Sprinterinnen ist Verlass. Fünf Tage nach ihrer Silbermedaille im Einzelrennen führt Gina Lückenkemper die Staffel zu Bronze. Die Freude ist aber getrübt, denn nach einem Sturzdrama waren die Männer schon im Halbfinale aus dem Rennen.

Sonntag, 12.08.2018, 22:10 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 12.08.2018, 22:08 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 12.08.2018, 22:10 Uhr
Die deutsche 4 x 100 m Staffel der Frauen gewinnnt bei der Leichtathletik-EM in Berlin Bronze.
Die deutsche 4 x 100 m Staffel der Frauen gewinnnt bei der Leichtathletik-EM in Berlin Bronze. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Vier flotte Frauen und 42.350 Zuschauer jubelten über Staffel-Bronze für Deutschland - dagegen war das Männer-Quartett nach einem Sturzdrama im Halbfinale tieftraurig.

Fünf Tage nach ihrem Silber-Coup im Einzelrennen hat Top-Sprinterin Gina Lückenkemper das DLV-Quartett am Sonntagabend bei der Berliner Leichtathletik-EM über 4x100 Meter erneut aufs Podium geführt. Auch vor zwei Jahren in Amsterdam gab's Bronze.

Lisa-Marie Kwayie aus Berlin, Lückenkemper (Leverkusen), Tatjana Pinto (Paderborn) und Rebekka Haase (LV 90 Erzgebirge) mussten sich im historischen Olympiastadion in 42,23 Sekunden dem siegreichen britischen Quartett (41,88 Sekunden) und den Niederländerinnen (42,15) geschlagen geben. «Wir wollten eine Medaille, sind um unser Leben gerannt, besser geht's nicht», sagte Pinto dennoch überglücklich. «Wir hatten so viel Spaß, das Berliner Publikum hat uns alle beflügelt», fügte Lückenkemper hinzu.

Ein doppelter Sturz schockte am Schlusstag die deutschen Staffelmänner, die beim letzten Wechsel in Führung lagen und das erträumte Finale schon vor Augen hatten. Schlussläufer Lucas Jakubczyk (Berlin) strauchelte nach der Stabübergabe aber und stürzte auf die Bahn. Auch Staffelkollege Julian Reus, der auf Position drei lief und nicht mehr ausweichen konnte, kam zu Fall.

Reus konnte mit Hilfe von Sanitätern den Innenraum auf eigenen Füßen verlassen. «Das ist bitter, weil wir gut im Rennen lagen», meinte der auf Position zwei laufende Mannheimer Patrick Domogala in der ARD. «Das war ein großer Schock für uns», verriet Gina Lückenkemper, die das Sturzpech beim Aufwärmen auf der Leinwand verfolgte.

Lokalmatador Jakubczyk wurde zunächst noch behandelt. Danach konnte auch er aufstehen, humpelte davon und winkte lachend ins Publikum - mit einem Kopfverband wie ein Turban und bandagiertem Knie. «Lucas Jakubczyk ist nach muskulären Problemen im Oberschenkel gestürzt und hat sich eine Platzwunde am Kopf zugezogen», teilte der Leitende Verbandsarzt Andrew Lichtenthal noch vor den Staffelfinals mit. Reus habe sich «eine Schulterverletzung zugezogen». Beide wurden medizinisch versorgt.

Reus musste nach DLV-Angaben danach mit dem Mannschaftsarzt Volker Steger zur weiteren Untersuchung ins Krankenhaus; der Berliner Jakubczyk konnte in Begleitung ins Mannschaftshotel fahren.

Damit ist die Medaillenserie der deutschen Männerstaffeln gerissen: Seit 2010 holten sie immer eine Medaille: Bronze, Silber, Silber und vor zwei Jahren in Amsterdam Bronze. Nun hat ein böser Sturz diese Erfolgsbilanz beendet.

Bei der EM 2016 in Amsterdam waren sogar beide Staffeln noch Dritte geworden. Bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro gab's dagegen gar nichts zu gewinnen - den Frauen mit Pinto, Lisa Mayer, Lückenkemper und Haase fehlten 67 Hundertstelsekunden zur Bronzemedaille. Die Männer wurden im Vorlauf Sechste, nur sieben Hundertstel trennten sie am Ende von Lucky Loser Brasilien - und vom Finale.

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