Klage gegen Tierheim vor Verwaltungsgericht
Richter bewerten Belastung durchs Bellen

Münster/Ottmarsbocholt -

Der Tierschutzverein Lüdinghausen, der in Ottmarsbocholt ein Tierheim betreiben will, sieht sich der Klage eines Nachbarn ausgesetzt. Das Verwaltungsgericht hat zu klären, welche Belastungen mit dem Betrieb einhergehen. Zu einer Entscheidung kam es bei der Hauptverhandlung noch nicht.

Donnerstag, 12.07.2018, 21:53 Uhr

 Im Bereich Hohe Lucht soll ein Tierheim betrieben werden.
Ein Landwirt klagt gegen ein geplantes Tierheim in Ottmarsbocholt, weil er Lärm durch das Bellen der Hunde befürchtet. (Symbolbild) Foto: colourbox.de

Dass ein Hund naturgemäß „auch mal bellt“, sei dem Gericht durchaus bekannt, sagte der Richter mit einer leicht ironischen Note im Ton. Zuvor nämlich hatte die Anwältin des Klägers darum gebeten, diesen Umstand ins Verhandlungsprotokoll aufzunehmen: Im Tierheim wird manchmal gebellt, auch nachts. Das habe der Betreiber in spe zugegeben.

Gericht muss Lärmemission einschätzen

Aber wie viel wird gebellt? Dies ist eine der Fragen zum geplanten Tierheim des Vereins Tierfreunde Lüdinghausen: Wie viel Bellen, also Lärmemission, ist von dem Heim zu erwarten? Der Verein will es im Bereich Ottmarsbocholt im Grenzgebiet zu Nordkirchen, Ascheberg und Lüdinghausen verwirklichen. Ein Landwirt, dessen Hof 325 Meter Luftlinie vom angedachten Tierdomizil entfernt liegt, klagt derzeit am Verwaltungsgericht in Münster gegen den Kreis Coesfeld, der den Bau genehmigt hat. Die Belastungen für ihn seien zu hoch.

Landwirt sieht planungsrechtliche Verstöße

Der Bau sei planungsrechtlich unzulässig. Und ein Emissions-Gutachten, das vor der Genehmigung erstellt worden war, sei „mangelhaft“, ließ der Bauer über die Anwältin wissen. Etwa weil zwei Außenflächen, auf denen Hunde trainiert werden sollen, nicht einbezogen und eine Betriebszeit von 8 bis 22 Uhr angesetzt worden sei. Die sei „unrealistisch“. Nachts bleibe niemand vor Ort, so der Bauer. „Wer beruhigt die Hunde, wenn sie anfangen zu bellen?“

Der Landwirt wohnt in der Nähe der Bundesstraße 58. „Wir können nur nachts von Zwei bis Vier die Fenster öffnen.“ Das Verkehrsaufkommen sei ansonsten zu hoch.

Weitere Streitpunkte

Die Anwältin zog weitere Punkte heran, die den Standort eines Tierheims infrage stellen sollten: Außer Hunden können auch Katzen und Kaninchen im Heim Platz finden. Dann gehe das Gebelle erst recht los, meinte sie. Der Tierschutzverein, bei Gericht vertreten durch seine Vorsitzende, erklärte hingegen, dass die Tierarten nicht direkt beieinander untergebracht würden. Ferner, dass ein Mitarbeiter eine Wohnung auf dem Gelände beziehen werde, so dass auch nachts jemand für die Tiere da sei. Der Bauer wiederum argumentierte über die Juristin gar, dass im Fell der Hunde die Afrikanische Schweinepest „eingeschleppt“ werden könnte.

Auch mit dieser Frage muss sich das Gericht befassen. Es wird den Parteien seine Entscheidung schriftlich mitteilen. In der Regel geschieht dies innerhalb von zwei Wochen.

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