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Di., 17.04.2018

Besuch bei Jos de Bruin Wie böse ist der Wolf?

Der europäische Grauwolf ist auf dem Vormarsch. In Tierparks gibt es ihn schon lange – wie hier im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum

Der europäische Grauwolf ist auf dem Vormarsch. In Tierparks gibt es ihn schon lange – wie hier im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum Foto: Gunnar A. Pier

Haltern - 

Kaum jemand hat hierzulande jemals einen Wolf in der Natur gesehen – dennoch ist der „Isegrim“ inzwischen mehr als ein fabelhafter Bösewicht im Märchen: Von Osteuropa aus breitet er sich mehr und mehr Richtung Westen aus. Wie böse ist er? Ein Besuch bei einem, der Wölfe liebt.

Von Gunnar A. Pier

Es klingt kurios, was Jos de Bruin da behauptet: „Je wilder der Wolf ist, desto besser ist es für den Menschen.“ Seit 25 Jahren zieht der gebürtige Niederländer Wölfe auf und hat dabei die Erfahrung gemacht: Wenn ein Wolf dem Menschen zu sehr vertraut, ihn vielleicht gar als Seinesgleichen akzeptiert, kann er ihm erst recht gefährlich werden. „Ich liebe Wölfe“, sagt er. Doch er sieht auch die Konflikte, die der Wolf mitbringt, wenn er sich in Deutschland wieder ansiedelt.

Kaum jemand hat hierzulande jemals einen Wolf in der Natur gesehen – dennoch ist der „Isegrim“ inzwischen mehr als ein fabelhafter Bösewicht im Märchen: Von Osteuropa aus breitet er sich mehr und mehr Richtung Westen aus. Selbst in Nordrhein-Westfalen werden in schöner Regelmäßigkeit Wölfe gesichtet und mit dem Handy unscharf fotografiert. Landwirte sind alarmiert und fordern, das Problem zu lösen. Schließlich reißen Wölfe mitunter ihre Tiere.

Ist der Wolf so böse wie sein Ruf? Besuch im Naturwildpark „Granat“ in Haltern-Lavesum. Jos de Bruin öffnet die Gittertür zum 2800 Quadratmeter großen Wolfsgehege. Aus dem Dickicht erscheinen die beiden grau-braunen europäischen Grauwölfe. de Bruin spielt kurz mit ihnen, dann spendiert er jeweils ein totes Huhn und die Tiere verschwinden wieder.

Ein ängstliches Tier

„Der Wolf ist ein total ängstliches Tier“, erklärt der Wolfs-Flüsterer. Zu ihm haben diese beiden Tiere Vertrauen, aber sobald ein anderer Mensch in der Nähe ist, werden sie skeptisch. Der schlechte Ruf rührt daher, dass der Wolf ein Jagdtier ist. Einst hatte er es auf wilde Tiere abgesehen, jagte Rehe über die Wiesen und fing meistens kranke oder alte Tiere, um sie zu fressen.

Heute findet der Wolf halt gerne mal Nutzvieh, Schafe zum Beispiel. „Wir sind das nicht mehr gewohnt“, erklärt de Bruin. Deshalb sieht er die Konflikte. „Je mehr Wölfe hier leben, desto größer werden die Probleme.“ Doch für ihn, den Wolfs-Fan, ist das kein Grund, die Tiere abzuschießen: „Ich liebe Wölfe, ich möchte, dass sie hier schon nächste Woche wieder leben.“

„Hunde sind mir zu domestiziert.“

Seit 25 Jahren dreht sich das Leben des 53-Jährigen um die Wölfe. „Hunde sind mir zu domestiziert.“ Deshalb gründete er eine Wolf-Auffangstation, mit der er mittlerweile nach Sonsbeck bei Wesel umgezogen ist. Oft sind es Tierparks, die ihn anrufen, sobald Junge geboren wurden. Wenn für mehr Tiere die Gehege nicht ausreichen, holt de Bruin die Welpen, manchmal nur ein paar Tage alt, ab und zieht sie mit der Flasche groß.

Fotostrecke: Gutachten zum Wolf in Westfalen vorgestellt

Für immer wild

„Aber sie bleiben scheu“, sagt der Fachmann. Und sie sind für immer wilde Tiere – mit all den Gefahren. „Hunde bleiben immer juvenil. Wildtiere werden aber erwachsen.“ Wenn sie dann Menschen als Artgenossen akzeptiert haben, wird es heikel. „Irgendwann sagt der Wolf: Jetzt bin ich mal der Chef.“ Den Revierkampf kann der Mensch – rein körperlich – nur verlieren.

Anderthalb Kilo Fleisch pro Tag

Im Naturwildpark „Granat“ geht es an diesem Tag friedlich ab. Seit 2010 leben die beiden Grauwölfe hier, geboren wurden sie in einem ähnlichen Park in Springe. Jos de Bruin hat sie groß gezogen, jetzt ist er zweimal pro Woche in Haltern-Lavesum. „Das sind eigentlich wilde Tiere, die brauchen keine Pflege“, ist seine Erfahrung. Unterhaltungsprogramm wie für andere Zootiere ist nicht nötig: „Wölfe sind faul.“ Zwischen anderthalb und zwei Kilogramm Fleisch fressen sie am Tag: Hühner, Wild. Und manchmal fangen sie auch selbst Tauben und Wildkaninchen, die sich in ihre Revier verlaufen haben. Wildtiere eben.

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