Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus
Münsters Fit-Macher gegen Rechts

Münster -

Was sagen, wenn der AfD-Mann im Rat pöbelt? Was tun, wenn rechte Ultras in der Nachbarschaft demonstrieren? Wie reagieren, wenn der alte Bekannte grundlos ge­gen Ausländer hetzt? Gute Fragen, keine leichten Antworten. Die mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Münster will Betroffenen aus der Hilflosigkeit holen.

Montag, 18.06.2018, 08:00 Uhr

Heiko Klare und Christina Möllers von der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk.
Heiko Klare und Christina Möllers von der mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk. Foto: Wilfried Gerharz

„Viele fühlen sich in einer solchen Situationen hilflos“, sagt Heiko Klare von der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Münster. Und das ist leider keine gute Ausgangsbasis für Widerrede und Ge­genhalten.

Die Beratungsstelle wurde vor zehn Jahren gegründet; ansässig ist sie in Münster, symbolträchtig platziert in der Villa ten Hompel, einem Gedenkort für die Verbrechen von Polizei und Verwaltung in der NS-Zeit. Ihre Aufgabe ist zweigeteilt: Dokumentieren auf der einen Seite, informieren auf der anderen. In NRW gibt es in jedem Regierungsbezirk eine solche Anlaufstelle; finanziert werden sie von Bund und Land.

Aktive Neonazis – das ist die gute Nachricht – gibt es im Münsterland wahrnehmbar nicht mehr. Im Kreis Warendorf existierte mal eine Zelle, auch im Kreis Steinfurt: „Das aber ist seit ein paar Jahren Geschichte“, sagt Klares Kollegin Christina Möllers. Der Repressionsdruck von Staat und Gesellschaft war groß, die vermeintlichen Erfolge klein: Die führenden Köpfe zogen weiter. Nach Hamm, Dortmund, Aachen, wo die Kameradschaften groß und lebendiger sind.

Die Grenze des Sagbaren verschiebt sich nach rechts

Andererseits sind extrem rechtes Denken und pauschale Fremdenfeindlichkeit mit der Flüchtlingskrise offener zutage getreten. Mit zwei Folgen: Rechtspopulisten wie die AfD ziehen in immer mehr Räte und Parlamente ein, gleichzeitig verschiebt sich die Grenze des Sagbaren immer weiter nach rechts. Offenkundig ist: Diejenigen, die damit konfrontiert sind – Rats- und Kirchenvertreter, Lehrer, Mitarbeiter von Sportvereinen, Gewerkschaften, Wohlfahrtsverbände wie Caritas und Co. – „fühlen sich einer solchen Debatte oftmals nicht gewachsen“, sagt Klare.

Was nicht wirklich verwundert, denn die Strategie der extremen Rechten ist es, Diskussionen zu verschärfen und zu radikalisieren sowie Aggression zu entfesseln. Auf einem solchen Nährboden aus Hass und Wut verlieren sich rationale Argumente schnell.

Menschen „handlungssicher“ machen

„Uns geht es darum, Menschen, die zu uns kommen, handlungssicher zu machen“, sagt Möllers. Indem ihnen die Eskalations- und Schlagwort-Strategie der extremen Rechten erklärt wird. Indem ihnen Argumentationshilfen an die Hand gegeben werden. Indem ihnen Mittel und Wege aufgezeigt werden, die Gegenseite auf die Sachebene zu zwingen – und so eine rhetorische Waffengleichheit zu erlangen. „Wir haben keine Pauschallösung in der Tasche“, sagt Klare. Aber schon ein paar praktische Hilfen.

Und die sind immer häufiger gefragt. Rund 150 Veranstaltungen bieten Klare, Möllers und ihre Kollegen Michael Sturm und Anna-Lena Herkenhoff jährlich an. Knapp 100 Mal werden sie darüber hinaus pro Jahr von Menschen kontaktiert, die sich fit machen wollen für der Auseinandersetzung mit extremen Rechten.

Zwar sind die in den vergangenen Jahren präsenter geworden. Aktiv öffentlich sind aber auch immer mehr derjenigen, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen, sagt Möllers. Zu denen zählen im Münsterland übrigens sehr viele Konservative, CDU- und Kirchennahe. Das spiegelt nicht zuletzt die Tatsache, dass die AfD in der Region kaum Fuß fassen konnte.

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