Politisches Kabarett mit Christoph Tiemann
„Die Damen retten die Kleinkunst“

Ladbergen -

Freuen durften sich diejenigen Besucher, die für eine Veranstaltung der Kulturbühne Eintrittskarten ergattert hatten. Wenn nicht, hätten sie nach wohl einhelliger Meinung der Gäste mit der Vorstellung von Christoph Tiemann ein politisches Kabarett verpasst, dessen bitterböse und schwarzhumorige Spitzen im beschaulichen Heidedorf eher selten zu hören sind.

Freitag, 09.03.2018, 22:38 Uhr

Stocherte in vielen Wunden der Gesellschaft: Christoph Tiemann nahm das politische Geschehen ebenso aufs Korn wie den Fernsehkonsum der Menschen.
Stocherte in vielen Wunden der Gesellschaft: Christoph Tiemann nahm das politische Geschehen ebenso aufs Korn wie den Fernsehkonsum der Menschen. Foto: Anne Reinker

Freuen durften sich diejenigen Besucher, die für eine Veranstaltung der Kulturbühne Eintrittskarten ergattert hatten. Wenn nicht, hätten sie nach wohl einhelliger Meinung der Gäste mit der Vorstellung von Christoph Tiemann ein politisches Kabarett verpasst, dessen bitterböse und schwarzhumorige Spitzen im beschaulichen Heidedorf eher selten zu hören sind. „Angriffslustig“ ist nicht nur der Name des Programms, ebenso angriffslustig gab sich Christoph Tiemann. Vor allem die nationalsozialistische Denkweise bekam eine volle Breitseite ab.

Wie zuvor schon Ingo Kielmann, Sprecher der veranstaltenden Marketing-Initiative „Nu män tou“, machte auch Christoph Tiemann auf den internationalen Frauentag aufmerksam. „Die Damen sind es, die die Kleinkunst retten und ihre Männer dafür vom Sofa holen“, lobte der Kabarettist die Besucherinnen. „Angriffslustig“ kündigte er für die kommenden zwei Stunden viele „böse, unflätige Wörter“ an.

Zum Einstieg nahm er den Ort aufs Korn. Im Ladberger Wappen entdeckte er neben den Bienchen statt zarter Seerosenblättern „überfahrene Herzen“. Und: Was bedeute es denn, dass das Heidedorf im Jahr 950 erstmals urkundlich erwähnt worden sei? „Vielleicht war das eine Reisewarnung des auswärtigen Amtes“, gab Tiemann zu bedenken.

„Der Spaß ist vorbei“, konstatierte der Künstler in Bezug auf den Vormarsch der AfD, den „Arschgeigen für Deutschland“. Die diskutierten „Parallelgesellschaften“ müssten nichts Schlimmes sein, befand er. Schließlich sei in NRW zu sehen, dass „der farbenfrohe Zugvogel der fünften Jahreszeit gut neben dem Faultier in der Savanne des Münsterlandes, das in einer Symbiose mit dem Fahrrad lebt, existieren kann“. Das „robuste Urvieh im sauerländischen Delta der Flüsse Veltins und Krombach, dass sich zur Zeit der Schützenfeste paart“ geselle sich dazu. „Die Viecher leben friedlich nebeneinander her“, sagte Tiemann, und fragte: „Warum ist das nicht auch bei den Menschen möglich?“

Mit den „Bildungsverlierern“, den vorgeführten Kandidaten bei verschiedenen Fernsehformaten der Privatsender, wechselte Christoph Tiemann in die amüsantere Schiene und zeigte recht eindrucksvoll, welche Wirkung „Ordnungspornos“ wie „Auf Streife“ und „Blaulichtreport“ auf ihn haben.

Ob klare Kampfansage an Rechtsextreme oder amüsante Anekdoten über „die Onkel Willi`s dieser Welt“: Christoph Tiemann fand die Zustimmung des Ladberger Publikums, das ihn nicht ohne Zugaben von der Bühne ließ.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5579339?categorypath=%2F2%2F62%2F798625%2F819239%2F
Nachrichten-Ticker