Vereine zur neuen Grundverordnung
Das neue Kreuz mit den Daten

Lüdinghausen -

Die neue Datenschutz-Grundverordnung der EU betrifft nicht nur Unternehmen, sondern auch Vereine. Und bei diesen sorgt sie für einen enormen Arbeitsaufwand und bereitet den Verantwortlichen auch Sorgen. Es bestehen auch noch einige Unklarheiten. „Müssen wir jetzt Einverständniserklärungen für Bilder einholen, die wir für die Zeitung von den Mitgliederehrungen machen?“, fragt zum Beispiel Georg Tenvorde, Geschäftsführer von Union Lüdinghausen.

Mittwoch, 23.05.2018, 10:00 Uhr

Aufgepasst: Die Veröffentlichung von Daten und Fotos auf einer Vereins-Website bedürfen nun einer schriftlichen Einverständniserklärung des betreffenden Mitglieds.
Aufgepasst: Die Veröffentlichung von Daten und Fotos auf einer Vereins-Website bedürfen nun einer schriftlichen Einverständniserklärung des betreffenden Mitglieds. Foto: dpa

EU-DSGVO – der Titel einer neuen, diesmal europaweiten Superstarsuche im deutschen Fernsehen? Nein, das Buchstabenungetüm ist die bürokratische Abkürzung für die „Datenschutz-Grundverordnung der EU“. Ab dem 25. Mai, also diesen Freitag, bekommen es nicht nur Unternehmen, sondern auch die Vereine mit ihr zu tun. Diese müssen nicht nur, wie bisher, die Daten ihrer Mitglieder schützen, sondern dies nun auch dokumentieren.

„Das bereitet uns Zahnschmerzen“, sagt Georg Tenvorde, Geschäftsführer von Union Lüdinghausen. „Es muss schriftlich fixiert werden, welche Daten wann weitergegeben werden und auch in den vergangenen Jahren weitergegeben wurden.“ Das könne man nicht von heute auf morgen erledigen, so Tenvorde. „Das wird ein immenser Aufwand.“

Lehrgänge

Dieser wird bei den Schwarz-Roten auf mehrere Schultern verteilt. Zwei Union-Mitarbeiter besuchen eigens Lehrgänge, um sich mit den mit der EU-DSGVO verbundenen Bestimmungen vertraut zu machen, sagt der Union-Geschäftsführer. Er selbst mache als Bankmitarbeiter selbst einen Lehrgang, von dem er als Unionist natürlich auch profitiere. Eine der EU-Vorgaben: „Wir müssen einen Datenschutzbeauftragten benennen, der kein Amt bei Union bekleiden darf.“ Dennoch ist den Unionisten noch einiges unklar: „Müssen wir jetzt Einverständniserklärungen für Bilder einholen, die wir für die Zeitung von den Mitgliederehrungen machen?“, fragt Tenvorde.

Auch Michael Oestermann, Vorsitzender der Struckgemeinschaft, treibt die neue Verordnung Sorgenfalten auf die Stirn: „Wir sind dadurch in unserer Vereinsarbeit außerordentlich behindert. Wir müssen uns auch fragen, ob etwa Geburtstage sensible Daten sind.“ 255 Mitglieder seien zurzeit in der Interessengemeinschaft, deren Daten müssten „durchforstet“ werden. „Das ist ein erheblicher bürokratischer Aufwand“, klagt Oestermann. Daten würden ja schon erhoben, wenn man einem Mitglied Blumen für ein Jubiläum überreiche.

Die Foto-Frage

Die neue Richtlinie beträfen nicht zuletzt die Bilder von der Vereins-Website. Denn: Von jedem dort abgebildeten Mitglied benötigt die Struckgemeinschaft nun eine schriftliche Einverständniserklärung. „Insgesamt kommen wir damit wohl auf drei, vier volle Tage“, so Oestermann über den gesamten Arbeitsaufwand. Das betreffe vor allem Kassierer und Schriftführer.

Auch Thomas Hohenlöchter bereitet die Datenschutzverordnung nicht gerade Freude. „Ein Verein wird heutzutage immer mehr zu einem Kleinunternehmen“, sagt der Vorsitzende des Schützenvereins Brochtrup-Westrup. „Wir stellen ja auch Daten ins Internet und haben eine Website, die wir ständig pflegen.“ Doch Hohenlöchter hat grundsätzlich auch Verständnis: „Wir können und wollen uns nicht verschließen.“ Man könne als Vereinsvorstand ja auch selbst „in eine Falle gehen“, etwa wenn Fotos von der Vereins-Website kopiert und durch eine Veröffentlichung andernorts missbraucht würden. „Da gehen locker zehn bis 15 Stunden drauf, wenn man es richtig machen will“, so Hohenlöchter über den Arbeitsaufwand mit Einarbeitung in die Gesetzestexte, Vorbereitung und technische Umsetzung. Was dem Schützenvorstand zusätzlich Sorge bereitet: „Für Abmahnanwälte entsteht durch die neue Verordnung natürlich ein Riesenmarkt.“

Bei Fortuna Seppenrade ist Stephanie Knaup, stellvertretende Schatzmeisterin der Schwarz-Gelben, mit der Umsetzung der EU-DSGVO betraut: „Das ist eine Menge Arbeit, die auf mich zurollt – allein schon die ganzen Gesetzestexte. Ich bin ja nur ehrenamtlich beschäftigt und keine Juristin.“ Knaup findet es richtig, dass man mit Daten vernünftig umgeht, vor allem natürlich mit Kontodaten. Aber ich weiß nicht, ob es geahndet werden muss, wenn man ein Foto von einer Mitgliederehrung veröffentlicht – vor allem bei kleineren Vereinen.“

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