Diskussionsrunde der SPD in Wolbeck
WLE-Trasse bleibt ein Zankapfel

Münster -

Die geplante Reaktivierung des Zugverkehrs auf der WLE-Trasse erhitzt im Südosten Münsters weiter die Gemüter. Das wurde bei einer SPD-Veranstaltung deutlich.

Mittwoch, 13.06.2018, 13:10 Uhr

Sollen künftig Nahverkehrszüge auf der WLE-Trasse zwischen Sendenhorst und Münster fahren, hier bei einer Probefahrt nahe der Loddenheide? Bei einer von der SPD organisierten Diskussionsrunde gab es dazu viele kritische Stimmen.
Sollen künftig Nahverkehrszüge auf der WLE-Trasse zwischen Sendenhorst und Münster fahren, hier bei einer Probefahrt nahe der Loddenheide? Bei einer von der SPD organisierten Diskussionsrunde gab es dazu viele kritische Stimmen. Foto: Burkhard Beyer/Benjamin Scholz

Die Diskussion war lebhaft, bisweilen hitzig. Und die Fronten scheinen verhärtet zu sein zwischen den Gegnern und Befürwortern der WLE-Bahnstrecke zwischen Sendenhorst und Münster. Dennoch blieb die Debatte bis auf wenige Ausnahmen sachlich.

SPD-Ratsherr erntete lauten Widerspruch 

Moderiert von SPD-Ratsherr Mathias Kersting, diskutierten bei der von SPD veranstalteten Diskussion im Schulzentrum in Wolbeck auf der einen Seite der SPD-Ratsherr Dr. Michael Jung, auf der anderen Dr. Lars Ostermeyer von der Bürgerinitiative (BI) gegen die Reaktivierung der Trasse.

Immer wieder erntete Jung lauten Widerspruch der Zuhörer, er versuchte ruhig und argumentativ dagegen zu halten. Dies erweckte im Publikum jedoch den Eindruck, der SPD-Ratsherr nehme die Sorgen und Befürchtungen der Trassen-Gegner nicht ernst.

"Ich bin entsetzt über die SPD"

„Ich bin eine Genossin und ich bin entsetzt über die SPD“, schimpfte eine Dame aus dem Publikum. In der Folge war Jungs Bemühen um etwas weniger Schärfe in der Debatte augenscheinlich.

„Das Busnetz in Münster ist an der Grenze seiner Auslastungsfähigkeit“, lautete die Devise Jungs. Münster sei die deutschlandweit einzige Stadt mit über 300 000 Einwohnern, die lediglich über ein Bussystem verfüge. Er verwies auf Positivbeispiele aus ganz Deutschland und Studien sowie Gutachten, die für eine Reaktivierung der Bahntrasse sprächen.

Kontrahenten lieferten sich Schlagabtausch

Genau an diesen Studien und Gutachten störte sich dagegen sein Kontrahent. Ostermeyer stellte mehrfach die Richtigkeit der Untersuchungen in Frage und zog die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens in Zweifel: „Man versucht mit Gewalt, das Ganze wirtschaftlich zu rechnen.“ Jung hielt Ostermeyer mehrfach entgegen, dass er sich auf nicht mehr aktuelle Zahlen und Studien berufe.

Mehr als einmal musste Ostermeyer außerdem eingestehen, mit Behauptungen falsch gelegen zu haben. Andere Befürworter der Trasse warfen dem BI-Vertreter vor, keine Alternative zur Wiederbelebung des Bahnverkehrs zu haben.

Debatte um Aspekt der Arbeitsmodelle erweitert

Gleichwohl gelang es Ostermeyer, einen interessanten weiteren Aspekt in die Debatte einzuführen.

„Wir können das Wachstum nicht uneingeschränkt erhöhen“, so Ostermeyer. Stattdessen sei eine Verkehrsreduzierung und Dezentralisierung notwendig. Neue Arbeitsmodelle mit einem Schwerpunkt auf Heimarbeit könnten eine Antwort auf den drohenden Verkehrsinfarkt sein.

Aus Sicht der SPD – das machte Jung am Ende der knapp zweistündigen Debatte deutlich – kann die Reaktion darauf aktuell jedoch nur die Wiederbelebung der WLE-Trasse sein. Jung versprach allerdings, die geäußerten Sorgen hinsichtlich der neuen Linienführung der Buslinie 8 ebenso in die politische Debatte einfließen zu lassen wie die Kritik daran, dass auf der neuen Strecke voraussichtlich Züge mit Diesel-Antrieb fahren sollen – und das ausgerechnet in Zeiten von möglichen Fahrverboten.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5816203?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker