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Fr., 22.12.2017

Ismail Atalan vergisst seine Wurzeln in Dülmen nicht „Sport kann eine Brücke sein“

Bis zur B-Jugend hat Atalan für die TSG gekickt. „Auch als ich schon in Senden wohnte, haben die mich noch abgeholt“, ist der 37-Jährige für das Engagement noch heute dankbar.

Bis zur B-Jugend hat Atalan für die TSG gekickt. „Auch als ich schon in Senden wohnte, haben die mich noch abgeholt“, ist der 37-Jährige für das Engagement noch heute dankbar. Foto: Hülsheger

Dülmen. Zurück zu den Wurzeln: Fast schon schüchtern betritt Ismail Atalan die Anna-Katharina-Emmerick-Grundschule am Leuster Weg in Dülmen. Dort ist der 37-Jährige, der heute mit seiner Frau und drei Kindern in Senden wohnt, von 1988 bis 1992 zur Schule gegangen.

Von Jürgen Primus

„Da hinten war meine Klasse. Ich war in der C bei Frau Heitkamp“, sagt der Fußball-Trainer, der mit den Sportfreunden Lotte im vergangenen Jahr bis ins Viertelfinale des DFB-Pokals stürmte und erst gegen den späteren Sieger Borussia Dortmund ausschied. „Draußen auf dem Bolzplatz haben wir immer in jeder Pause gekickt“, erinnert sich der gebürtige Kurde. „Heute sind da ja sogar echte Tore“, wundert sich Atalan. „Das gab es bei uns früher nicht. Da waren die Taschen die Pfosten.“
Im Büro von Schulleiter Torsten Büscher schaut sich Atalan weiter neugierig um. „Hier war ich noch nie.“ Kein Wunder. „Als Grundschüler war ich immer sehr lieb. In der Pubertät hat sich das geändert“, gibt Atalan unumwunden zu.
Der Weg des 37-jährigen Sendeners ging in den vergangenen Jahren steil nach oben (siehe Kasten). Aber Ismail Atalan hat seine Wurzeln nicht vergessen. „Ich bin immer noch Ismail Atalan. Charakterlich bin ich derselbe geblieben“, sagt er. „Das muss man sich immer wieder vor Augen führen.“ Denn es sei für ihn immer noch komisch, wenn ihn ehemaligen Nationalspieler wie Andreas Möller, Matthias Sammer oder Mehmet Scholl ansprechen würden. Oder wenn seine Spieler mit Autos im Wert von 320.000 Euro vorfahren. Im Profi-Fußball herrsche eine Ellbogenmentalität, „und der mediale Druck ist enorm hoch.“
Dann erinnert sich der Trainer gerne an seine Wurzeln: Atalan ist nach eigenen Angaben als Kind zu Fuß von der Lehmkuhle zur AKE-Schule oder zum alten TSG-Stadion an der Nordlandwehr gelaufen, um dort bei der TSG Dülmen dem Ball nachzujagen. „Der Sport kann eine echte Brücke zur Integration sein“, betont er. Denn Atalan kam im Alter von fünf Jahren mit seinen Geschwistern und seiner Mutter („Einen Vater gab es nicht“) in ein fremdes Land. „Wir waren zu sechst in einem Zimmer. Das war schwierig.“ Gerade die Sprache sei sehr wichtig für die Integration. Daher ist Atalan auch heute seinen liebevollen Lehrerinnen noch sehr dankbar, dass sie zum einen viel Geduld mit ihm gehabt und zum anderen wichtige Werte vermittelt haben. „Meine Mutter war Analphabetin. Sie konnte uns nicht helfen. Wir hatten nur die Schule und den Sport.“ Noch heute bereue er, dass er im Mathematik-Unterricht bewusst nachgelassen habe, weil er sich vor seinem feststehenden Wechsel nach Senden nicht mehr anstrengen wollte. „Schule ist immer wichtig. Das versuche ich heute auch meinen Kindern zu vermitteln.“

(Was Atalan heute macht und zu seiner Zeit bei der TSG Dülmen sagt, lesen Sie in der Weihnachts-Printausgabe der Dülmener Zeitung sowie im E-Paper.)

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