Spargelanbau: Wer nicht aufpasst, setzt viel Geld in den Sand
„Pflanzen brauchen gute Pflege“

Ladbergen -

Henner Erpenbeck ist keiner, der ohne sein Handy nicht sein kann. Trotzdem gilt einer seiner ersten Blicke an jedem Morgen dem Display. Da ist keine Nachricht von der Liebsten zu sehen. Der Mann kommuniziert mit den Feldern seiner Familie. Auf denen liegen viele Quadratmeter Folie. Darunter wächst das, wonach Feinschmeckern in jedem Jahr von Anfang April bis zum Johannistag im Juni der Sinn steht: Spargel. Eine App zeigt ihm, basierend auf vielen Messstationen in verschiedener Tiefe, ob es Asparagus officinalis (so der lateinische Name des Gewächses) darunter angenehm warm hat.

Sonntag, 15.04.2018, 18:00 Uhr

Die zwei kennen sich aus mit Spargel und dem Anbau der Leckerei: Corinna Milfeit und Henner Erpenbeck präsentieren die ersten frischen Stangen vom Gut-eigenen Feld.
Die zwei kennen sich aus mit Spargel und dem Anbau der Leckerei: Corinna Milfeit und Henner Erpenbeck präsentieren die ersten frischen Stangen vom Gut-eigenen Feld. Foto: Sigmar Teuber

Mit der Folie ist das so eine Sache. Viele Menschen, sagt Henner Erpenbeck, verstünden nicht, warum Jahr für Jahr große Flächen derart abgedeckt würden, dass sie im Sonnenlicht wie riesige Seen wirkten. Dabei, sagt der Fachmann, habe das gute Gründe: „Folien im Spargelanbau sind nützlich für die Gesellschaft, die Anbauer, Klima und Natur.“

Wie das? „Wir können nur dann früh heimische Ware zu einem vernünftigen Preis und in bester Qualität anbieten, wenn wir Folie einsetzen“, erklärt Erpenbeck. Statt im März und Anfang April Ware aus Südeuropa oder Südamerika zu importieren. Das sei gut für die Umwelt. „Für die Produktion von Spargel zum Beispiel in Peru werden 40 Prozent mehr Wasser benötigt und durch den Transport bis zu zwölf mal so viel COverbraucht als bei der Erzeugung in Deutschland.“

Durch die Abdeckung mit Folie, so Henner Erpenbeck weiter, komme der Spargel früher in Blüte und sei für Wildinsekten und Honigbienen eine wertvolle Nahrungsquelle. Die mehrfach übereinander liegenden Folien, die zur Wärmeregulierung unterschiedlich kombiniert werden können, schützten die Spargeldämme auch vor Wind und Unkraut. Dadurch müssten weniger Herbizide eingesetzt werden.

Das Argument, es werde Plastikmüll produziert, zieht für den Experten nicht. „Spargelfolien werden bis zu zwölf Jahre lang genutzt“, sagt er. Anschließend werden sie fachgerecht verwertet und beispielsweise zu Müllbeuteln verarbeitet. Die Folie ist lebensmittelecht und sortenrein und somit ein wertvoller und begehrter Rohstoff.

Genug der Folien-Philosophie. Wie kommt das, was darunter ist, eigentlich vom Feld auf den Teller? Auch auf diese Frage hat Henner Erpenbeck natürlich eine Antwort. Allerdings: „Erst einmal muss aus einem Rhizom, einem unterirdisch wachsenden Sprossenachsensystem, ja Spargel werden“, schmunzelt er. Vom Ausbringen des Erdsprosses bis zur ersten Ernte vergingen Jahre, in denen das Gewäschs wie ein Baby gehegt und gepflegt werden müsse.

„Wir sprechen vom Pflanzjahr, dem Standjahr und dem ersten Ertragsjahr“, macht Erpenbeck deutlich. Die Spargeldämme dürften nicht zu locker und nicht zu fest sein. zu wenig Wasser sei nicht gut, zu viel schon gar nicht. Fast, als wären die Spargelstangen kleine Diven. Dazu kämen Unwägbarkeiten wie die Witterung („Die Eisheiligen können alles verderben“) und Schädlinge („Wir konnten eine Invasion der Spargelfliege diesmal gerade noch aufhalten“). Alles das könne dazu führen, dass Spargelbauern, die mit dem Geld für das Rhizom in Vorlage gehen müssten, tausende Euro buchstäblich in den Sand setzen könnten.

Ist der Spargel endlich erntereif, ist Fingerspitzengefühl gefragt. „Er wird mit zwei Fingern freigelegt und in etwa 25 Zentimeter Tiefe gestochen. Die Helfer dürfen dabei nicht ins Rhizom stechen. Anschließend werden die Löcher vorsichtig wieder verschlossen“, erklärt Henner Erpenbeck. Der Humus-haltige Boden seiner Felder sorge dafür, dass der Spargel „extrem schmackhaft“ sei, habe aber auch einen Nachteil: „Er geht beim Waschen und Schälen schlecht ab“. Gewissenhafte Kontrollen und das Nacharbeiten von Hand seien notwendig.

Dafür, dass der Spargel vom Gut Erpenbeck zügig „auf den Teller“ kommt, sorgen nach Auskunft des Junior-Chefs Helfer – vorwiegend aus Polen – die seit vielen Jahren regelmäßig auf das Gut kommen. Sie erhalten einen „Mindestlohn-basierten Akkordlohn“, so Henner Erpenbeck. Waage und Scanner erfassen die Erträge, die jeder Einzelne täglich abliefert.

Im eigenen Hofladen sowie auf Märkten und an anderen Verkaufsstellen landet der Erpenbecker Spargel nach wenigen Stunden. Gourmets honorieren offenbar dieses Engagement. „Wir haben überwiegend Stammkunden“, freut sich Henner Erpenbeck. „Die warten schon früh darauf, dass die ersten Stangen verkauft werden.“

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