Prozesse
Anketten, Würgen, Schlagen: Angeklagte über Gräueltaten

Würgen, Anketten, Schlagen, Verbrühen: Die Liste der Misshandlungen, die das Duo anderen Frauen zugefügt haben sollen, ist lang. Stundenlang schildert die Angeklagte ihre eigene brutale Rolle im «Horror-Haus» von Höxter - doch es ist erst der Anfang.

Mittwoch, 30.11.2016, 15:40 Uhr

Anwälte warten in einem Verhandlungssaal.
Anwälte warten in einem Verhandlungssaal. Foto: Patrick Pleul

Paderborn (dpa) - Im Mordprozess um brutale Misshandlungen in Höxter hat die Angeklagte Gräueltaten gegenüber mehreren Frauen im sogenannten «Horror-Haus» geschildert Sie räumte dabei ein, insgesamt fünf Frauen gegenüber selbst gewalttätig gewesen zu sein.

Dem Gericht legte sie eine Liste mit mehr als 70 Arten von Misshandlungsarten vor, die sie oder ihr mitangeklagter Ex-Mann Wilfried W. den Frauen zugefügt hätten. Die Strafen reichten demnach von Schlägen und Beleidigungen über Verbrühungen bis zu stundenlangem Anketten im Schweinestall und Würgen.

Zwei Frauen zu Tode gequält

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden vor, über Jahre hinweg Frauen nach Ostwestfalen gelockt und brutal misshandelt zu haben. Zwei Frauen aus Niedersachsen starben infolge der Quälereien, weitere Frauen entkamen.

Der Fall Höxter

1/9
  • Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist eine 41-jährige Frau wochenlang in einem abgelegenen Haus im ostwestfälischen Höxter gefangen gehalten worden und schließlich an schweren Misshandlungen gestorben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das abgelegene Gehöft wird untersucht, die Ermittler gehen Hinweisen auf weitere Opfer nach.

    Foto: Ingo Schmitz
  • Der Mann hatte nach Angaben der Ermittler in einer Zeitungsannonce nach einer „Frau für eine feste Beziehung“ gesucht. Die 41-Jährige aus Bad Gandersheim in Niedersachsen antwortete und zog den Ermittlungen zufolge kurz nach dem Kennenlernen in das Haus des Mannes in dem kleinen Dorf Bosseborn, das zu Höxter gehört.

    Foto: Marcel Kusch
  • Es soll nicht die erste Annonce des Mannes dieser Art gewesen sein. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Paderborn, Ralf Meyer, sagte, dass der 46-Jährige offenbar schon zuvor mehrfach Partnerschaftsanzeigen geschaltet hatte. Auch hätten sich mittlerweile Frauen bei den Ermittlern gemeldet, die Kontakt zu ihm gehabt haben wollen. Die Ermittler tragen die Fälle aktuell zusammen.

    Foto: Marcel Kusch
  • So ist eine 51-Jährige aus dem Großraum Berlin nach eigenen Angaben mehr als drei Monate lang in dem Haus in Höxter misshandelt worden.

    Foto: dpa
  • Wie es in einer gemeinsamen Mitteilung von Polizei und Staatsanwaltschaft von Mittwoch (4.5.) hieß, war die Frau laut ihrer Aussage von Ende 2011 bis März 2012 in dem Haus festgehalten und von dem beschuldigten Paar körperlich misshandelt worden.

    Foto: dpa
  • Dennoch liegt in dem Fall vieles noch im Dunkeln - vor allem zum Motiv ist noch nichts bekannt. Zudem stellt sich die Frage, warum das Opfer nicht floh. Immer wieder sei die 41-Jährige mit ihren Peinigern auch draußen auf der Straße gesehen worden, erklärten die Ermittler.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das Haus in Höxter ist noch nicht wieder freigegeben, die Polizei wertet weiterhin Spuren aus. Es gebe bislang keine Hinweise auf ein Sexualdelikt, hatten die Ermittler in ihren ersten Stellungnahmen mitgeteilt. Laut Obduktion starb die Frau durch Schläge auf den Kopf.

    Foto: Marcel Kusch
  • Ans Licht gekommen war der Fall, weil das Ex-Ehepaar versucht haben soll, die lebensbedrohlich verletzte Frau zurück nach Bad Gandersheim zu bringen. Auf dem Weg streikte allerdings ihr Auto, erklärten die Ermittler. Weil es der Frau immer schlechter gegangen sei, hätten die Verdächtigen einen Rettungswagen gerufen. Da war es aber offenbar schon zu spät.

    Foto: Marcel Kusch

Am dritten Prozesstag verbarg Angelika W. ihr Gesicht beim Betreten des Gerichtssaals erstmals nicht hinter einer Aktenmappe, sondern zeigte sich den Kameras, wie ihr Ex-Mann Wilfried W. auch. Vor dem Landgericht Paderborn beschrieb Angelika W. ein striktes Bestrafungssystem, dem sich die Frauen beugen mussten.

Bei kleinstem vermeintlichem Fehlverhalten - ein falsches Wort, ein Haar auf dem Küchentisch - sei er ausgerastet, weil er sich missachtet gefühlt habe. Die Frauen hätten schriftlich versichern müssen, sich zu ändern. Als sie dennoch weiter Fehler machten, sei auch Angelika übergriffig geworden.

Angelika W. beschuldigt Ex-Mann

Am Nachmittag befragte das Gericht sie zunächst detaillierter zu der Zeit, als eine Frau aus Magdeburg Ende 2011 für mehrere Monate eingezogen war. Dreiviertel der Gewalttätigkeiten seien damals von Wilfried W. ausgegangen, sagte Angelika. Unter anderem habe er sie mit einer Schaufel geschlagen oder ihr drohend ein Messer an die Kehle gesetzt. Sie selbst habe die Frau unter anderem geschlagen, gewürgt oder im kalten Schweinestall angekettet.

Mehr zum Thema

Bevor die Frau nach einigen Monaten nach Magdeburg zurückkehren durfte, habe sie ein Schriftstück unterschreiben müssen, in dem sie versicherte, dass es nie zu Gewalttätigkeiten gekommen sei.

Was die späteren Opfer mutmaßlich erleiden mussten, dazu soll Angelika W. an den weiteren Prozesstagen Stellung nehmen. Wilfried W. schweigt bislang zu den Vorwürfen. Sein Anwalt hatte Medien gegenüber immer wieder betont, sein Mandant sei nicht die Triebfeder.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4468077?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819389%2F
Nachrichten-Ticker