Fr., 21.04.2017

Sendener Pascal Kösters hat viel Gewicht verloren 147 Kilo „Frust“ abgespeckt

Kaum vorstellbar: Pascal Kösters hat in knapp zwei Jahren 147 Kilo abgespeckt. Damals brachte er zuletzt lebensbedrohliche 267 Kilo auf die Waage. Heute hat der alleinerziehende 40-Jährige einen Ein-Euro-Job als Hausmeister im Jugendhaus Vivo.

Kaum vorstellbar: Pascal Kösters hat in knapp zwei Jahren 147 Kilo abgespeckt. Damals brachte er zuletzt lebensbedrohliche 267 Kilo auf die Waage. Heute hat der alleinerziehende 40-Jährige einen Ein-Euro-Job als Hausmeister im Jugendhaus Vivo. Foto: sff/privat

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Arbeitslosigkeit, Trennung von seiner Frau und andere Probleme warfen Pascal Kösters 2011 aus der Bahn. Den Kummer fraß er sich an. Seit seiner Magenverkleinerung im Mai 2015 hat er sein Gewicht von 267 Kilo auf 120 Kilo reduziert.

Von Siegmar Syffus

Er ist alles andere, als ein „schmales Handtuch“. Mit 1,82 Meter und 120 Kilo ist Pascal Kösters ein stattlicher Münsterländer – ein „g`standenes Mannsbild“, wie man in Bayern sagen würden. Doch man sieht dem 40-jährigen Sendener nicht an, dass er bis vor zwei Jahren 267 Kilo auf die Waage brachte – ein Gewicht das sein Leben bedrohte.

Verschäfte Lebenssituation

„Ich habe früher viel Sport gemacht und wog Mitte 20 etwa 105 Kilo“, erinnert sich Kösters. Mit 33 legt er während der Schwangerschaft seiner Frau „so um die 15 Kilo“ zu und behielt diesen „Babyspeck“ dann über Jahre. Soweit war gewichtsmäßig alles im Lot – bis die Beziehungsprobleme wuchsen und in die Trennung von seiner Lebensgefährtin mündeten. Arbeitslosigkeit und zusätzliche persönliche Sorgen verschärfen die Lebenssituation.

„Ich habe mich damals aus der Welt zurückgezogen und den Frust in mich hineingefressen – erst einen Teller Nudeln, dann zwei drei Teller oder fünf Tüten Chips“, erzählt Kösters. Er habe die Kontrolle über das Essen komplett verloren und sich von Mitte 2011 bis Anfang 2015 über 140 Kilo „angefressen“. „Ich konnte kaum noch laufen, hatte Knieprobleme. Und nach 20 Metern war die Puste weg“, beschreibt der Sendener seinen damaligen Zustand.

Schließlich habe es bei ihm „klick“ gemacht, erzählt er. Auf Anraten eines Freundes entschloss er sich, seinen Magen verkleinern zu lassen. Allerdings nicht allein aus gesundheitlichen Gründen: „Meine Triebfeder war: Ich wollte für die Kinder wieder fit werden, um ihnen ein richtiger Vater sein zu können“, berichtet der Alleinerziehende.

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Ich wollte für die Kinder wieder fit werden, um ihnen ein richtiger Vater sein zu können.

Pascal Kösters

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Krankenkasse bezahlt OP

Nach drei Monaten in einer Selbsthilfegruppe in Dülmen und einem psychologischen Gutachten genehmigte die Krankenkasse die Operation im Adipositas-Zentrum in Ibbenbüren. Dort wurde Kösters Magen im Mai 2015 um 80 Prozent verkleinert.

„Im ersten Monat nach der OP habe ich fast 40 Kilo abgenommen. Das war ein absolutes Hochgefühl. Ich musste mir die Uhr stellen, um das Essen nicht zu vergessen“, schildert der Sendener den Beginn eines „komplett neuen Lebensabschnitts“.

Nach vier Monaten war er in der Lage, langsam zehn Kilometer weit spazieren zu gehen. „Als ich am Anfang mit den Kindern unterwegs war, musste ich mich zwischendurch immer wieder ausruhen.

Doch irgendwann, nach einigen Monaten, war es mein Sohn, der sagte: ,Papa, lass‘ uns Pause machen.‘ Das war ein Glücksmoment - und wenn man sieht, dass die alten Klamotten viel zu groß geworden sind“, lächelt Kösters, der Mitte 2016 auch wieder ins Berufsleben eingegliedert werden konnte und zurzeit in einem Ein-Euro-Job als Hausmeister für den Ökumenischen Jugendtreff im Jugendhaus Vivo arbeitet.

Trotz vieler Glücksmomente und einer Ernährungsumstellung lasten auch heute noch Schatten der Vergangenheit auf Kösters Leben. „Durch die Magenverkleinerung kann mein Körper Vitamin B 12 nicht mehr selbst aufnehmen. Ich brauche regelmäßig Spritzen und muss täglich Vitamin- und Mineraltabletten einnehmen. Das wird lebenslang so bleiben“, erzählt der 40-Jährige.

Zuversicht für die Zukunft

Durch die extreme Magenverkleinerung sei der Appetit stark eingeschränkt, so dass er nicht in normaler Weise an einem gemeinsamen Essen mit anderen teilnehmen könne. „Manchmal bin ich schon nach der Vorspeise satt“, sagt er.

Das bedrohliche Übergewicht sei zwar weg, aber das Leben laufe trotzdem nicht in ganz normalen Bahnen: „Da fällt man zwischendurch immer wieder in eine Depri-Phase“, räumt Kösters ein, zumal irgendwann noch eine weitere OP zur Entfernung der zurückgebliebenen Hautfalten anstehe - wenn die Krankenkasse es genehmigt.

Trotzdem blickt der Sendener zuversichtlich in die Zukunft: „Mein Ziel ist es, auf 100 Kilo zu kommen“, sagt er selbstbewusst. Die Kraft dafür schöpfe er nicht zuletzt aus seinen Kindern, denen er jetzt wieder ein „richtiger Vater“ ist.

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