Fr., 21.04.2017

Hofbrennerei Schulze Rötering Suche nach dem Gin des Lebens

Brennmeister zwischen glänzenden Kesseln: Martin Schulze Rötering betreibt eine Hofbrennerei in Ahlen. Jetzt produziert er auch Gin.

Brennmeister zwischen glänzenden Kesseln: Martin Schulze Rötering betreibt eine Hofbrennerei in Ahlen. Jetzt produziert er auch Gin. Foto: Gunnar A. Pier

Ahlen - 

„Ihr könnt keinen Gin“, sagte der Engländer, den Martin Schulze Rötering neulich bei einer Messe traf. Dann probierte der Engländer den Gin aus Ahlen – und für den stolzen Insulaner aus dem Land, das den Gin für sich gepachtet glaubt, stürzte ein Weltbild zusammen. Die Münsterländer können Gin. Und in Ahlen sind sie stolz.

Von Gunnar A. Pier

Der Hof Schulze Rötering ist uralt und verweist gerne auf die lange Tradition. Alleine die Schnapsbrennerei feiert gerade den 250. Geburtstag. In solch rustikalem Ambiente vermutet man eher deftigen Weizenkorn, Kräuterschnaps und einen alt­hergebrachten Wacholder. Gibt es auch bei Schulze Röterings – aber eben auch mehr. Mit viel Leidenschaft widmet sich die Familie, die sonst von Spargelzucht, Hofcafé und Weizenanbau lebt, der Brennerei. Noch ist es ein Hobby, das immerhin internationale Preise einfährt – und sich irgendwann auch rechnen soll.

Der Korn der Ahnen

Einst wurde auf dem Land an jeder Ecke Schnaps gebrannt. 34 Brennereien habe es alleine in Sendenhorst ­gegeben, berichtet Martin Schulze Rötering. Dem Korn seiner Ahnen sagte man nach, dass er besonders mild sei. Dem Grund dafür ging Schulze Rötering in seiner Abschlussarbeit nach, als er sich in Berlin zum Brennmeister ausbilden ließ. Analysen ergaben, dass das milde Wasser in seiner Region einen Anteil daran hat – und der geringe Methanol-Gehalt den Gebräus. Davon gibt es glücklicherweise noch steinalte Proben, die analysiert werden konnten.

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Eine längst vergessene Brenntechnik

Daraus entstand die Idee für einen Neustart. Schulze Rötering orientierte sich an Aufzeichnungen seines Urgroßvaters, als er eine neue Brennerei plante. Ziel: so wenig Methanol im Endprodukt wie irgend möglich. „Wir nutzen eine Brenntechnik, die längst vergessen war.“ So sehr, dass der frisch gebackene Brennmeister zunächst keine Firma fand, die die Anlage bauen will. Am Ende machte es ein Betrieb vom Bodensee – der Ahlener musste unterschreiben, dass er weiß, dass sie nicht funktionieren kann.

Doch sie funktioniert. Heute produziert der Hof sein eigenes Weizen-Feindestillat, das Ausgangs­produkt verschiedener Spirituosen ist. So gibt es unter anderem ­Feigen-Likör, Korn gereift im Bourbon-Fass, Erdbeergeist und Haselnuss-Likör.

Keine Supermarkt-Produkte

Bei allem setzt die Hofbrennerei auf höchste Qualität. Eigene Zutaten, aufwendig verarbeitet – „High-End mit Blick nach oben“, sagt der Chef und verweigert sich dem Supermarkt. „Wir wollen nur dort verkaufen, wo auch beraten wird.“ Im Hof­laden, in Feinkostgeschäften.

Und seit Neuestem gibt es auch den Gin. Den vermutet man eher in der Hand von Queen Mum als in der Fachwerkscheune neben dem Spargelacker. „Gin ist der moderne ­Wacholder“, sagt Schulze Rötgering. Also suchte er zusammen mit seiner Familie nach dem „Gin des Lebens“ (in Anlehnung an einen Text von Udo Lindenberg).

Ein Jahr für ein Rezept

Ein Jahr lang dauerte es, eine Rezeptur zu entwickeln. Mild sollte der Gin sein, ein bisschen Pfiff haben. Jetzt ­legen sie eine Woche lang Wacholderbeeren ins Weizendestillat, brennen, ver­feinern mit Apfelsinen- und Zitrusschalen, Lavendel und ein paar Geheimniskrämereien, die nicht mal „Genussbotschafter“ Boris Burat verraten möchte.

Der Erfolg gibt den Schulze Rötgerings recht: Jüngst gewannen sie bei einer internationalen Messe in China einen Preis mit ihrem Gin aus dem Münsterland.

Und der Engländer? Der kaufte glatt eine Flasche.

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