Serie: Was ich immer schon mal machen wollte
Mitten unter den Delfinen

Pläne gibt es vielleicht viele, Träume auch. Aber warum nicht einfach mal das machen, was man eigentlich immer schon mal machen wollte? Die WN-Redaktion hat sich daran gemacht, die eigenen Wünsche Wirklichkeit werden zu lassen.

Sonntag, 27.05.2018, 12:00 Uhr

Zu wenig Spucke auf den Gläsern? Bei der Tour ums Riff beschlägt die Tauchermaske.
Zu wenig Spucke auf den Gläsern? Bei der Tour ums Riff beschlägt die Tauchermaske. Foto: Michael Baar/Simsim

Der Tag beginnt nicht gut. Um 5.30 Uhr sollte Abholung am Hotel sein. Eine gute Viertelstunde später taucht der Chauffeur auf. Eine halbe Stunde später, kaum sind wir an Bord, werden die Leinen eingeholt. Das Boot nimmt Kurs auf die offene See. Am späten Nachmittag ist allen Gästen eines gemein: Strahlende Gesichter. Kein Gedanke mehr an den mühsamen Start in den Tag. Die Delfine haben für einen Endorphin-Tsunami gesorgt.

Einmal mit Delfinen schwimmen und schnorcheln. Warum nicht? Auf dem Oberdeck sorgt der Fahrtwind für eine angenehme Abkühlung. Eine gute Stunde sind wir unterwegs, jetzt tut sich was. Das Boots-Team hat Ferngläser vor den Augen, sucht den Horizont ab. Aufgeregtes Geplapper auf Arabisch. Das damit verbundene Handzeichen gibt die Richtung vor. Alle Augen wenden sich nach halbrechts vorne. Da – die erste Finne taucht aus dem Meer auf. Zwei, drei, vier, fünf – viele weitere folgen. Delfine!

Im weiten Bogen vor die Tiere

Ruckzuck ist das Schlauchboot gelöst, fährt langsam hinter die Schule (so nennt man eine Herde oder ein Rudel Delfine). Der Kapitän gibt Gas, fährt im weiten Bogen vor die Tiere. Aus dem Schlauchboot wird per Handzeichen deren Richtung signalisiert.

Wenn es soweit ist, müsst ihr alle schnell ins Wasser.

Kapitän

„Wenn es soweit ist, müsst ihr alle schnell ins Wasser.“ Diese Satz des Führers hat vor 15 Minuten dafür gesorgt, dass jetzt alle mit Tauchermaske, Schnorchel, Flossen und im Neopren-Anzug hinten auf der niedrigen Plattform des Schiffes stehen. Der Motor stoppt. „Ins Wasser!“ Im Sekundentakt platscht es, spritzen Wassertropfen auf das Unterdeck. Drei Guides sorgen dafür, dass die Gruppe zusammenbleibt.

Die Meeressäuger nähern sich neugierig

„Stopp“, ruft einer. Langsam lassen wir uns im Wasser treiben. Die Augen nach unten gerichtet. Ein paar Korallen sind zu sehen, dazwischen Sand am Meeresboden. Was ist das? Langsam gleitet ein Schatten vorbei: ein Delfin! Ach was, nicht nur einer. Wir sind mitten in der Schule. Links neben mir, rechts, unter mir – wohin das Auge blickt ziehen die Meeressäuger langsam vorbei. Der Blick aus ihren Augen ist unbeschreiblich friedlich. „Wer seid ihr denn?“, scheinen sie eine Frage und Neugierde auszudrücken.

Anfassen verboten

Man möchte die Hand ausstrecken, und einen der eleganten Schwimmer streicheln. „Die Delfine bitte nicht anfassen!“ Dieser Satz hallt in meinem Kopf wieder, gesprochen bei den Informationen zu Beginn der Tour. „So nah kommt man doch gar nicht ran“, hatte ich gedacht. Denkste! Die Delfine sind vorbei. Wir blicken uns an. Kopf über Wasser, Schnorchel aus dem Mund. „Hast Du das gesehen?“ „Wie nah die waren!“ – „Sie kommen zurück“, ruft ein Guide. Mundstück rein, Kopf runter. Tatsächlich, da kommen die Flipper uns entgegen. Majestätisch langsam, uns immer noch neugierig betrachtend. Sie drehen sich, kehren zurück und geben dann Gas. „Zurück ins Boot“, ruft einer der Führer die Gruppe zusammen.

Flipper holt eine Muschel vom Meeresgrund

Über die Heckleiter geht es wieder an Bord. Maske hoch, Flossen ausziehen. „Anlassen“, rät ein Gast, der zum x-ten Mal mit Simsim diese Tour unternimmt. „In ein paar Minuten sind wir wieder im Wasser“, verspricht er. So ist es. Die Zeit hat nicht gereicht, auch nur die ersten Eindrücke auszutauschen. „Ins Wasser“, kommt das Kommando. Rein, schwimmen, treiben lassen. Da sind sie wieder. Ich komme mit dem Zählen nicht nach. Über ein Dutzend Delfine sind es, die neben und unter uns schwimmen, ihre Kapriolen machen.

Ein Flipper hat sich vom Meeresgrund eine Muschel geholt, trägt sie auf seiner Schnauze zur Wasseroberfläche, lässt sie los. Langsam trudelt das Kalkgebilde nach unten. Ein anderer Delfin schnappt sie sich, balanciert sie auf der Schnauze wieder nach oben.

Etwas tiefer reibt ein anderer Meeressäuger seine Haut an einem Korallenstock. Juckreiz? Nein, Hautpflege, Parasiten werden so abgestreift, erklärt mir ein Führer später.

Ich kann mich nicht sattsehen an diesen eleganten Tieren, deren Augen so intelligent blicken.

Autor

Zurück an Bord. Die Fahrt geht weiter. Ein Korallenriff ist das Ziel. Doch vorher geht´s noch mal über Bord, weil eine weitere Delfin-Schule unseren Kurs kreuzt. Ich kann mich nicht sattsehen an diesen eleganten Tieren, deren Augen so intelligent blicken.

Ein Riffhai liegt auf dem Grund

Am Riff angekommen, muss eine Entscheidung getroffen werden. Eine kurze Runde oder außen rum? Ich wähle die lange Tour und bin eine knappe Stunde später ziemlich außer Atem. Einen guten Kilometer im offenen Meer – bei zum Glück sanfter Dünung – schwimmen, schlaucht ganz schön. Doch die dabei gesammelten Eindrücke bleiben im Kopf haften. Bunte Korallenstücke, vor denen Myriaden von kleinen Fischen ihre Bahnen ziehen. Ein Riffhai, der auf dem Grund liegt und zu schlafen scheint. Ihn sehen, die Kamera zücken und auf den Auslöser drücken, ist eine fließende Bewegung. Moment mal, ein Hai? Zum Glück nur ein kleiner, vielleicht einen guten halben Meter lang.

Hurghada in Sicht

Mittagspause. Das Simsim-Team hat im Salon aufgefahren. Fünf, sechs verschiedene Salate, Reis, Nudeln, Hähnchen- und Rindfleisch, Antipasti, Obst und Nachtisch. Nach der Riff-Runde schmeckt alles vorzüglich. Es bleibt Zeit für einen kurzen Moment der Entspannung. Dann geht es weiter.

Sechs Mal sind wir im Wasser gewesen, weil das Team Delfine entdeckt und uns ganz behutsam an sie herangeführt hat. Plus zwei Schnorchel-Aufenthalte an Riffs. Die Sonne brennt erbarmungslos vom Himmel. Die Luft scheint zu stehen. Langsam kommt Hurghada in Sicht. Dort, in dem Urlaubsort am Roten Meer in Ägypten, sind wir gestartet. Kurz bevor wir anlegen kommt Samir aufs Schiff. Der gebürtige Ägypter, in Deutschland aufgewachsen, erklärt uns in perfektem Deutsch die Philosophie seines Unternehmens. „Wir respektieren die Delfine und ihren Lebensraum.“ So lässt es sich zusammenfassen, so haben wir es erlebt.

Nicht alle respektieren die Delfine

Dass es auch anders geht, mussten wir kurz vor Ende unserer Tour erleben: Drei Boote versuchen, eine Delfin-Schule einzukreisen. Lautes Geschrei, aufheulende Motoren. Schließlich ist ein Kreis gebildet. Deren Passagiere springen ins Wasser. Delfine sehen sie nicht mehr. Die sind unter einem Boot durchgetaucht. Aus der Ferne sind nur noch ihre Rückenflossen zu sehen.

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