Prozess vor dem Landgericht
Ehepaar wochenlang nachts angerufen

Havixbeck/Münster -

Vor dem Landgericht Münster wurde der Prozess gegen einen 56-jährigen Mann fortgesetzt. Vorgeworfen werden ihm etliche Sachbeschädigungen.

Samstag, 23.06.2018, 20:00 Uhr

Das Landgericht Münster.
Das Landgericht Münster. Foto: Stadt Münster

Zwei oder drei Mal ließ der Anrufer es durchklingeln und legte dann wieder auf. Mitten in der Nacht. Nächtelang. Wochenlang. Der Zweck: Die Angerufenen nicht mehr schlafen lassen. So erlebten ein 69 Jahre alter Mann aus Havixbeck und seine Ehefrau eine ganze Weile „Telefon-Terror“, wie der Mann am Freitag als Zeuge am Landgericht aussagte. Er schilderte, wie das Paar schrittweise Nachstellungen und Sachbeschädigungen ausgesetzt gewesen sei, die die beiden alle ihrem früheren Nachbarn (56) aus Poppenbeck zuschreiben.

Dieser Nachbar, ein ehemals selbstständiger Immobilienkaufmann, ist angeklagt, etliche Sachbeschädigungen im Ort begangen zu haben (wir berichteten). Die Vorwürfe stammen von diversen Leuten in Havixbeck, mit denen der 56-Jährige nach Auffassung der Staatsanwaltschaft jeweils Streit hatte.

Bei dem Paar aus Poppenbeck handelt es sich um die ehemaligen Vermieter. Er sei aus nichtigen Anlässen heraus Aggressionen des Mieters ausgesetzt gewesen, sagte der 69-Jährige: mal sei ein Scheibenwischer am Auto abgebrochen worden, mal die Autoantenne. Blumen im Vorgarten seien die Köpfe abgeschnitten worden, irgendwann habe sein Mercedes nachts in Flammen gestanden. Der Wagen sei danach „schrottreif“ gewesen.

Auch wenn sich der Architekt nicht sicher sein konnte, dass sein Mieter der Verursacher war, sei er trotzdem davon überzeugt gewesen. „Irgendwann waren die Aktionen nicht mehr nur bei mir, sondern in halb oder ganz Havixbeck.“

Mehrere Leute aus dem Ort hätten sich schließlich zusammengetan, schilderte der Zeuge, um eine Art kleine Bürgerwehr zu bilden, um den Mann zu stellen. Zum einen hätten verschiedene Havixbecker, bei denen zum Beispiel Farbschmierereien am Haus auftauchten, den 56-Jährigen als Täter vermutet. Andererseits sei bei einem der nächtlichen Anrufe die Handy-Nummer des Angeklagten im Display angezeigt worden.

Der Beschuldigte weist die Vorwürfe bisher im Wesentlichen von sich. Er bemerkte zu der Aussage des 69-Jährigen am Freitag lediglich nebenbei, dass der wohl „eine große Fantasie“ habe und schüttelte immer wieder den Kopf.

Der Schwiegersohn des Zeugen, selbst Justizangestellter, berichtete als Zeuge, dass der Kontakt mit dem Mieter erst „sehr angenehm“ gewesen sei. „Das war alles Small Talk.“ Aber dann „hat sich das schlagartig gedreht“, so der 47-Jährige. Der Angeklagte habe seine Mietüberweisungen mit Beleidigungen versehen. Die Ehefrau des Zeugen sei von dem Mann verfolgt worden und der auf ihren Wagen absichtlich dicht aufgefahren.

An einem Morgen schließlich habe der Zeuge den 56-Jährigen zur Rede stellen wollen. „Er drehte sich halb um und dann war alles schwarz.“ Er vermute, von dem Mieter niedergeschlagen worden zu sein. Der 47-Jährige habe „eine Gehirnerschütterung und Prellungen“ erlitten. Der Angeklagte indes behauptet, dass er selbst angegriffen wurde.

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