Prozess: Mann soll bewusstlose Frau missbraucht haben
Was passierte nach Drogenkonsum?

Lengerich/Münster -

War eine Frau nach dem Konsum von Kokain zeitweise hilf- und bewusstlos? Und hat das ein Mann ausgenutzt, um sie sexuell zu missbrauchen? Diese Fragen stellen sich dem Landgericht Münster. Angeklagt ist ein 33-Jähriger aus Lengerich.

Mittwoch, 21.02.2018, 18:11 Uhr

 
  Foto: dpa

Es war ein Zusammentreffen mit weitreichenden Folgen: Weil sie darüber verärgert war, dass man schlecht über sie sprach, erhoffte sich eine 39-jährige Frau von einem Treffen mit einem ihr flüchtig bekannten 33-Jährigen aus Lengerich Näheres über die Hintergründe des Geredes. Am 3. Juli 2016 trafen sich beide in einem Beherbergungsbetrieb. Es wurde nicht nur kommuniziert, sondern auch Kokain konsumiert, das der Mann mitgebracht hatte. Deshalb kam es im darauffolgenden Dezember vor dem Amtsgericht Tecklenburg zu einem Verfahren wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Doch dabei sollte es nicht bleiben: Seit Dienstag verhandelt die 9. Große Strafkammer am Landgericht Münster, weil eine Anklage wegen sexuellen Missbrauchs gegen den Mann vorliegt.

Der Hintergrund: Nach der Beweisaufnahme ging das Amtsgericht Tecklenburg davon aus, dass die Frau nach dem Drogenkonsum zeitweilig bewusstlos war. Das soll der Angeklagte ausgenutzt haben, um die Frau sexuell zu missbrauchen. Sollte das Landgericht zu der Überzeugung kommen, dass das stimmt, droht dem 33-Jährigen eine längere Haftstrafe.

Aussage des Angeklagten

Fest steht, dass es in dem Motel zum Beischlaf kam. Und fest steht auch der Kokainkonsum. Der Angeklagte betonte zum Prozessauftakt, dass die Frau zu keinem Zeitpunkt gesagt habe, sie wolle nicht. „Ich habe, nachdem es ihr schlecht ging, keine sexuellen Handlungen an ihr vorgenommen.“ Die 39-Jährige habe zwar apathisch dagesessen, sei aber immer bei Bewusstsein gewesen. Als sie gesagt habe, sie wolle nach Hause, habe er ihr das wegen des Drogen- und auch Alkoholkonsumiert nicht erlaubt. Und einen Krankenwagen habe er nicht gerufen, weil er in Sorge gewesen sei, dass dann auffliege, dass auch er Drogen genommen hatte.

Zwei Versionen

Als die Frau im Zeugenstand das Geschehen aus ihrer Sicht schilderte, wurde schnell deutlich, dass beide Versionen nicht zusammenpassen. Es passiere nichts, was sie nicht wolle, soll der 33-Jährige zunächst gesagt haben. Doch dann habe er im Zimmer begonnen, sie zu küssen und sie schließlich aufs Bett geworfen. Sie habe den Mann erst noch gebeten, aufzuhören, irgendwann aber ihren „Widerstand“ eingestellt und alles mitgemacht, obwohl sie im Hinterkopf immer gehabt habe, dass sie das nicht tun könne.

"Ich hatte Angst zu sterben"

Auf die Frage des Richters, warum sie den Mann irgendwann gewähren ließ, antwortete die Frau, sie habe gehofft, doch noch etwas zu erfahren. Wie die Zeugin weiter schilderte, sei es ihr nach dem Drogenkonsum sofort mulmig geworden. Erbrechen, Durchfall und ein schwacher Kreislauf seien die Folgen gewesen. „Ich habe mich ins Bett gelegt und hatte Angst, dass ich sterbe.“ Der Angeklagte habe keinen Notarzt rufen wollen, sie stattdessen geschüttelt und wach gemacht.

Zur Tankstelle geflüchtet

Obwohl es ihr kalt gewesen sei und sie gezittert habe, soll der Angeklagte sie ausgezogen, geküsst und intim berührt haben. Zeitweise sei sie „ohne Bewusstsein“ gewesen. Als sie wieder zu sich gekommen sei, sei ihr klar geworden, dass der Angeklagte Sex mit ihr gehabt hatte. „Ich wollte nur raus, habe um mein Leben gekämpft und gefleht, einen Notarzt zu rufen.“ Wenn sie zur Tür wollte, habe der 33-Jährige sie jedoch zurückgehalten. Irgendwann sei es ihr aber gelungen, aus dem Zimmer zu kommen. Hilfe habe sie in einer nahe gelegenen Tankstelle bekommen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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