Unterwegs mit dem Pflegedienst
Der Patient steht im Vordergrund

ASCHEBERG -

„Ich bin hier!“ schallt es munter aus dem Badezimmer, als Marion Müller die Wohnungstür aufschließt. Die Altenpflegerin wird schon erwartet.

Freitag, 13.04.2018, 20:00 Uhr

Kleine Gesichtsmassage gefällig? Die Pflege führt Marion Müller liebevoll durch! Rollladen hochziehen, Betten machen, auch diese Dinge erledigt Marion Müller neben der Pflege noch schnell mit.
Kleine Gesichtsmassage gefällig? Die Pflege führt Marion Müller liebevoll durch! Rollladen hochziehen, Betten machen, auch diese Dinge erledigt Marion Müller neben der Pflege noch schnell mit. Foto: tani

„Ich bin hier!“ schallt es munter aus dem Badezimmer, als Marion Müller die Wohnungstür aufschließt. Auf dem Gesicht der Altenpflegerin zeichnet sich ein Lachen ab. „Frau H. macht noch ganz viel selber“, erzählt sie und begibt sich mit einem fröhlichen „Guten Morgen“ ins Badezimmer. Da ist es gerade einmal 6.40 Uhr, Marion Müller jedoch ist schon mittendrin in ihrem Arbeitsalltag. Die Nacht ist früh zu Ende, „um vier Uhr stehe ich auf“, sagt sie. Um 5.30 Uhr ist sie dann los. Nachdem sie ihre Hunde versorgt und „meinen Kaffee getrunken hat.“

Ihr Beruf ist vielfältig und genau das liebt sie! „Denn ich darf mit Menschen zusammenarbeiten.“ Natürlich ist da jeder unterschiedlich, ebenso individuell gestalten sich dann auch ihre Aufgabenbereiche. „Frau H. beispielsweise ist in der Pflege-Betreuung, will heißen wir sind beim Waschen und Anziehen behilflich“, verrät die Aschebergerin, die übrigens zunächst Arzthelferin gelernt, dann von 1991 bis 1994 eine Ausbildung zur Krankenschwester absolviert hat, bevor sie sich 1998 mit Gertrud Vorspohl selbstständig gemacht hat.

Die Anforderungen sind im Laufe der Jahre gewachsen, die Patienten werden mehr, „deshalb haben wir nun in Ascheberg einen zweiten Standort eröffnet“, erzählt Müller, während sie Frau H. liebevoll das Gesicht eincremt. Während die alte Dame auf dem Weg in die Küche ist, zieht die Altenpflegerin noch schnell die Jalousien hoch, macht das Bett und kontrolliert die Tablettenvorräte. Im Esszimmer greift sie dann zu einer Mappe, „die Bürokratie lässt grüßen“, sagt sie. Eine Aufgabe, die erledigt sein will, „und viel Zeit frisst.“ Aber der MDK kontrolliert diese Dokumentationen genauestens. Für Müller und ihr Team jedoch steht der Patient im Vordergrund. „Das die Menschen mit denen wir arbeiten zufrieden sind, dass ist unser wichtigstes Anliegen“, legt sie die Mappe beiseite, nachdem sie die notwendigen Eintragungen vorgenommen hat. Anschließend verabreicht sie noch Augentropfen, richtet ein paar nette Worte an Frau H., bevor sie sich verabschiedet.

„Für die Pflege ist eine halbe Stunde vorgesehen, aber ganz so genau nehmen wir es

nicht, wenn wir merken, dass ein Patient auch mal mehr Zeit benötigt – schließlich arbeiten wir mit Menschen“, unterstreicht Müller. Ihr nächster Kunde liegt vis a vis. Auch hier wird die Helferin gut gelaunt empfangen. Herr R. benötigt jedoch nur eine Behandlungspflege, sein Bein muss gewickelt werden. Auch beim nächsten Patienten, Herrn E., steht eine Behandlungspflege an, wie auch bei Frau B. Diese war auch einmal Altenpflegerin und kennt ebenso wie Marion Müller alle Seiten des Berufes. „Früher war vieles schwerer, da gab es noch nicht so viele Hilfsmittel“, sind sich beide einig. Auch dass sie für sich selbst etwas tun müssen, ist nicht von der Hand zuweisen. „Unsere Rücken- und Bauchmuskeln müssen wir schon trainieren“, geben beide zu. Logisch, der Job, den Marion Müller verrichtet, ist nicht unbedingt ein Spaziergang. Morgens früh raus, mittags ein bisschen Pause, ab 15.30 Uhr beginnt die Spätschicht. Und wenn da Bedarf ist, fährt die Chefin auch beide Touren am Tag. „Da bin ich dann auch mal der Notnagel“, nimmt sie es optimistisch. Auf ihr Team ist sie stolz. „Wir ziehen alle an einem Strang und jeder guckt auch über den Tellerrand. Ohne solch ein Team wäre diese Arbeit gar nicht möglich“, zollt sie ihren Mitarbeitern ein dickes Lob. Ein Beruf übrigens, der Spaß macht. Ein Studium ist dafür nicht nötig, wohl aber Feingefühl und die Fähigkeit sich auf Menschen einzustellen. Denn die Altenpfleger arbeiten nicht nur mit älteren Menschen, sondern beraten auch die Angehörigen. Und auch da ist jeder individuell verschieden.

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