Sexualstraftäter vor Gericht
Babysitter vergeht sich an Kleinkindern

Münster/Tecklenburger Land -

Ein Sexualstraftäter, der praktisch ins Haus geholt wurde – mit dieser Situation sehen sich die Familien von zwei Mädchen aus dem Tecklenburger Land konfrontiert. Sie hatten einen heute 24-Jährigen aus dem Osnabrücker Land als Babysitter engagiert. Der verging sich dann an den Kleinkindern, auf die er aufpassen sollte.

Mittwoch, 20.06.2018, 16:12 Uhr

 
  Foto: dpa

Zum Prozessauftakt am Mittwoch vor der Ersten Großen Strafkammer des Landgerichts Münster ließ der 24-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt, über einen seiner Anwälte mitteilen, dass er die ihm zur Last gelegten Taten begangen habe. Lediglich in einem Detail korrigierte der Verteidiger die Anklage. Dem jungen Mann droht eine langjährige Haftstrafe. Allerdings hatte ihm der Vorsitzende Richter vor dem Geständnis klar gemacht, dass er bei der Urteilsfindung durch das Einräumen der Taten „Pluspunkte“ sammle.

Über Online-Kleinanzeigen engagiert

Die Delikte ereigneten sich 2016 und 2017. Zuvor hatten die Eltern über das Verkaufsportal Ebay nach einem Babysitter gesucht. Der 24-Jährige antwortete auf die Kleinanzeige im Internet und wurde, nachdem man sich kennengelernt hatte, angenommen. Von seinen Taten machte der Angeklagte auch Handyfotos und -videos, die im Zuge einer Durchsuchung sichergestellt wurden. Die Ermittler kamen dem Mann auf die Spur, weil eines der Mädchen daheim entsprechende Andeutungen gemacht hatte und die Eltern die Polizei informierten.

Konsequenzen der Misshandlung noch unklar

Während der Babysitter nach Aussage der Mutter bei diesem Kind nur „vier oder fünf Mal“ war, geht es beim zweiten Opfer um 18 Fälle schweren sexuellen Missbrauchs. Auch die Mutter dieses Mädchens äußerte sich am Mittwoch als Zeugin vor Gericht. Unter anderem schilderte sie, dass sich ihre Tochter auch heute noch – rund ein Jahr nach der letzten Tat – weigere, sich im Intimbereich waschen oder anfassen zu lassen. Die Frage, ob ihr Kind mit längerfristigen Folgen wird kämpfen müssen, habe ein Experte offen gelassen. Es sei noch zu früh, das zu beantworten.

Und sie berichtete, ihre Tochter habe eines Tages erzählt, dass ihr der 24-Jährige „den Popo gestreichelt hat“. Da sei sie hellhörig geworden. Bevor sie jedoch in der Sache selbst aktiv habe werden können, sei sie schon von der Polizei „mit der Geschichte konfrontiert“ worden.

Bei seinen Bemühungen um die Babysitterjobs dürfte dem Angeklagten zugute gekommen sein, dass er bei den Kontakten mit seinen Kunden anführte, dass er umfangreiche Erfahrungen bei der Betreuung von Kindern hatte. Die beiden von den Missbrauchsfällen betroffenen Familien waren laut Gericht nicht die einzigen, bei denen er dank Ebay tätig wurde.

Gericht spricht von "eher ungewöhnlichem Fall"

Der 24-Jährige ist bislang strafrechtlich noch nicht in Erscheinung getreten. Auch aus seinem Lebenslauf ergeben sich keine Besonderheiten, so hatte er bis vor einiger Zeit noch eine Freundin. Der junge Mann hat eine abgeschlossene Ausbildung im medizinischen Bereich und war bis zuletzt fest beschäftigt. Seine Anwälte kündigten vor Gericht an, dass ihr Mandant über Informationen zum Lebenslauf und das Geständnis hinaus keine Angaben mehr machen wolle.

Die beiden Verteidiger waren zu Beginn der Verhandlung mit ihrem Antrag gescheitert, die Öffentlichkeit von dem Verfahren auszuschließen. Das Gericht begründete seine Entscheidung damit, dass es sich bei dem Ebay-Babysitter um einen „eher ungewöhnlichen Fall“ handle, entsprechend hoch sei das öffentliche Interesse zu bewerten.

Der Prozess soll in der kommenden Woche fortgesetzt werden.

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Zum Schutz der Opferfamilien verzichten die WN darauf, nähere Details zu den Personen und Örtlichkeiten zu veröffentlichen.

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