Tierschutz im Münsterland
Verein Fittiche macht hilflose Wildtiere fit für die Freiheit

Warendorf -

Ob vom Rasenmäher angefahrene Igel, aus dem Nest gefallene Jungvögel oder verlassene Kaninchen-Babys: Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ nimmt sie alle in seine Obhut, päppelt sie auf und wildert sie wieder aus - soweit das möglich ist.

Montag, 18.06.2018, 21:00 Uhr

Mit einem gebrochenen Bein wurde der Eichelhäher, der von Spaziergängern auf einem Waldweg gefunden wurde, in die Tierarztpraxis eingeliefert. Um seine Pflege kümmert sich Regina Rottmann.
Mit einem gebrochenen Bein wurde der Eichelhäher, der von Spaziergängern auf einem Waldweg gefunden wurde, in die Tierarztpraxis eingeliefert. Um seine Pflege kümmert sich Regina Rottmann. Foto: Joke Brocker

Krakeelend und offensichtlich sehr hungrig sperrt der kleine Eichelhäher den Schnabel auf. Keine Frage, dem Patienten geht es besser. Und als Regina Rottmann ihn, genau wie seine tierische Mitbewohnerin, eine junge Dohle, mit 1a-Hühnerherzen füttert, scheint das gebrochene Beinchen, das, fachmännisch geschient, in einem dicken Verband steckt, vergessen zu sein.

Im Sinne des Tieres und des Artenschutzes

Warum der Eichelhäher-Nestling auf dem Waldboden lag, wo ihn Spaziergänger fanden und vor dem sicheren Tod bewahrten, indem sie ihn in die Obhut des Vereins „Fittiche e.V. – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ gaben? Darüber lässt sich nur spekulieren. Gut möglich, dass eine Sturmböe den kleinen Kerl aus dem Nest geweht hat. Ein Schicksal, das in diesem Frühling besonders viele Jungvögel ereilt hat. „Bei den Stürmen sind sie aus den Nestern gefallen, und auch viele Ästlinge hat es einfach weggeweht“, berichtet Sven Geske. Der Grafiker aus Ennigerloh ist zweiter Vorsitzender des vor einem Jahr gegründeten Vereins „Fittiche“, der sich um die medizinische Versorgung von Wildtieren, deren Pflege, Fütterung und Auswilderung kümmert. Geske ist vor allem für Organisatorisches, die Öffentlichkeitsarbeit und die Verteilung der Spendengelder und Sachspenden zuständig, auf die der zurzeit 30 Mitglieder zählende Verein angewiesen ist.

Verein Fittiche

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  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker
  • Der Verein „Fittiche – Wildtier- und Exotenhilfe Münsterland“ kümmert sich um hilflose Wildtiere, deren Pflege und Auswilderung. Foto: Joke Brocker

Tierärzte mit an Board

Die Warendorfer Tierärztin Dana Ströse gehört als Expertin für exotische und wilde Tiere dem aus Tierärztinnen, Biologen und Zootierpflegern bestehenden Fachbeirat an. Allein im vergangenen Jahr hat sie in ihrer Praxis mehr als 1000 Wildtiere behandelt. Auf Dauer sei es nicht leistbar, die Behandlung so vieler Tiere aus der Privatschatulle zu bezahlen, sagt sie. Allein die Futterkosten für ein Rehkitz betrügen 150 Euro in den ersten beiden Lebenswochen. Ströse begrüßt daher den Zusammenschluss von Einzelpersonen, Verbänden und Vereinen, darunter die „Igelhilfe Münsterland“ und „Stadttauben Münster“, die Kräfte und Erfahrungen bündeln und sich gegenseitig bei der Pflege ihrer Schützlinge beraten und unterstützen. Und vor allem kompetente Ansprechpartner für die Finder solcher Wildtiere sind. Auf der Suche nach Unterstützung suchten die Finder oftmals Tierheime auf, die aber häufig gar nicht auf Wildtiere und Exoten eingestellt seien.

Gearbeitet werde im Sinne des Tieres und des Artenschutzes, betont die Tierärztin. Der Beirat lege die Pflege der tierischen Patienten fest, organisiere und kontrolliere die Pflegestellen, die Fütterung und auch die Form der Auswilderung.

Aufpäppeln für die Auswilderung

Der Erstkontakt läuft über die Tierarztpraxis an der Freckenhorster Straße, Hauptgeschäftsstelle des Vereins, dessen Vorsitzender Nico Schmitz aus Selm und dessen Kassenwart Uwe Wittkemper aus Wadersloh ist. Jeder tierische Patient wird dem Beirat vorgestellt, jeder Fall eingehend erörtert. Und nicht immer gibt es für die Patienten ein Happy End. „Es gibt Grenzen“, sagt Dana Ströse, „manchmal müssen Tiere auch euthanasiert werden.“ Diese Entscheidung treffe eine Ethik-Kommission, bestehend aus Tierärzten.

Alle medizinisch versorgten Patienten werden bis zur Auswilderung in die Obhut erfahrener Päppler gegeben. So kümmert sich Esther Hüsemann aus Emsdetten um Drosselvögel und als Mitglied der Igelhilfe Münsterland um die stacheligen Patienten. Immer häufiger muss die gebürtige Warendorferin Igel pflegen, die nachts unter die Messer von Rasenmäherrobotern geraten sind und sich dabei schwer verletzt haben.

Von Allroundern und Spezialisten

Ricarda Peters, aktiv im Verein „Stadttauben Münster“, sei eine echte Koryphäe, wenn es um Tauben oder Möwen gehe, findet Dana Ströse. Die Nottulnerin pflegt Jungtauben, die aus den Nestern gefallen sind oder deren Eltern abgeschossen wurden. Sie versorgt an Standesämtern „vergessene“ Hochzeitstauben oder Brieftauben, die nie gelernt haben, nach Futter zu suchen und deshalb zu verhungern drohen. Regelmäßig liegen auf Dana Ströses OP-Tisch Katzen, Dohlen, Enten oder eben Tauben, denen bleihaltige Diabolo-Geschosse aus den Körpern operiert werden müssen.

Regina Rottmann aus Gütersloh ist die Allrounderin im Team. Die vierfache Mutter verfügt über langjährige Erfahrung im Päppeln von Mauerseglern, Amphibien, Singvögeln, Fledermäusen und Hasen. Einer ihrer Pfleglinge ist ein Mauersegler, dem sie regelmäßig Heimchen in den Schnabel schiebt. Der scheue Vogel, der das Gros seines Lebens in der Luft verbringt, dort sogar schläft, muss noch einiges an Gewicht zulegen, ehe er wieder gen Himmel fliegen darf.

Wer in die Natur eingreift, muss ihr auch helfen

Einen besonders anstrengenden Job hat Petra Brühl. Als gelernte Hebamme sei sie geradezu prädestiniert für das Aufpäppeln kleiner Säugetiere, findet Dana Ströse. Und so versorgt die Warendorferin zurzeit rund um die Uhr acht winzige Kaninchen, die Unwetter und Katzen-Attacken überlebt haben. Anders als bei Vögeln, die ebenfalls im Soft-Release-Verfahren ausgewildert werden, gilt für Wildkaninchen ein Sonderrecht. Sie können nicht in freier Natur, sondern nur in umzäunten Geländen oder mit Sondergenehmigung ausgewildert werden.

Jenen, die das Engagement der „Fittiche“ für überflüssig halten und der Ansicht sind, die Natur helfe sich schon selbst, hält Dana Ströse entgegen: „Wenn der Mensch an so vielen Stellen so negativ in die Natur eingreift, muss er an anderer Stelle helfen.“ Es sei eine ethische Verpflichtung, Tieren zu helfen: „Wenn man eine Kreatur leiden sieht, muss man helfen.“

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