Wachstum und Sorgen bei Coppenrath & Wiese
„Eine positive Klemme“

Mettingen/Westerkappeln -

Kann Markterfolg zu groß, kann Wachstum zu rasant sein ? Ja, könnte sein ... Bei Coppenrath & Wiese deutet sich so eine für Unternehmen eher ungewöhnliche und irgendwie doch ein wenig ungemütliche Situation an: „Es ist eine positive Klemme“, so formuliert es Andreas Wallmeier, Cowi-Geschäftsführer, ganz geschickt.

Freitag, 27.04.2018, 14:57 Uhr

Die Produktion bei Coppenrath& Wiese läuft aktuell auf Hochtouren.
Die Produktion bei Coppenrath& Wiese läuft aktuell auf Hochtouren. Foto: Cowi

Am Bau – Cowi investiert bekanntlich insgesamt 120 Millionen Euro und erweiteret die Produktion beträchtlich – läuft alles rund: „Das macht uns keine Kopfschmerzen“, sagt Wallmeier. Schon im August des kommenden Sommers 2018 wird im Neubau die erste Produktionslinie für Brötchen und Blechkuchen in Betrieb gehen. Eine weitere Linie (auch Brötchen) soll zeitnah ab dem 2. Quartal 2019 laufen.

Damit wären zirka 50 Prozent der gigantisch großen 21 000 Quadratmeter Nutzfläche des Neubaus ausgelastet. Der Rest ist vorbereitet für den Aufbau einer weiteren Konditorei- und zwei weiterer Brötchen-Produktionslinien. „Wir haben trotz hohen Termindrucks zeitlich alles eingehalten und auch die Kosten sind im Rahmen“, sagt Wallmeier.

Und eigentlich läuft es auch im zweiten Bereich, auf den der Cowi-Chef schaut, recht rund: Personal. Sagenhafte 500 neue Jobs entstehen durch die Ausweitung der Produktionskapazitäten bis zum Jahr 2019. „Das ist die Zahl an neuen Mitarbeitern, die wir für den bislang geplanten Endausbau brauchen“, sagt Wallmeier.

Rund 100 dieser Stellen sind bereits besetzt: „Und wir stellen im Augenblick etwa 50 neue Mitarbeiter in jedem Monat ein“, sagt Wallmeier. Damit soll es gelingen, bis zum Sommer 2018 (siehe oben: Produktionsstart neue Brötchenlinie) insgesamt 250 neue Mitarbeiter so einzuarbeiten, dass alles rund laufen kann.

Andreas Wallmeier ist sehr optimistisch, dass das gelingen wird. Doris Brüggemeyer und Manfred Hagen (Betriebsrat) sehen das ähnlich: „Kriegen wir hin !“

Absatz besser als geplant

So weit – so gut. Fast... Denn jetzt kommt das, was man sich scheuen würde, als Problem zu bezeichnen, was aber dennoch eines ist oder werden könnte: Cowi liegt weit über Plan. „Unser Absatz ist sehr gut, wir verkaufen jetzt schon deutlich mehr, als wir geplant haben“, sagt der Geschäftsführer.

Und weil das alles in Zahlen schwierig darzustellen ist, versuchen wir genau das mal: Im Schnitt – über alle mehr als 600 Produkte gerechnet – liegt Cowi mit fünf Prozent plus vor Plan. „Vor allem der Verkauf der Marke ist überproportional gut“, deutet der Coppenrath & Wiese-Chef an, das sich verstärkte Bemühungen in Sachen TV-Werbung oder auch in sozialen Medien auszuzahlen scheinen.

Die Dimension der Produktion bei Cowi in Mettingen wird deutlich, wenn man weiß, dass pro Jahr um die 230 Millionen Packungen hergestellt werden, 150 000 Tonnen süße Leckereien verlassen das Werk. Wenn alle Stufen der Produktionserweiterung fertig sind, werden es sogar 160 000 Tonnen sein.

Mangel an Personal

Wie erfreulich der Absatz aktuell auch sein mag, de facto entsteht dadurch ein Mangel an Personal. Es fehlen mit Blick auf produzierte Menge und Verkauf rechnerisch etwa 100 Mitarbeiter. Oder anders formuliert: Es ist ordentlich Druck auf dem Kessel ... Denn diese rechnerisch fehlenden 100 Mitarbeiter kommen zu den 250 hinzu, die per se schon bis zum Sommer 2018 benötigt werden. Der Arbeitskräftemarkt in der Region ist jedoch leer gefegt – „äußerst eng“, nennt Wallmeier das.

Und so müssen andere Lösungen her. Die Belegschaft wurde kürzlich bei der Betriebsversammlung schon gebeten, daran mitzuarbeiten, diese „Personallücke“ zu schließen. Dazu gehört der reflexartige aber arbeitgeber-typische Hinweis aus der Chefetage, dass der Krankenstand deutlich zu hoch ist – selbst wenn das einer Grippewelle geschuldet ist.

Viel wichtiger ist, dass bei Cowi schon seit dem Jahr 2007 das innerbetriebliche Verbesserungsprogramm „Conditions“ erfolgreich läuft. Qualität und Kostenstruktur sind im Blick, auch das Thema Automation spielt eine sehr große Rolle. „Wir wollen versuchen, das Personalproblem teilweise dadurch zu lösen. Und wir binden die Mitarbeiter dabei ein“, sagt Wallmeier.

Konkreter erklärt das die Betriebsratsvorsitzende Doris Brüggemeyer: „Die Mitarbeiter gehen ja mit offenen Augen durch den Betrieb, sie sind vor Ort am Band. Wir brauchen ihre Verbesserungsideen in Sachen Automatisierung.“ Druck erzeugen in Sachen Mehrarbeit indes ist keine Lösung: „Das gibt es hier auch nicht“, sagt Betriebsrat Manfred Hagen.

Das ist Cowi

► Mitarbeiter: 2850 (2650 bei Cowi in Mettingen; 200 bei der 100-prozentigen Tochterfirma, der Spedition Overnight mit Sitz in Osnabrück

► Umsatz in 2017: 420 Millionen Euro (+5 %); 2018 erwartet über 440 Millionen Euro

► Umsatz mittelfristig: jährlich plus 5% geplant; Ziel 2022: 500 Millionen Euro

► Exportanteil: 25% in über 30 Länder weltweit

► Produkte: knapp 600

► Einkauf: rund 1000 verschiedene Materialien

► Produzierte Menge (gesamt; nach Fertigstellung der neuen Produktionslinien in 2019): 160 000 Tonnen; ab 2019 circa fünf Millionen „Goldstücke“-Tiefkühlbrötchen täglich.

...

So hoffen nun bei Cowi Geschäftsleitung und Betriebsrat einmal mehr im Einklang, dass die „Personalprobleme“ aus eigener Kraft gelöst werden können.

Der rasant wachsende Verkaufserfolg soll schon im Juni weiter befeuert werden: Dem dem Beirat solle in seiner Juni-Sitzung vorgeschlagen werden, aus dem Gesamt-Investitionspaket 15 Millionen vorzuziehen und sie schon dann in eine weitere Konditorei-Liniezu stecken, sagt Wallmeier. Auch soll eine weitere Brötchen-Line gebaut werden, die im I. Quartal 2019 in Betrieb gehen könnte. „Ich hoffe auf ein ,Go‘.“

Das alles zusammen katapultiert Coppenrath & Wiese in neue Dimensionen: Auch wenn diese Zahlen schon berichtet wurden, hier sind sie nochmal: 420 Millionen Euro Umsatz hat Cowi 2017 gemacht. Bis 2022 will man – und wird man wohl auch – in jedem Jahr um fünf Prozent Umsatz und damit im zweitstelligen Millionenbereich wachsen. 500 Millionen Euro – eine halbe Milliarde – darauf läuft es hinaus.

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